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Was die Stadt Bern attraktiv macht

Von Hannah Einhaus. Aktualisiert am 10.03.2011 1 Kommentar

Die einen reisen nach Bern als Besucher, andere wollen hier leben und arbeiten. Berns Wirtschaftsdirektor Reto Nause (CVP) erklärt, warum er Bern für Touristen und Migranten attraktiv findet.

«Die Schweiz hat kein Ausländerproblem»: Berns Wirtschaftsdirektor Reto Nause im Gespräch.

«Die Schweiz hat kein Ausländerproblem»: Berns Wirtschaftsdirektor Reto Nause im Gespräch.
Bild: Stefan Anderegg

Veranstaltungsreihe

Im Rahmen seines Frühjahrsprogramms führt das Haus der Religionen eine Gesprächsreihe zum Verhältnis zwischen Religion, Tourismus und Migration durch. Jeden zweiten Donnerstag beleuchtet ein Gast eine andere Perspektive. Den Auftakt macht heute Donnerstag Berns Gemeinderat Reto Nause. Er fokussiert auf die wirtschaftliche Bedeutung von Touristen und Migranten für die Stadt Bern.ein

Die Gesprächsabende finden jeweils um 19.30Uhr statt, an der Laubeggstrasse 21 (neben dem Rosengarten). Weitere Daten: 24.3; 7.und 28.4; 12. und 26.5; 9.6.

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Korrektur-Hinweis

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Herr Nause, ein Fremder kommt nach Bern. Woran erkennen Sie ihn als Touristen beziehungsweise als Migranten?
Reto Nause: Gar nicht. Weder Kleidung noch Hautfarbe sind eindeutige Merkmale. Das ist für mich ein Zeichen, wie durchmischt die Schweizer Bevölkerung ist.

Welche ökonomische Bedeutung haben Migranten für die Stadt Bern?
80 Prozent der Ausländer in Bern stammen aus dem EU-Raum. Über ein Viertel aller Arbeitskräfte in Bern haben einen ausländischen Pass. Ohne sie wäre das Funktionieren unserer Wirtschaft undenkbar, sei es im Dienstleistungssektor oder in der Industrie.

Sie sagten kürzlich, Touristen von heute seien möglicherweise Investoren von morgen. Sehen Sie das auch bei Einwanderern?
Sicher. Zu den Einwanderern, die die Schweizer Wirtschaft massgeblich geprägt haben, gehört Nicolas Hayek aus dem Libanon. Er hauchte der Uhrenindustrie neuen Atem ein, und seine Swatch ist ein Stück Swissness geworden. Weitere Beispiele sind die BBC-Gründer Charles Brown aus Grossbritannien und Walter Boveri aus Italien. Der grösste Schweizer Konzern geht auf Henri Nestlé aus Deutschland zurück. Sie alle haben die liberalen Rahmenbedingungen unserer Wirtschaft genutzt.

Und doch haben Einwanderer vielerorts einen schlechten Ruf...
Die Schweiz hat kein Ausländerproblem. Das Problem besteht nur mit Extremisten aller Länder und aller Religionen. Aber diese wenigen halten den Staatsapparat auf Trab.

Warum gelten Migranten dann in der öffentlichen Debatte oft als Risikofaktor?
Selbstverständlich gibt es Kriminelle, und in gewissen Bereichen wie Drogen- und Menschenhandel spielen sie eine tragende Rolle. Es handelt sich dabei jedoch um Individuen, die per Strafverfahren verfolgt werden. Ein Rückschluss auf eine ganze Bevölkerungsgruppe ist nicht zulässig.

