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«Wir sind mit Skywork nicht auf Gedeih und Verderb verbunden»

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 28.09.2013 37 Kommentare

Die Turbulenzen rund um Skywork bringen Beat Brechbühl nicht aus der Ruhe. Der Präsident der Flughafenbetreiberin Alpar steht voll hinter der Berner Airline. Er glaubt, dass bald neue Investoren einsteigen. Dennoch fordert er nun Subventionen vom Kanton Bern.

1/4 Steht zu Skywork, glaubt an Skywork: Beat Brechbühl ist Präsident der Flughafenbetreiberin Alpar. Das Schicksal des Flughafens Bern-Belp ist mit der Berner Fluggesellschaft eng verbunden.
Bild: Andreas Blatter

   

Zur Person

Beat Brechbühl ist in der Berner Wirtschaftswelt bestens vernetzt: Er ist Managing Partner der Kanzlei Kellerhals Anwälte. Die Kanzlei hat 160 Angestellte und Büros in Bern, Basel und Zürich. Seit Juni 2013 ist Brechbühl Verwaltungsratspräsident der Flughafenbetreiberin Alpar. Davor sass er bereits während 11 Jahren im Verwaltungsrat der Alpar, zuletzt als deren Vizepräsident.

Brechbühl hat eine grosse Affinität zur Aviatik, ist aber selber nicht Pilot. Bereits während seiner Militärzeit hegte er Sympathien für die Fliegerei – er wollte die fliegerische Vorschulung absolvieren, die für spätere Militärpiloten Pflicht ist. Brechbühl trat allerdings vergebens an.

Nebst seinem Alpar-Präsidium hat Brechbühl zahlreiche weitere Mandate. Er ist Verwaltungsratspräsident der Berner Entsorgungsgesellschaft Avag, der Walliser Solarfirma Energie Solaire AG sowie des Personalbüros EMS AG. Weiter sitzt der Wirtschaftsanwalt in den Verwaltungsräten der Medizinaltechfirma Ziemer (Sekretär) aus Port bei Biel, der Industriegruppe Wandfluh aus Frutigen sowie des Bieler Telecomanbieters Quickline AG. Brechbühl ist darüber hinaus Mitbegründer des Unternehmernetzwerks Swiss Venture Club, das im Raum
Bern einen Unternehmerpreis stiftet. Schliesslich hat Anwalt Brechbühl an der Universität Bern einen Lehrauftrag für Entrepreneurship.

Brechbühl ist Mitglied der FDP. Politisch aktiv ist er seit seiner Jugend: Im Alter von 19 Jahren wurde er in den Grossen Gemeinderat von Muri gewählt – damals war er der jüngste Parlamentarier der Schweiz. 1992 wurde er sogar in die Muriger Exekutive gewählt. Von 1994 bis 2000 war er Vizepräsident der kantonalen FDP. Brechbühl lebt mit seiner Partnerin in der Stadt Bern.

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Herr Brechbühl, wann sind Sie zum letzten Mal mit Skywork geflogen? Beat Brechbühl: Vor einem Monat nach Hamburg.

Was denken Sie, wird es noch viele Gelegenheiten zum Fliegen mit der Berner Airline geben? Selbstverständlich. Ich habe bereits gebucht.

Wann? Für November.

Sie befürchten nicht, dass Skywork plötzlich nicht mehr fliegt? Angst ist ein schlechter Ratgeber. Natürlich ist das Airlinebusiness volatil. Aber freuen wir uns doch an Skywork, dass die Gesellschaft fliegt, dass sie gut fliegt und dass sie sicher fliegt.

Skywork hat aber Probleme und braucht frisches Geld. Nun wird ein neuer Investor gesucht. Die jüngsten Medienberichte haben bei mir schon Kopfschütteln ausgelöst. Es ist doch völlig logisch, wenn ein Hauptinvestor aussteigt, dass danach Geld gesucht wird. Das ist in jedem Unternehmen so. Ich verstehe nicht, wenn man daraus eine grosse Geschichte macht.

Am liebsten wäre Ihnen also, wenn die Medien gar nicht über die Probleme von Skywork berichten würden. Das ist nicht der Punkt. Mich stört der negative Beigeschmack der Berichte. Das zeigt schon Ihre Einstiegsfrage: Sie fragen mich, ob Skywork in Zukunft noch fliegen werde.

Im Moment überwiegen halt die Probleme von Skywork: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat kürzlich den Prüfrhythmus bei der Airline erhöht. Und das Reisebüro der Fluggesellschaft ist aus dem Garantiefonds der Branche rausgefallen. Das mag so sein. Aber ganz grundsätzlich kommt es mir so vor, als gebe es ein gewisses Lustgefühl der Berner Öffentlichkeit und Medien, sich selber schlechter zu machen, als man ist. Das führt letztlich zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Es geht auch um Risikokultur: Wer hier einen Fehler macht, wird dann 20 Jahre lang noch daran erinnert. In den USA ist das anders.

