Westside-Kino jagt Stadtkinos die jungen Kunden ab

Von Esther Diener-Morscher. Aktualisiert am 23.11.2009

Trickfilme für 3-Jährige, brutale Krimis für 13-Jährige: Seit Pathé im Westside elf Kinosäle betreibt, können Kinder Filme schauen, die ihnen in anderen Kinos verboten sind. Nun verspricht Pathé Besserung.

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In jedem Kanton anders

In jedem Kanton sind die Altersfreigaben für Kinofilme anders geregelt. Bisher sind alle Bestrebungen gescheitert, eine nationale Stelle einzuführen, die einheitliche Limiten für die ganze Schweiz festlegt. Viele Eltern möchten bei einem Kinofilm nicht nur wissen, welche Altersgrenze zum Schutz der Kinder gilt, sondern auch, ab welchem Alter ein Film überhaupt geeignet ist. Deshalb legen etwa die Filmbehörden in Genf und in der Waadt für jeden Film zwei Altersangaben fest. Für Disneys Weihnachtsgeschichte gilt dort etwa eine gesetzliche Altersgrenze von 7 und eine empfohlene Altersgrenze von 12 Jahren. Zum Vergleich: In Bern liegt die Altersgrenze, welche der Verleiher empfiehlt, bei 10 Jahren ohne Begleitung und bei 8 Jahren in Begleitung Erwachsener.

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Der Film «Wickie und die starken Männer» ist ein Kinderfilm. Allerdings nicht für die ganz Jüngsten. Im Berner Kino Jura dürfen erst Kinder ab 8 Jahren den Film sehen; schon ab 6 Jahren haben sie Zutritt, wenn sie in Begleitung von Erwachsenen sind. Andere Regeln gelten vor den Toren der Stadt: Das Pathé-Kino im Westside lud bereits 3-Jährige in ihre Säle.

Der «Wickie»-Film ist kein Einzelfall: Auch den Trickfilm «Oben» durften 3-Jährige im Westside sehen, im Kino Alhambra in der Stadt hingegen waren erst die 6-Jährigen zugelassen. «Verblendung», der schwedische Thriller mit etlichen grausamen Gewaltszenen, war im Westside bereits für 13-Jährige freigegeben, wenn sie in Begleitung Erwachsener waren. In der Stadt wiederum waren nur Jugendliche ab 16 Jahren zugelassen.

Die unterschiedlichen Zulassungen nerven die städtischen Kinobetreiber: «Pathé hält sich einfach nicht an die Vereinbarungen», klagt Philippe Täschler, Geschäftsführer der Kinokette Kitag. «So macht uns das Kino Kunden abspenstig.» Auch die zweite Berner Kinokette Quinnie hat sich darüber beschwert, dass Pathé immer wieder andere Alterslimiten setze.

In Bern gibt es seit fünf Jahren keine Behörde mehr, welche die Altersfreigaben in den Kinos festsetzt und kontrolliert. Doch gilt im Kanton die Regel, dass die Filmverleiher die Altersgrenzen festlegen und die Kinobetreiber sich daran halten. Bei den Stadtkinos hat das funktioniert. «Wir wollen einheitliche Alterslimiten und keinen Wildwuchs», versichert Kitag-Chef Täschler. «Und vor allem wollen wir nicht, dass Kinder verstört aus dem Kino kommen.»

Mara Pavic, Marketingassistentin des Westside-Kinos, bestreitet, dass Pathé mit tiefen Alterslimiten den Stadtkinos bewusst junge Kundschaft abjagen wolle. «Wir können uns die Unterschiede zu den Stadtkinos nicht erklären», sagte sie in einer ersten Stellungnahme lapidar. Erst nach längerem Nachfragen räumte Christophe Lutzelschwab, Direktor des Pathé-Westside, Fehler ein: «Wir haben irrtümlich Vorgaben von Basel übernommen.» Es werde in Bern künftig keine unterschiedlichen Altersgrenzen für den gleichen Film mehr geben. Wirklich nicht? Auch nach dieser Ankündigung durften im Westside bereits 4-Jährige den Film «Oben» anschauen; in der Stadt dürfen dies erst 6-Jährige. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.11.2009, 08:23 Uhr

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