«Wir stehen mit leeren Händen da»
Von Philippe Müller. Aktualisiert am 08.10.2011 3 Kommentare
«Wir haben ein Jahr lang hier gearbeitet, die Chefs haben wir aber letzten Mittwoch zum ersten Mal gesehen – als sie uns über die bevorstehenden Entlassungen informierten.» Dieser Satz eines Mali-Angestellten sagt viel aus über die Bedeutung des kleinen Berner Ablegers innerhalb des gesamten Mali-Konzerns.
Die Technologiegruppe mit Sitz im aargauischen Wettingen geniesst beim Personal nicht mehr viel Kredit. Dies, weil Mali Mitte Woche bekannt gab, die Produktion an der Wylerringstrasse auf Ende Jahr voraussichtlich einzustellen (wir berichteten). Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern hat sich bereit erklärt, mit dieser Zeitung zu sprechen – allerdings anonym. Aus Angst vor Repressalien seitens des Arbeitgebers.
150 Überstunden und mehr
Hört man den Betroffenen zu, spürt man vorab zwei Gefühlslagen heraus: Frust und Wut. Frustriert sind sie deshalb, weil sie heute genauso weit sind wie vor gut einem Jahr. Schon damals standen sie nach dem Zusammenbruch der Druckmaschinenfabrik Wifag vor der Arbeitslosigkeit – bis sie von Mali International ein neues Jobangebot bekamen. Sie hätten den Job damals besser nicht angenommen, ist man sich in der kleinen Gruppe heute einig. «Weil wir letztes Jahr nahtlos von der Wifag zu Mali gewechselt haben, fielen wir nicht unter den Sozialplan», sagt einer, der vorher viele Jahre für die Wifag gearbeitet hatte. «So erhielten wir auch keine Abfindung. Kaum zwölf Monate später stehen wir nun mit leeren Händen da.»
Wütend sind die Mali-Angestellten, weil sie nie das Gefühl bekamen, dass Mali in Bern die ernsthafte Absicht hatte, etwas Nachhaltiges aufzubauen. «Wäre dem so, würde Mali nicht bereits nach einem Jahr die Reissleine ziehen», ist ein Büezer überzeugt. Denn es leuchte ja jedem ein, dass die Umstellung einer Eigenproduktefertigung wie jener der Wifag auf eine Lohnfertigung nicht in so kurzer Zeit kostenneutral gelingen könne. «Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, muss man auf keiner Hochschule gewesen sein.»
Die Enttäuschung in den ehemaligen Wifag-Hallen ist umso grösser, weil die knapp fünfzig Mitarbeiter in den letzten zwölf Monaten Herzblut und Freizeit geopfert haben, um im Nordquartier etwas Neues aufzubauen. Er habe rund 150 Überstunden geleistet, sagt einer, bei anderen seien es gar noch mehr. Schliesslich habe man sich «reingehängt», um als Lohnfertiger für die verschiedensten Auftraggeber Teile nach Mass herzustellen. Dass sie dies weiterhin in den alten grau-blauen Wifag-Überkleidern tun mussten und keine Mali-Berufskleidung erhielten, passt ins Bild.
Existenzangst geht um
Neben Frust und Wut ist noch etwas omnipräsent: die Existenzangst. Der Grossteil des Berner Mali-Personals ist über 50 Jahre alt und dürfte es schwer haben, auf dem Arbeitsmarkt noch eine Chance zu erhalten. «Wo soll jetzt bloss das Geld herkommen?», fragt sich ein Mittfünfziger. Ihm bleibt nur der Gang zur Arbeitsvermittlung – und vielleicht ein kleiner Rest Hoffnung. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.10.2011, 10:22 Uhr
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Es gibt zu viele Menschen, die mit einer Anstellung zufrieden sind. Wichtiger ist aber zu wissen: Ich finde immer eine Arbeit zur Selbstverwirklichung. Das Jammern kommt bei mir nicht an, und ich weiss wovon ich rede. Jeder Arbeitslose findet Arbeit. Er muss sie nur annehmen. Eigendünkel ist fehl am Platz. Sogar ehemalige Nationalräte müssen sich damit abfinden.
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