Sie möchten positive Schlagzeilen lesen, wenn es einem Unternehmen schlecht geht? Es gibt immer Positives zu berichten: In der Wirtschaftsregion Bern brauchen wir den Flughafen, und wir brauchen tolle Airlines wie Skywork und Helvetic, die von Bern-Belp aus fliegen. Ich bin froh, dass wir einen Flughafen haben und dass Investoren Skywork aufgebaut haben. Dass es Probleme gibt, ist unternehmensimmanent. Skywork ist ein Start-up-Unternehmen. Und ich kenne kein Start-up-Unternehmen, das keine Probleme hat.

Wenn Skywork so toll ist, wie Sie sagen, müsste es doch ein Leichtes sein, Investoren zu finden. Das ist es aber offenbar nicht. Vermögende Berner Unternehmer haben bereits abgewinkt. Das kann man so nicht sagen. Skywork hat ja schon die Investoren um Daniel Borer gefunden, die bislang rund 50 Millionen Franken investiert haben. Auch der Skywork-Verwaltungsratspräsident Sébastien Mérillat gehört zu diesem Investorenkreis. Zudem helfen Unternehmen wie Rehau und CSL Behring mit: Sie kaufen Skywork Flüge ab.

Auch Sie suchen Investoren für Skywork. Wie läuft es? Darüber äussere ich mich nicht. Als Präsident der Flughafenbetreiberin Alpar ist dies auch nicht primär meine Aufgabe. Skywork und Alpar sind getrennte Unternehmen. Ich versuche zu helfen.

Wie dringend braucht Skywork Geld? Da müssen Sie bei Skywork nachfragen.

Das wissen Sie nicht? In den Grundzügen bin ich informiert, doch es ist nicht an mir, dies zu kommentieren.

Sind Sie zuversichtlich, dass Skywork Investoren findet? Ja, weil ich ein positiv denkender Mensch bin.

Im Winter gab es Wirbel, weil Skywork den Flughafen übernehmen wollte. Wie läuft die Zusammenarbeit heute? Die Lage hat sich entspannt. Die Zusammenarbeit ist professionell, wir stehen in regelmässigem Kontakt. Es ist nicht so, dass hektische Telefonate geführt werden. Wir haben Courant normal.

Trotzdem dürfte bei Ihnen die Lage angespannt sein. Sie sitzen mit Skywork im gleichen Boot. Nein, wir sitzen nicht im gleichen Boot. Wir sitzen nebeneinander. Wir rudern bloss in dieselbe Richtung.

Aber Alpar ist sehr stark abhängig von Skywork. Ja, eine Abhängigkeit besteht. Das ist unbestritten. Skywork ist für uns eine Klumpenchance.

Ich würde eher sagen, ein Klumpenrisiko. Nein, ich spreche bewusst von einer Klumpenchance. Skywork ist wichtig für die Wirtschaftsregion Bern, das ist die Chance. Auf der anderen Seite steht der Klumpen: 80 Prozent unserer Flugbewegungen generiert derzeit Skywork. Die Fluggesellschaft bringt die Hälfte unseres Umsatzes von aktuell etwa 12 Millionen Franken. Wir sind verbunden. Aber wir sind nicht auf Gedeih und Verderb verbunden.

Was würde mit dem Flughafen passieren, sollte Skywork verschwinden? Das wäre einschneidend für die ganze Region Bern. Skywork hat rund 180 Angestellte. Ein Teil der Neuanstellungen und ein Teil der Investitionen auf dem Flughafen haben wir wegen Skywork gemacht. Somit hätte dies auch einschneidende Konsequenzen für Alpar. Aber unser Auftrag geht weiter, auch wenn Skywork nicht mehr existieren sollte.

Gibt es Notfallszenarien? Selbstverständlich, solche Szenarien muss jedes Unternehmen haben. Das hat aber nicht direkt mit Skywork zu tun.

Können Sie mehr dazu sagen? Nein, das will ich nicht. Nur so viel: Wenn eine Airline nicht mehr fliegt, dauert es immer vergleichsweise lange, bis eine neue Gesellschaft die Strecken übernimmt. Somit würden auch bei uns Erträge wegbrechen. Wir müssten sicher die Kosten reduzieren und allenfalls Personal abbauen oder anders einsetzen. Aber nochmals: Ich empfinde Ihren Fokus auf Skywork als unfair.

Warum eigentlich? Wie gesagt: Das Airlinebusiness ist volatil. Klar: Leider haben wir in den letzten Jahren in Belp immer wieder Erfahrungen gemacht mit Airlines, die gekommen und wieder gegangen sind. Aber Sie müssen auch sehen, dass wir in Konkurrenz stehen zu den Flughäfen in der EU. Dort erhalten Start-up-Unternehmen Anschubfinanzierungen von der öffentlichen Hand. Im Kanton Bern ist das jedoch nicht der Fall. Wir versuchen, nach unseren Möglichkeiten etwas zu machen.

Was heisst das? Wir sind bisher allen Fluggesellschaften, die neu ab Bern geflogen sind, mit den Gebühren entgegengekommen – soweit dies unser Reglement zulässt.

