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Vier Berner und das Prinzip Pop

Von Samuel Mumenthaler. Aktualisiert am 19.01.2011

Auf ihrer zweiten CD «Cannes» lassen Choo Choo die Garage hinter sich und punkten mit nordisch inspiriertem Pop. Am Donnerstag ist CD-Taufe im ISC.

Da tanzt niemand aus der Reihe: Bei Choo Choo trumpft kein Bandmitglied über Gebühr auf, die Songs stehen stets im Vordergrund.

Da tanzt niemand aus der Reihe: Bei Choo Choo trumpft kein Bandmitglied über Gebühr auf, die Songs stehen stets im Vordergrund.
Bild: Mark Howells-Mead/zvg

«Raus aus der Garage!», war laut Pressetext das Credo des neuen Choo-Choo-Albums «Cannes». Tatsächlich: Schon beim ersten Durchhören umgarnt einen der dezent instrumentierte Gitarrenpop des Berner Quartetts mit einlullenden Melodien und eingängigen Refrains, die mehr an Abba als an irgendwelche Garagenpunks erinnern.

Für den richtigen Sound verpflichteten Choo Choo diesmal den Produzenten und Musiker Kalle Gustafsson (The Soundtrack of Our Lives), der den Bernern in seinem «Svenska Grammofon Studion» in Göteborg die typisch schwedische Popabreibung verpasste. Kein Wunder, fokussierte Gustafsson auf die Stimme von Sänger und Songwriter Dan Joerg: Der hat die richtige, will heissen höhere, Tonlage, das leicht schläfrige Timbre und die Gabe, die Melodien zu verschleppen, um den Indie-Pop von Choo Choo nicht nur radiotauglich, sondern auch glaubwürdig zu machen.

Auch einen veritablen Ohrwurm haben Choo Choo zu bieten: Die Auskopplung «It’s a Good Thing» punktet mit ihren scharfen Offbeat-Gitarren, einem luftigen Refrain und Joergs verspielter Gesangslinie – ein clever arrangierter, anschmiegsamer Popsong, wie man ihn sonst aus Bern kaum hört. Dieses Niveau können Choo Choo zwar nicht ein ganzes Album lang halten: Auf die Dauer sind einige der Songs dann doch zu einfach gestrickt, die Melodien zu sehr austauschbar. Was Choo Choo auszeichnet, ist ihre Konsequenz. Stets steht der Song im Vordergrund, nie trumpft jemand über Gebühr auf, keiner tanzt aus der Reihe, alle ordnen sich dem Prinzip Pop unter.

Mit einem Musikstil im weiten Spannungsfeld zwischen Sixties-Melodik und digitaler Technologie gehören Choo Choo zu einer neuen Generation von Schweizer Bands, die weder auf die Behäbigkeit des Mundartrock noch auf angriffigen Hip-Hop setzen und sich stattdessen auf die Suche nach dem weltgewandten Popsong machen. Wenn sie weiterhin auf das Prinzip der Reduktion und einen internationalen Touch setzen, könnten Choo Choo ihre typähnlichen Konkurrenten bald hinter sich lassen. Dafür braucht es auch eine gute Livepräsenz. Von der kann man sich morgen anlässlich der CD-Taufe ein Bild machen.

CD: Choo Choo, «Cannes», Chop Records. Konzerte: Do, 20.1., CD-Taufe, ISC Bern; Fr, 28.1., Mokka, Thun. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2011, 09:51 Uhr

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