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Viel Verwirrung um gefälschte Markenartikel
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Die Gerichtsschreiberin am Kreisgericht Bern-Laupen hatte gestern keinen leichten Stand. Während der Befragung des Angeschuldigten hatte sie die undankbare Aufgabe, aus dessen Redeschwall etwas einigermassen Brauchbares herauszufiltern und zu protokollieren. Zum Vorwurf der Warenfälschung war von dem Mann ebenso wenig Konkretes zu erfahren wie zu seiner Person.
Vor Gericht steht der 40-jährige Türke, weil er gefälschte Kleider von Nobelmarken wie Versace, Gucci, Prada oder Armani in die Schweiz importiert und als Originalware verkauft haben soll. Dies nicht etwa in einem Hinterhofladen, sondern in einer der noblen Boutiquen an der Berner Marktgasse. Diese hat er inzwischen verkauft.
Ex-Frau bedroht
Überdies wird der Mann beschuldigt, seine Buchhaltung nicht in Ordnung geführt zu haben, obwohl er dazu verpflichtet gewesen wäre. Dazu soll er den Sozialdienst seiner Wohngemeinde Ostermundigen betrogen haben. Einkünfte, die er als Geschäftsführer und Inhaber seiner Boutique erzielte, soll er verschwiegen und ungerechtfertigt Sozialgeld bezogen haben. Schliesslich geht es auch um Todesdrohungen gegen seine Ex-Ehefrau. Allein für den Hauptanklagepunkt der Warenfälschung droht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Das Urteil wird auf Freitag erwartet.
Extraeinladung
Vor Gericht erscheint der Angeklagte erst nach Extraaufforderung durch seinen Anwalt und mit 20-minütiger Verspätung. Breitspurig sitzt er auf seinem Sessel, mit wilden Gesten unterstreicht er seine Reden. Dazwischen wühlt er in seiner Mappe, breitet Papiere auf seinem Tisch aus, wedelt mit Lieferscheinen herum. Immer wieder fällt er dem Gerichtspräsidenten Jean-Pierre Vicari ins Wort, bis ihn dieser auffordert: «Versuchen Sie, ein wenig herunterzukommen, das wäre besser für Sie.»
Während einer halben Stunde versucht das Gericht zu erfahren, wie gesund sich der Angeklagte zurzeit fühlt. Die Antwort: viele widersprüchliche Worte mit kargem Inhalt. Nicht weniger als fünf Mal bohrt der Richter nach, warum der Angeklagte weiter gefälschte Ware verkauft habe, obwohl er schon zuvor von der Polizei deswegen erwischt worden war. Die Antworten sind langatmig, aber nichts sagend – wortreiche Aussageverweigerung.
Die anderen sind schuld
Klare Aussagen sind dann zu hören, wenn er den Schwarzen Peter anderen zuschieben will. Dass seine Boutique so schlecht laufe, sei die Schuld der Polizei, die ihm seine Ware weggenommen habe. Dass er in früheren Jahren wiederholt Strassenverkehrsdelikte begangen habe, sei die Schuld seiner Frau, die sich von ihm getrennt habe. Und dass die Polizei bei ihm wiederholt gefälschte Edeltextilien gefunden habe, sei ebenfalls nicht seine Schuld, sondern diejenige seiner Lieferanten.
Ob es ihm nicht eigenartig vorgekommen sei, dass er die Edelmarken nicht in Mailand, sondern in Istanbul bestellen musste, will das Gericht wissen. Die Antwort: «Nike stammt auch aus den USA und produziert in China.» Erst von der Polizei will er erfahren haben, dass die Kleider Plagiate waren.
Kein Verdacht geschöpft?
Bis heute sei er davon überzeugt, dass die Ware echt gewesen sei, beteuerte er. Auch die tiefen Einkaufspreise seien ihm nicht verdächtig vorgekommen, denn «ich kenne das System des Textilhandels». Was ihn aber offenbar nicht davor schützte, bereits zum wiederholten Mal wegen gefälschter Markenartikel vor Gericht zu stehen.
Gestern Nachmittag wären die Befragungen eigentlich weitergegangen. Doch um viertel nach zwei waren alle da – ausser dem Angeklagten. Er habe Kopfschmerzen, liess er ausrichten. Was für den heutigen zweiten Verhandlungstag zu erwarten ist, hat er am Vormittag selbst angetönt: «Ich kann jederzeit ein Arztzeugnis auftreiben.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.09.2009, 13:14 Uhr
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