Sie haben die EU-Subventionen angesprochen. Auch aus der Berner Wirtschaft kommt jetzt der Ruf, der Kanton müsse Skywork unter die Arme greifen. Als Liberaler bin ich gegen staatliche Eingriffe bei privaten Unternehmen. Aber wir müssen differenzieren und gleich lange Spiesse bei der Infrastruktur schaffen. Dazu müsste man das kantonale Gesetz über den öffentlichen Verkehr ändern. Damit könnte der Flugverkehr wie der Eisenbahnverkehr unterstützt werden. Vielleicht wäre es für den Kanton interessanter und zukunftsgerichteter, den Linienflugverkehr zu unterstützen statt, überspitzt gesagt, Millionen in ein Zugabstellgleis in Gurbrü zu investieren. Allerdings ist dies nur die eine Variante und angesichts der aktuellen Spardebatte im Kanton Bern wohl Wunschdenken

...und die andere Variante ist, dass der Kanton direkt Skywork subventioniert? Nein, daraus ergäbe sich ein nicht zulässiger Wettbewerbsvorteil.

Wie sieht denn die zweite Variante aus? Ich könnte mir vorstellen, dass der Kanton Bern künftig sogenannte Hub-Anbindungen an grosse internationale Flughäfen bestellt und der Berner Wirtschaft so den Zugang zum weltweiten Netz gewährt. Der Kanton könnte so eine Linie ausschreiben und einen gewissen Betrag für deren Betrieb zahlen, nämlich die Differenz zwischen der betriebswirtschaftlichen Rentabilität und dem volkswirtschaftlichen Nutzen.

Welche Destinationen sollten denn unterstützt werden? Als solche Hubs kommen für mich Bern–Amsterdam, Bern– München oder Bern–Frankfurt infrage. Jede Airline könnte sich um den Betrieb der Strecken bewerben; Skywork hätte als Berner Airline einen gewissen Vorteil, den Zuschlag erteilen würde aber der Kanton.

Sind Sie mit Ihrem Vorschlag schon beim Berner Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher vorstellig geworden? Wir haben verschiedene Gespräche geführt. Dies tat auch schon mein Vorgänger. Involviert sind jeweils die Volkswirtschafts- und die Verkehrsdirektion. Noch ist nichts spruchreif, wir werden aber sicher in diese Richtung weiterstossen.

Ist es für Sie als Freisinnigen nicht brutal, wenn Sie bei SP-Regierungsräten um Subventionen betteln müssen? Aber ich bitte Sie, das hat doch nichts mit der politischen Ausrichtung zu tun – es geht hier um die Berner Volkswirtschaft.

Sind denn die Signale positiv? Ich bin überzeugt, dass wir hier eine gute Lösung hinbringen.

Die Stadt Bern stellt seit diesem Sommer keinen Vertreter mehr im Alpar-Verwaltungsrat. Vermissen Sie die Unterstützung der Hauptstadt? Sagen wir es so: Einzelne Gemeinderäte und der Stadtpräsident halten zum Flughafen. Das finde ich gut. Aber ja, ich wünschte mir, die Stadt Bern würde mehr machen für diesen Wirtschaftszweig. So wie etwa die Stadt Lugano. Schliesslich hängen insgesamt im Raum Bern rund 500 Arbeitsplätze am Flughafen und an Skywork.

Beim Flughafen steht der Ausbau an – wird dieser auch gemacht, wenn Skywork nicht mehr existieren sollte? Ja, der Ausbau kommt so oder so. Aber es ist ein langfristiges und grosses Projekt in verschiedenen Etappen. Wir wollen die Bereiche neben dem Flugverkehr ausbauen. Die Planung ist weit fortgeschritten, wir rechnen mit einem Baubeginn frühestens 2015. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.09.2013, 12:03 Uhr

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37 Kommentare

Hans Münger

28.09.2013, 18:13 Uhr
Melden 60 Empfehlung 14

Typisch Bern, alles schlecht zu machen.
Die Region profitiert enorm von Alpar und SkyWork.
Viele neue Unternehmen konnten in der Region Bern angesiedelt werden, auch dank den schnellen Verbindungen nach Europa.
Wenn Bern diese Jobs nicht will, Zürich nimmt sie sicher gerne..!
Ich bin stolz auf SkyWork und den Flughafen Bern und ich bin sicher, dass es beide Firmen noch lange gibt!
Antworten


Bruno Bänninger

28.09.2013, 18:02 Uhr
Melden 46 Empfehlung 7

Es gab einmal einen sehr potenten Investor. Der wollte den Flugplatz auf Vordermann bringen und rentabel gestalten.
Den Herren im VR war das suspekt, sie wollten das nicht. Chance verpasst,
der Investor verabschiedete sich. Das Fiasko ist da.
Jetzt verlangen die Herren VR, der hoch verschuldete Kanton müsse helfen.
Solchen Geschäftsleuten helfen nicht einmal mehr Subventionen.
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