Je nach Herkunftsland und Ausbildung sind Einwanderer mehr oder weniger willkommen...
Das ist eine Frage der Zeit. Während meiner Jugendzeit waren die Italiener verpönt, später die Tamilen. In den 90er-Jahren folgten die Menschen aus dem Balkan, und heute sind es Afrikaner. Der Integrationsprozess ist jedoch für Europäer sicher einfacher als für Volksgruppen, die im Kastendenken aufgewachsen sind. Problematisch wird es, wenn es bei bestimmten Bevölkerungsgruppen zur Sippenhaft kommt. Wenn Jugendliche den Eindruck bekommen, wegen ihrem -ic-Namen keine Lehrstelle zu finden, besteht die Gefahr, dass sie radikalisiert werden. Wir brauchen einen klaren Blick auf das Individuum. Nur so funktioniert die Integration gut.

Was halten Sie vom Begriff «Wirtschaftsflüchtling»?
Für mich ist klar, dass die Menschen ihre Chancen nutzen. Die Heimat, Familie und Freunde zu verlassen, erfordert sehr viel Mut.

In der nächsten Zeit wird eine Flüchtlingswelle aus Nordafrika erwartet. Ist die Stadt Bern darauf vorbereitet?
In erster Linie werden Bund und Kanton gefordert sein. Die Gemeinden, also auch die Stadt Bern, kommen bei der provisorischen Unterbringung der Geflüchteten zum Zug. Da geht es um die Grundversorgung wie Unterkunft und Ernährung.

Bei nicht europäischen Personen sind oft Diplome nicht anerkannt. So arbeiten auch Akademiker in der Strassenreinigung. Ist das ökonomisch sinnvoll?
Zweifellos handelt es sich um ungenutztes Potenzial. Unsere Wirtschaft ist stark auf den EU-Raum ausgerichtet. Um gut qualifizierte Leute aus dem Nicht-EU-Raum zu holen, wäre das Instrument einer Greencard, wie es die USA haben, sinnvoll.

Ihre Direktion sowie Bern Tourismus wollen Bern als Label besser verkaufen? Wie stellen Sie sich das vor?
Bern hat eine einzigartige Lebensqualität als «most relaxed capital of the world». Beim ersten Sonnenstrahl sitzen die Leute in Strassencafés, und während der Session schlendern Parlamentarier durch die Stadt. Wo finden Sie das sonst? Diese Qualität dürfen und sollen alle – hier Geborene, Eingewanderte und Touristen – gleichermassen geniessen.

Welches Image hat Bern als attraktive Stadt für Einwanderer?
Bern hat eine sehr starke lokale Identität. Diese erlaubt gleichzeitig eine grössere Offenheit nach aussen. Es ist kein Zufall, dass die Stadt Bern Abstimmungsvorlagen wie die Anti-Minarett- oder die Ausschaffungsinitiative deutlich abgelehnt hat. Diese Offenheit führe ich auch darauf zurück, dass Bern praktisch an der Sprachgrenze liegt, mehr Verständnis für andere Sprachen hat und so eine Scharnierfunktion zwischen den Landesteilen einnimmt.

Verwischen sich im Zeitalter der Globalisierung nicht die Grenzen zwischen Tourismus und Einwanderung? Schliesslich reisen auch wir in die Welt und bringen die grosse Liebe mit. Jede zweite Ehe ist binational.
Diese Beziehungen und die Kinder daraus sind der beste Beweis, dass es funktioniert und unsere Gesellschaft bereichert wird. Ich bin übrigens selbst Kind einer binationalen Ehe, mein Vater ist Deutscher. Ich fühle mich jedenfalls gut integriert (schmunzelt). (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.03.2011, 07:27 Uhr

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1 Kommentar

Peter Münger

10.03.2011, 10:47 Uhr
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Ein richtiger Berner Politiker. Am Volk vorbei reden, alles beschönigen und bei den Problemen wegsehen. Es ist schon fast abscheulich wie oft er betont, wie schön es Migranten und Eingewanderte bei uns haben. Nause hat schon keine Ahnung was die Berner bewegt. Das schon Guggen sagen ab 24h ist die Stadt tabu. Antworten



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