YB-Farnerud auf den Spuren von Robert Prytz
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 07.04.2011 1 Kommentar
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Bern. «Ich habe von der Stadt noch nicht viel gesehen. Aber es gefällt mir hier, die Leute sind freundlich und unaufdringlich.»
YB. «Ich habe gehört, dass YB oft knapp gescheitert ist in der Liga und im Pokal. Mein Ziel ist es, Titel zu gewinnen. Nachdem ich mit YB-Chef Ilja Kaenzig zum ersten Mal gesprochen hatte, informierte ich mich im Internet über den Verein und sah mir Partien an.»
Strassburg. «Ich wollte mit 19 Jahren weg von meinem Heimatklub Landskrona. Racing Strassburg war 2004 ideal, ich konnte mich entwickeln, zudem war auch mein Bruder im Verein.»
Stuttgart. «In Stuttgart verletzte ich mich 2006 gleich, später fiel ich ein halbes Jahr aus. Aber es war eine gute Zeit, ich bin gereift und wurde 2007 Meister. Im zweiten Jahr erhielt ich mehr Spielpraxis. Dennoch war ein Wechsel richtig, ich wollte mehr Verantwortung übernehmen.»
Kopenhagen. «Mir gefiel es bei Bröndby ab 2008, doch in dieser Saison setzte der Trainer nicht mehr auf mich. Ich hatte im Winter einige Angebote, neben YB interessierte mich Rosenborg Trondheim. Ich bin froh, hat sich die Geduld mit YB ausbezahlt, denn es dauerte ja länger, bis die Ablöseforderung tiefer war.»
Eishockey. «Ich habe gehört, dass Eishockey in Bern einen hohen Stellenwert besitzt. Ich werde sicher ein SCB-Spiel besuchen. In Schweden ist Eishockey populär, und das Fussballnationalteam interessiert, wenn es erfolgreich ist, ähnlich stark. Ich spielte bis 15 Jahre Eishockey, galt als Talent, musste mich aber für eine Sportart entscheiden. Mein Bruder Pontus, der auch Fussballer ist, war noch besser, er spielte in seiner Jugend mit den Sedin-Zwillingen, die in der NHL bei Vancouver Stars sind.»
Hobbys. «Ich spiele im Sommer gerne Golf, höre Musik aller Art, zudem bin ich ein Fan amerikanischer TV-Serien. Als ich jünger war und ungebunden, wettete ich oft, nicht nur auf Fussball, oder spielte Poker. Jetzt trage ich als Vater mehr Verantwortung und bin seriöser.»
Robert Prytz 1986. (Bild: Andreas Blatter)
Alexander Farnerud 2011. (Bild: Andreas Blatter)
Ein Schwede, 26 Jahre alt, wechselt in der Winterpause zu YB, das auf Rang 5 steht. Der Schwede steigt rasch zum Gestalter und Publikumsliebling auf, er ist spielstark und torgefährlich, seine Pässe sind von besonderer Qualität. Der Schwede ist freundlich, er erobert Bern im Sturm.
Der Schwede führt YB in der Rückrunde zum Meistertitel. Das war im Frühling 1986. Robert Prytz war das entscheidende Puzzleteil zum Berner Steigerungslauf von Platz 5 auf Platz 1. Der Schwede will YB von Platz 5 so weit nach oben führen, wie es geht. Das ist im Frühling 2011. Alexander Farnerud ist möglicherweise das entscheidende Puzzleteil für YB auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 1986.
Vermutlich aber nicht dieses Jahr. «Wir spielen noch zweimal gegen Basel und einmal gegen Zürich», sagt Farnerud. «Also muss es das Ziel sein, unseren dritten Rang zu verbessern.»
Auch Fussballer gehen zu Ikea
Treffpunkt mit Alexander Farnerud ist beim YB-Fanshop im Stade de Suisse. Modisch gekleidet ist der 26-Jährige, zerrissen sind die Jeans, auf dem grauen Pullover ist der 1955 verstorbene Kultschauspieler James Dean zu sehen. «James Dean war schon ein sehr cooler Typ», sagt Farnerud, der aussieht wie ein DJ. Auf der Fahrt ins schwedische Möbelhaus Ikea in Lyssach spricht Farnerud über seine wechselhafte Karriere, über den vier Jahre älteren Bruder Pontus auch, der bei Stabaek in Norwegen engagiert ist und bei Monaco und Sporting Lissabon spielte – und an der WM 2002 und an der Euro 2004 im schwedischen Kader stand, aber ohne Turniereinsatz blieb. «Ich möchte ins Nationalteam zurück», sagt Alexander Farnerud, der vier Länderspiele absolviert hat. Aber man spürt, dass sein Fokus derzeit anders gelegt ist – auf Bern und YB. «Ich bin glücklich, wie es ist», sagt er.
