Gewerbe soll Tourismus finanzieren

Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 24.06.2009 1 Kommentar

Wie Tourismusgemeinden will Bern nun als erste Schweizer Stadt eine Tourismusförderungsabgabe fürs Gewerbe einführen.

BZ Grafik / Signer

Wohlwollende Wirte, skeptischer HIV

Die Vernehmlassung für die Tourismusförderungsabgabe (TFA) ist zwar gerade erst angelaufen. Doch schon jetzt sind bei Verbänden der betroffenen Branchen Tendenzen auszumachen. Bei der Hotellerie und beim Gastgewerbe gibt es Sympathien für das neue Instrument, wie auf Nachfrage zu erfahren ist. Weil viele nicht betroffen sind und jene, die zahlen müssten, im Tourismus aktiv sind, könnte der Stadtberner Gewerbeverband sich ebenfalls dafür aussprechen, schätzt Geschäftsführer Bernhard Bögli. Allerdings dürfe die Stadt nicht parallel dazu ihre Beiträge reduzieren. Dieser Meinung sind auch die Innenstadtorganisation Berncity und der Handels- und Industrieverein (HIV) Sektion Bern. Während Berncity zwar skeptisch ist, aber in der TFA gewisse Chancen für die Innenstadtgeschäfte sieht, geht Mario Marti, HIV-Geschäftsführer, davon aus, dass die Abgabe von seinem Verband abgelehnt wird. Zu kompliziert, zu aufwändig sei das Instrument. Zudem sei die Betroffenheit in der Stadt Bern nicht vergleichbar mit einer Tourismusgemeinde. Dort werde bis zu 80 Prozent der Wertschöpfung in diesem Sektor erzielt. Marti würde eine Aufstockung des Beitrags aus der Stadtkasse bevorzugen. Denn, darin sind sich wieder alle einig, Tourismus Bern leiste gute Arbeit und brauche mehr Mittel.

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Tourismus Bern wirbt für die Stadt als Ausflugsziel und als Tourismusdestination. Doch in den letzten Jahren stagnierten die Mittel. Die Stadt reduzierte ihren Beitrag von einst 1,4 Millionen auf 870'000 Franken. Nun nimmt die Stadt einen Anlauf, mehr Geld zu erhalten. Sie lanciert eine Tourismusförderungsabgabe (TFA). Die Stossrichtung ist einfach, wie gestern an einem Mediengespräch dargelegt worden ist: Wer vom Tourismus profitiert, soll auch einen Beitrag ans Marketing leisten. Trittbrettfahrer hätten künftig nach einem bestimmten Schlüssel einen Obolus zu entrichten. Damit sollen rund eine Million Franken zusätzlich für Bern Tourismus generiert werden.

Neue Steuer

Die Vorlage geht bis Mitte August in die Vernehmlassung. Laut Dres von Weissenfluh, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, könnte die Volksabstimmung 2011 stattfinden. Ob es so weit kommt, steht jedoch in den Sternen. Denn den Promotoren der Idee ist bewusst, wie unbeliebt eine neue Steuer insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist. Der zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP) versuchte den Wert des Instruments deshalb in eingängige Worte zu kleiden: «Es geht darum, das Unesco-Weltkulturerbe besser vermarkten zu können und touristisch davon zu profitieren.» Die TFA sei eine Investition in die Zukunft und schaffe Arbeitsplätze. Weil die Stadt sparen müsse, sei deren Beitrag gekürzt worden. Nause schob aber sofort nach: «Eine TFA darf nicht zu einem weiteren Rückzug der Stadt führen.»

Bern wäre Pionierstadt

Hansruedi Müller, der als Direktor des Forschungsinstituts Freizeit und Tourismus an der Universität Bern das Projekt wissenschaftlich begleitet, betont, dass andere Städte bedeutend mehr Mittel in den Tourismus steckten. Bern wäre laut Müller allerdings die erste Stadt, die eine TFA einführen würde. Das Instrument kennen bisher nur Tourismusgemeinden, auch im Kanton Bern. Seit der Kanton 2001 die gesetzlichen Grundlagen schuf, führten dreissig Gemeinden im Berner Oberland die Abgabe ein. «Die Abhängigkeit vom Tourismus ist dort aber viel ausgeprägter als in Bern», so Müller.

Die TFA solle möglichst gerecht auf den Grad der Tourismusabhängigkeit und die Grösse des Betriebs abgestimmt werden. Wenn die Wertschöpfung zu mindestens fünf Prozent aus diesem Sektor stamme, werde ein Betrieb zahlungspflichtig.

Gegenüber heute würden mit der TFA auch Trittbrettfahrer einbezogen. Unternehmen wie Swisscom, SBB, aber auch Bijoutiers und Kulturbetriebe hätten die Steuer zu berappen. Denn von den durchschnittlich 74 Franken, die ein Tagesgast, respektive 175 Franken, welche ein Übernachtungsgast in Bern ausgibt, profitieren auch sie. Die TFA würde je nach Tourismusnähe und Grösse des in der Stadt steuerpflichtigen Betriebs zwischen 200 und 20'000 Franken betragen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.06.2009, 11:03 Uhr

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1 Kommentar

rolf berner

24.06.2009, 20:36 Uhr
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welche steuer gibts noch nicht???????? Antworten



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