Turnen für Musliminnen dauerte nur wenige Wochen

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 23.07.2010 3 Kommentare

Abgeschirmt vor Männerblicken, wollten muslimische Frauen in Wabern Sport treiben. Jetzt ist das Turnen des Islamischen Zentralrates schon wieder eingestellt. Gemeinderat Ueli Studer (SVP) fordert eine Kopftuchdebatte.

Die Nachfrage war zu gering:  Der Islamische Zentralrat hat sein umstrittenes Frauenturnen in der Dorfschulhaus-Turnhalle von Wabern nur wenige Wochen lang durchgeführt.

Die Nachfrage war zu gering: Der Islamische Zentralrat hat sein umstrittenes Frauenturnen in der Dorfschulhaus-Turnhalle von Wabern nur wenige Wochen lang durchgeführt.
Bild: Stefan Anderegg

Es hat für Aufsehen gesorgt wie kein anderes Turnen in der Region. Nun existiert das Angebot bereits nicht mehr: Ein paar wenige Male haben sich seit Ende April in der Dorfschulhaus-Turnhalle in Wabern junge Musliminnen getroffen, um ohne Kopftuch miteinander Sport zu treiben. Veranstaltet hat das Turnen der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS). Wegen seiner radikalen Ansichten ist er in den letzten Monaten in die Schlagzeilen geraten.

«Das Interesse war zu gering», sagt Abdel Azziz Qaasim Illi, Mediensprecher des IZRS. Vor allem die Trainingszeit von 20.30 bis 22 Uhr sei nicht ideal gewesen. «Das war vielen zu spät am Abend», so Illi. Deshalb habe der Zentralrat Ende Juni offiziell beschlossen, das Turnen einzustellen.

Vielleicht bald wieder

Einfach begraben ist die Idee eines eigenen Frauenturnens damit aber nicht. «Im Moment suchen wir keine neue Halle», sagt Illi zwar. Doch könnte das bereits im Herbst wieder anders aussehen. «Der Wunsch muss aber von unseren Frauen kommen», betont Illi. «Wir erfinden nicht einfach künstlich ein Bedürfnis, für das es keine Nachfrage gibt.» Wenn die Frauen es nochmals versuchen möchten, helfe der IZRS mit, für das Angebot zu werben und es zu finanzieren.

Die Initiative für das Turnen in Wabern ergriffen hat Daniela Rickli. Die 20-jährige Schweizerin ist konvertierte Muslimin und selbst Mitglied des IZRS, wie sie im April erklärte. Sie habe einfach Lust, mit ihren Kolleginnen Sport zu treiben, begründete sie das Spezialturnen. Und machte auch klar, dass ein herkömmliches Frauenturnen für sie keine Alternative ist. «In viele Hallen sehen Männer rein, doch wir legen das Kopftuch wirklich nur ab, wenn wir unter Frauen sind.» Die Turnhalle in Wabern war für ein solches Turnen speziell geeignet, weil ihre Fenster sehr hoch liegen. Gestern war Rickli telefonisch nicht erreichbar.

«Sturm im Wasserglas»

«Erstaunt» sei er gewesen, sagt der Könizer Gemeinderat Ueli Studer (SVP) auf Anfrage zum Ende des Frauenturnens. Das Turnen habe sehr viel Wirbel ausgelöst. Etwas mehr Durchhaltewillen hätte er erwartet. «Das war nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas für nichts.»

Studer musste sich wegen des Trainings, das sein Dienstzweig für Anlagen und Sport bewilligt hatte, kritische Fragen gefallen lassen. Sollten die Frauen je wieder Interesse an einer Halle haben, würde man ein solches Gesuch sicher kritischer anschauen, sagt er heute. 1000 Franken hätte die Hallenmiete pro Jahr gekostet. Für die paar Monate erhält der IZRS nun eine Rechnung von rund 340 Franken.

Eine «heisse Kartoffel»

Mit dem Frauenturnen habe er eins zu eins erlebt, wie schwierig die Kopftuchfrage sei, sagt Studer. «Ich bin dezidiert der Meinung, dass sie auch im Kanton Bern endlich breit politisch diskutiert werden muss.» Doch die Sache werde noch wie eine heisse Kartoffel behandelt, findet Studer, der seit kurzem auch im Grossen Rat sitzt.

Leitlinien allein reichen für Studer dabei nicht. Er wünscht sich klare Regeln, wie an Schulen oder in öffentlichen Verwaltungen mit Menschen anderer Religionen umzugehen ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.07.2010, 08:09 Uhr

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3 Kommentare

Hans Stucki

23.07.2010, 10:42 Uhr
Melden

Die Leiterin schreibt in einem Bericht der neusten Ausgabe der Wabern Post: "Heute haben sich vier Frauen angemeldet, es kommt aber nur eine. Manchmal kommen mehr und manchmal weniger [...] So turnen wir halt zu Dritt." Es scheint, dass - ausser bei Frau Rickli - bei den Frauen eben doch kein Interesse besteht. Und da kann sich der Herr Illi noch lange auf ungünstige Trainingszeiten berufen. Antworten


Patrick Wiedemann

23.07.2010, 08:33 Uhr
Melden

Parallelgesellschaften, welche sich bei uns immer wie mehr breit machen, sollten nicht noch gefördert werden. Antworten



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