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Wenn ein Sitzplatz im Zug zur Mangelware wird

Von Claudia Salzmann. Aktualisiert am 18.08.2011 63 Kommentare

Menschenmassen, überfüllte Busse, knappe Wohnungsangebote: Immer mehr Menschen leben im urbanen Raum und ein beengendes Gefühl macht sich breit. Bernerzeitung.ch publiziert eine Serie zum Thema. Zweiter Teil: Pendeln.

1/10 Auf den Strassen und den Schienen ist es in der Rushhour eng.
Bild: Andreas Blatter

   

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Jetzt nach den Sommerferien, in denen das Pendeln erträglicher war, sind die Züge und Busse wieder voll. Die Menschen sind zurück aus den Ferien, die Schule hat wieder angefangen und in einigen Wochen geht der Hochschulbetrieb ebenfalls wieder los. Mit dem Ferienende werden auch die Züge wieder voller. Je nach Strecke hat der Pendler keine Chance auf einen Sitzplatz. Eine 29-jährige Pendlerin aus Thun: «Auf dem IC-Zug um 7.04 Uhr nach Bern sitze ich immer im Gang, weil sowieso nur sehr wenige Plätze frei sind.» Seit 2004 fahren die Züge im Halbstundentakt und bereits zuvor gab es Zusatzzüge.

Ebenfalls der Interregio-Zug aus dem Emmental nach Bern sei voll. Eine ehemalige Pendlerin sagt, dass die Leute spätestens ab Konolfingen stehen müssen. Eine andere Pendlerin, die täglich in die Gegenrichtung fährt, bestätigt dies: «In der Hauptverkehrszeit ist der Zug einfach voll.»

Auf der befahrensten Strecke der Schweiz, zwischen Bern und Zürich, werden in beiden Richtungen seit 2007 morgens und abends zusätzliche Züge angeboten. Das verschaffte Luft, wobei auf dem Perron von 6.30 bis 8.00 Uhr ununterbrochen hektisches Treiben herrscht.

Sechs Prozent mehr

Pendler erhielten mit dem Ausbau des Hauptbahnhofs Bern mehr Platz und ein weiterer Umbau ist bereits in Planung. Auch verschaffte der Bahnhof Wankdorf, wo einige der GIBB- und Feusi-Schüler aussteigen und nicht via Bahnhof Bern in die Schule gelangen, etwas Luft. Eine dieser Schülerinnen bestätigt: «Der Bahnhof Wankdorf ist wirklich praktisch und zeitsparend. Ich müsste einen früheren Zug nehmen, wenn es diese Haltestelle nicht geben würde.» Nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für die Eishockey- und Fussballspiel sei es gut und helfe der Stadt, dass es weniger Durcheinander hat.

Die SBB beförderte 2010 sechs Prozent mehr Reisende – täglich waren 951'000 Menschen mit der SBB unterwegs, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Auch die Personenkilometer steigen seit Jahren: Während 2006 noch 14'265 Millionen Personenkilometer zurückgelegt wurden, sind es 2010 17'513 Millionen Personenkilometer. Pro Kilometer macht die SBB gerade mal 16 Rappen Ertrag. Schweizweit sind 429'000 Generalabonnemente im Umlauf, im Vergleich zu 2001 waren es 235'000, und rund 2'357'000 Menschen besitzen ein Halbtaxabo.

Rund 50 Prozent des ganzen Personenverkehrs bewältigt die SBB in der Hauptverkehrszeit, das sind gegen eine halbe Million Passagiere. Die hohe Auslastung führt zu Sitzplatzmangel und dadurch zu eingeschränkten Komfort. Dies bemängelte die SBB-Kundschaft in der Kundenbefragung. Laut Geschäftsbericht der SBB konnte aber die Gesamtzufriedenheit im Vergleich zum Vorjahr dennoch verbessert werden: Insbesondere in der Sicherheit, Information bei Störfällen und der Pünktlichkeit.

Reibereien unter Pendlern

Ohne Manieren und Respekt führt diese Hektik unweigerlich zu Reibereien. Das fängt damit an, die Eintreffenden zuerst aussteigen zu lassen, bevor man einsteigt. Beobachtet man den Zürcher S-Bahn-Verkehr während der Rushhour, herrschen dort andere Zustände: Trifft die S-Bahn ein, stellt der Zürcher sich in «Pole Position», um möglichst schnell reinzukommen und die Chance auf einen Sitzplatz zu erhöhen. Die Ankommenden behelfen sich mit Ellbogen, Taschen und oft ganzem Körpereinsatz, um überhaupt aussteigen zu können.

Solche Szenarien kennt man in Bern nur ansatzweise. Bern hat jedoch ein Manko punkto Rolltreppen-Fahren: In Zürich wird jeder mit gehässigen Zurufen belehrt, rechts zu stehen und links zu gehen. Wenn nicht gar zu rennen. In Bern übt man sich in der Geduld und traut sich selten zu fragen, ob man überholen darf. Der Pendlerstrom staut sich vor den Rolltreppen. Ist man am Rolltreppenende angelangt, geht die Hektik unaufhörlich weiter, bis der Pendler endlich auf dem Bürostuhl Platz nehmen kann.

Lesen Sie am Mittwoch den dritten Teil der Serie zum Thema Wohnen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2011, 06:08 Uhr

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63 Kommentare

Jasmine Matter

17.08.2011, 06:49 Uhr
Melden 36 Empfehlung

Wow. Alles findet man im Bericht. Einwohnerzahl, Anzahl junger Menschen, Einpersonenhaushalte, Haushalte mit Kinder, Wohngemeinschaften....nur etwas fehlt. Man darf es wohl nicht schreiben, dass heute 85% der Zuzüger Ausländer sind. Auch nicht thematisieren darf man wohl, warum Bern - im Vergleich zur Restschweiz - so beschaulich wächst. Schöne linke Medienwelt. Informativ ist das aber nicht. Antworten


Dieter Kaiser

17.08.2011, 08:43 Uhr
Melden 19 Empfehlung

Die Zwängerei "Viererfeld" habe ich definitiv satt, nachdem das Stimmvolk NEIN gesagt hat. Vor allem aber begrabe man schleunigst das illegale und haarsträubende Projekt "Waldstatt". Antworten



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