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Wo die Eltern noch Kita-Plätze finden

Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 16.04.2011 2 Kommentare

Wie schnell findet man einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte (Kita) in der Stadt Bern? Die Antwort hängt vom Quartier, vom Alter der Kinder und vom Portemonnaie der Eltern ab.

Znünipause in der Kita: Wer einen Betreuungsplatz hat, wird gut umsorgt.

Znünipause in der Kita: Wer einen Betreuungsplatz hat, wird gut umsorgt.
Bild: Keystone

Kita-Vorlagen - Darum geht es am 15. Mai

Kita-Initiative der SP: Alle Kinder haben Anrecht auf einen subventionierten Kita-Platz – und zwar sowohl im gewünschten Umfang als auch im gewünschten Quartier. Der Anspruch gilt auch für Kinder nicht arbeitstätiger Eltern. Die Kosten sind schwer abzuschätzen, der Gemeinderat rechnet aber mit mehreren Millionen Franken.

Gegenvorschlag des Stadtrats: Die Subventionen fliessen nicht mehr an die Kitas, sondern als Betreuungsgutscheine an die Eltern. Diese können bei einer städtischen oder einer privaten Kita eingelöst werden. Gutscheine zugut haben in der Regel nur erwerbstätige Eltern. Auch hier sind die Mehrkosten nicht zu beziffern.

(Bild: BZ)

Niemand weiss genau, wie viele Kinder in der Stadt Bern auf einen Kita-Platz warten. Die aktuellste Zahl stammt aus dem September 2010. Damals standen 900 Namen auf der Warteliste für die 15 städtischen sowie für 25 private Kitas. Diese besitzen einen Leistungsvertrag mit den Stadtbehörden – und bieten deshalb subventionierte Plätze an. Doch diese Liste enthielt Doppelanmeldungen und Namen von Kindern, die bereits anderswo einen Betreuungsplatz gefunden hatten.

«Wie jedes Jahr aktualisieren wir im Moment die Warteliste», sagt Ruth Beer, die Leiterin der Zentralen Vermittlung vom Jugendamt der Stadt Bern. Die Warteliste aus dem Jahr 2010 sei mittlerweile tendenziell länger geworden. Wie stark, will das Jugendamt «zu gegebener Zeit» in Form einer Medienmitteilung kommunizieren.

Private Kitas haben Platz

Im Vorfeld der Abstimmung zur Kita-Initiative der SP und des Grünen Bündnisses am 15.Mai (siehe Kasten) hat diese Zeitung einen Test gemacht. Wir haben für verschiedene familiäre Situationen Kita-Betreuungsplätze in der Stadt Bern gesucht.

Keine Mühe hat, wer die vollen Kosten bezahlen kann und den Platz in einer privaten Kindertagesstätte sucht. Die Kosten belaufen sich im Durchschnitt auf 90 bis 110 Franken pro Tag und Kind. Ein Telefonanruf pro Stadtteil genügt, um einen Platz zu finden, egal ob man diesen für ein Baby ab drei Monaten oder für zwei Geschwister an denselben Wochentagen sucht. Oft ist der gewünschte Betreuungsplatz ab sofort verfügbar, in jedem Fall aber bringt man die Kinder nach den Sommerferien unter.

Problemzone Nordquartier

Schwieriger hats, wer einen subventionierten Betreuungsplatz sucht. In diesen Fällen führt der Weg über die Zentrale Vermittlung der Stadt Bern. Dort füllen die Eltern ein Anmeldeformular aus, das auf der Website der Stadt Bern publiziert ist. Auf diesem machen sie Angaben zum Kind. Die Vermittlungsstelle verteilt die frei werdenden Plätze nicht etwa an diejenigen Eltern, die am längsten darauf warten. Nein, das Kriterium ist die soziale Dringlichkeit. «Anmelden können sich alle Leute, die in der Stadt Bern wohnen», sagt Ruth Beer, die Leiterin der Vermittlungsstelle. «Doch eine allein erziehende Mutter mit Einkommen zur Existenzsicherung kommt eher zum Zug als eine Familie, die sich eine private Kinderbetreuung leisten kann.»

Unterschiede gibts auch in den verschiedenen Quartieren. «Im Nordquartier warten die Eltern gemäss letzter Datenerhebung bis zu eineinhalb Jahre auf einen Betreuungsplatz», sagt Ruth Beer. Kaum besser ist die Situation in der Länggasse, wo die Wartezeit zwischen einem und eineinhalb Jahren betragen kann.

In den Stadtteilen Murifeld/Kirchenfeld, Mattenhof/Weissenbühl und Bümpliz/Oberbottigen hätten dank der Eröffnung neuer Kitas in letzter Zeit die meisten Kinder einen Platz gefunden. Doch neue Anmeldungen landen bereits wieder auf dem Tisch der Zentralen Vermittlung. «Wir warten ab, wie sich die Situation in diesen Stadtteilen entwickelt, und richten den Platzausbau danach aus.»

Wirklich gut siehts nur in der Felsenau sowie im Gebiet Matte/Altenberg aus. «Da gibts noch offene Plätze», sagt Ruth Beer.

Babys finden Platz in Bümpliz

Neben dem Quartier spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Die Kitas betreuen Kinder ab dem dritten Lebensmonat bis zum Schuleintritt. «Das Problem des Wartens zeigt sich am stärksten bei Babys bis zum Alter von eineinhalb Jahren – circa 70 Prozent der Kinder auf der Anmeldeliste sind unter zwei Jahre alt», sagt Ruth Beer. Wegen des erhöhten Betreuungsbedürfnisses seien die Babyplätze in jeder Kita begrenzt. «Das Gute ist, dass die Kinder schnell aus diesem Alter rauswachsen.» Einzig in Bümpliz haben Babys bei der Platzsuche einen Vorteil gegenüber den älteren Kindern. «Dort leben mehr Menschen mit Migrationshintergrund», sagt Ruth Beer. «Diese scheinen es vorzuziehen, ihren Nachwuchs erst in der Kita betreuen zu lassen, wenn dieser etwas älter ist.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.04.2011, 15:12 Uhr

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2 Kommentare

Natalie Imboden

18.04.2011, 16:34 Uhr
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Heute fehlen bezahlbare KITA-Plätze. Keine Mühe hat, wer die vollen Kosten in einer privaten Kindertagesstätte bezahlen kann. 110 Franken pro Tag und Kind sind aber für viele Eltern unerschwinglich. Statt Gutschein-Experimente braucht es einen bedarfsgerechten Ausbau von bezahlbaren und qualitativ guten Plätzen, sowohl in öffentlichen wie auch in privaten Kindertagesstätten. Antworten


Silvia Schmassmann

19.04.2011, 19:21 Uhr
Melden

Heute sprechen sich die Kitas nicht ab, wer die Kinder in welchen Kindergarten begleitet: Während z.B. Kindergärtler des Kiga Pestalozzi von 3 Kitas und 2 Tagis betreut werden, gibt es 3 Kigas im Stadtteil, wo keine kindergerechte Betreuung angeboten wird. Da gibt’s nur eines: Betreuungsgutscheine, damit sich die Kitas nach den Bedürfnissen der Kinder und Eltern richten müssen und nicht umgekehrt. Antworten



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