Bei Ikea angekommen, gehts zum Lebensmittelladen mit Spezialitäten aus Schweden. Fisch mag Farnerud nicht, Fleisch dagegen schon. Er preist Biskuits an, die er sich jeweils bei Ikea besorge, und schwärmt von den Süssigkeiten im Tiefkühlregal wie einem Marzipaneis mit Sahnefüllung («Das habe ich schon als Kind geliebt»). Auch gut verdienende Fussballer kaufen bei Ikea ein. Kürzlich war Farnerud mit seiner Frau, die aus Stuttgart stammt, hier, um Möbel für die Wohnung in Gümligen zu kaufen – vor allem für das Kinderzimmer. «Lana Fabienne ist vier Monate alt», sagt Farnerud und strahlt. «Sie hat unser Leben bereichert.»
«Ruhiger Typ mit Passion»
Alexander Farnerud ist genau so, wie man sich einen Schweden vorstellt: locker und lässig, ruhig und schalkhaft. Er ist aber kein Robert Prytz, der listig war, leicht rundlich und keinen Festivitäten abgeneigt. Farnerud ist schlank, er ist fit und durchtrainiert und «einfach ein normaler Mensch», wie er es formuliert. Mittlerweile läuft er durch die Möbelabteilung im oberen Ikea-Stock, aber aufs erste, poppige Sofa, das der Fotograf vorschlägt, mag Farnerud nicht sitzen. Man einigt sich schliesslich auf ein elegantes Sofa, Farnerud posiert ernsthaft, erst auf Nachfrage lächelt er.
Der Schwedenimport der Young Boys ist geduldig, er kennt die Wünsche der Medien, schliesslich begann er einst eine Ausbildung zum Journalisten, die er nicht abschloss, weil der Fussball früh sein Leben bestimmte. «Mich interessierte, wie die Medien funktionieren», sagt Farnerud. Was also liegt näher, als ihn zu fragen, wie er einen Artikel über sich betiteln würde. Farnerud überlegt, er spricht aus seiner Zeit in Stuttgart passabel Deutsch, sucht aber die passenden Worte, ehe er formuliert: «Vielleicht wäre das ein guter Titel: ‹Ein ruhiger Typ mit einer Passion für Fussball›.» Ja, er liebe Fussball, das sei schon immer so gewesen. «Ich könnte den ganzen Tag auf dem Platz stehen.»
Auf der Rückfahrt nach Bern spricht Alexander Farnerud über seine angebliche Schwäche beim Torschuss. «Irgendwann hiess es, ich schiesse keine Tore», sagt er, «aber das stimmt gar nicht.» Bei YB seien ihm ja auch schon einige Treffer gelungen, und bei Bröndby habe er in zweieinhalb Saisons 20 Mal getroffen. «Man wird im Fussball leider schnell mit einem Etikett versehen, das man nicht mehr los wird.» Das ungewöhnliche 3-4-3-System bei YB gefällt ihm («Es ist offensiv und attraktiv»), weil auch er dadurch oft zum Torschuss komme.
In der Region Bern laufen ja gerade die Schweden-Wochen mit zahlreichen Aktivitäten und Konzerten, letzte Woche war Farnerud für eine Autogrammstunde bei Ikea. Einen noch persönlicheren Beitrag zu den Schweden-Wochen möchte er am Sonntag im Heimspiel gegen Basel leisten: «Wir wollen den FCB noch einmal ein wenig nervös machen.»
Einige Schweden bei YB
Skandinavische Fussballer hatten bei YB früher grosse Tradition. Der dänische Torschützenkönig Lars Lunde profitierte im Meisterjahr 1986 von den Pässen Robert Prytz’. Und in den Jahren danach etablierten sich mit Björn Nilsson, Hasse Holmqvist, Anders Limpar sowie Roger Ljung weitere Schweden als Leistungsträger. Prytz kehrte 1995 mit 35 Jahren noch einmal zu YB zurück, nun eher massig als rundlich, und der vorerst letzte YB-Schwede vor Farnerud hiess Erol Bekirovski, der bis 1999 in Bern spielte. 12 Jahre später ist Alexander Farnerud auf den Spuren von Robert Prytz. (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.04.2011, 13:49 Uhr
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