Thömus: «Wir haben die Bewilligungen ausgereizt»
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 05.04.2011 3 Kommentare
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Interaktiv
Bikepark
Rund um seinen Bauernhof in Oberried plant der Unternehmer Thomas Binggeli einen Bikepark. Mit Hügeln, Abfahrten, Wald- und Feldpartien sowie speziellen Lehrpfaden soll dieser Park Biker herausfordern. Auch Bikekurse soll es bei Thömus in Oberried geben. Zudem will Binggeli seinen Parkplatz vergrössern. Frühestens ab 2014 wird am Park gebaut. Schon 2012 zentralisiert Binggeli die Produktion seiner Velos in Oberwangen, wo er einen Neubau erstellt.
Sie wollen einen Bikepark bauen, und plötzlich schlägt Ihnen ein rauer Wind entgegen. Die Leute haben Angst vor mehr Verkehr und einem harten Eingriff in die Landschaft. Überrascht Sie das, Herr Binggeli?
Thomas Binggeli: Ich habe das so erwartet. Es gibt negative und positive Reaktionen. Die Leute haben vor allem Angst vor dem Verkehr. Das wird aber überbewertet. Ich rechne mit 100 Autos pro Tag, heute sind es 90. Wir machen jetzt eine Verkehrszählung.
Sie sind ein guter Lobbyist. Sogar der rot-grüne Könizer Gemeinderat bemüht sich um eine massgeschneiderte Lösung für Ihren heiklen Ausbau. Das wäre kaum so, wenn Sie nicht international bekannt wären.
Tatsache ist: Am Schluss waren für uns noch zwei weitere Standorte im Rennen. Einer im Kanton Freiburg, einer in der ehemaligen Kartonfabrik Deisswil. Wir haben uns nun für die Kombination Oberried/Oberwangen entschieden, beide liegen in der Gemeinde Köniz. Hier in Oberried der Bikepark, unten in Oberwangen die Produktion. Mein Bruder Markus und ich möchten das so, weil wir hier leben und aufgewachsen sind.
Nochmals: Wären Sie nicht Thömu Binggeli, könnten Sie Ihre Pläne hier auf Landwirtschaftsland wohl begraben.
Ich weiss nicht, ob mein Name so extrem wichtig ist. Es gibt ja Gesetze und Bedürfnisse. Es kommt darauf an, wie man auf die Leute zugeht und alles unter einen Hut bringt.
Auch andere Könizer Landwirte haben Projekte in der Schublade, verströmen aber weniger Glamour. So Hans Käser, der in Gasel seinen Holzschnitzelbetrieb ausbauen will. Er gehört zu den Pionieren in diesem Bereich, beisst aber bei den Behörden seit zehn Jahren auf Granit. Was sollte Ihr Berufskollege besser machen?
Ich weiss nicht, ob ich bekannter bin als Hans Käser. Ich kenne seine Situation, kann aber nur von uns reden. Wir sind seit vier Jahren daran, zusammen mit der Gemeinde und dem Kanton eine Lösung für diesen Standort hier zu finden, und haben alles seriös geprüft. Da steckt sehr viel Arbeit dahinter.
Diese Arbeit wurde aber lange vernachlässigt. Sie haben auf Ihrem elterlichen Hof
den einen oder anderen zonenwidrigen Ausbau gemacht.
Wir haben die Baubewilligungen sicher ausgereizt. Wir haben draussen auch mal ein Velo ausgestellt, ohne dafür eine Bewilligung zu haben. Das gab es bestimmt Grauzonen in unserem Wachstum. Aber es gibt ja jetzt einen politischen Willen für einen Konsens, mit dem hoffentlich auch Kritiker leben können.
Die neue Produktionshalle nahe der Autobahn in Oberwangen wird niemanden stören. Hätten Sie nicht auch den Park dort machen können statt in Oberried?
Auf der Parzelle in Oberwangen nicht, in Deisswil und Freiburg vielleicht. Aber wir haben das nicht im Detail geprüft.
Für den Freizeitpark haben Sie also nur vor der Haustüre die Möglichkeiten eruiert?
Ich sage es mal so: Hier haben wir am intensivsten geprüft. An den anderen Orten wäre wegen der besseren Erreichbarkeit wohl auch die Wirtschaftlichkeit besser gewesen. Aber es ist nicht nur das Geld, das für uns zählt.
Heimatgefühle hin oder her. Sie sind ein sehr guter Geschäftsmann und haben während zwanzig Jahren Hunderttausende von Franken in den Standort Oberried investiert. Wenn Sie diesen aufgeben müssten, ginge das alles flöten.
Unser Konzept funktioniert tatsächlich nur, wenn wir Oberried behalten dürfen. Und Oberwangen funktioniert nur mit Oberried zusammen. Sonst ist die wirtschaftliche Herausforderung wohl zu gross.
Auch mit Ihrem Bikepark werden Sie Erfolg haben und viel Publikum anziehen. Oberried wird kein stiller Weiler mehr sein. Bedauern Sie das als Bauernsohn denn nicht?
Mein Bruder und ich wollen hier keinen Europapark oder Funpark bauen. Wir wollen ein Kundensegment für hochpreisige Velos anziehen. Auf den 50 bis 150 Zentimeter schmalen Pisten können sie Testfahrten machen. Für den gewöhnlichen Service haben wir Geschäfte in anderen Städten eröffnet. Auch in Bern wollen wir ein Servicecenter planen, damit nicht alle Leute hierher nach Oberried kommen.
Wird Ihr Projekt bewilligt, wollen auch andere Bauern in der Region Bern mehr Freiheiten. Sollen die Gesetze im ländlichen Raum gelockert werden?
In solche Planungsfragen will ich mich nicht einmischen. Ich wünsche mir, dass es in der Region möglichst viele innovative Unternehmen gibt. Sie sollen gewissen Freiheiten haben, um ausbauen zu können. Was ist denn das Richtige: ausgestorbene Weiler oder solche, die von innovativen Leuten wie uns am Leben erhalten werden?
(Berner Zeitung)
Erstellt: 05.04.2011, 09:00 Uhr
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3 Kommentare
Oberried als "ausgestorbenen Weiler" zu bezeichnen, zeigt nun ziemlich deutlich, was Hr. Binggeli von seinen Nachbarn hält. Oberried funktioniert sehr wohl auch ohne ihn. Die Bauern werden weiterhin ihre Felder bestellen und abends ihre Milch abliefern. Rehe und Feldhasen in Ruhe leben.
Mit 10 Autos mehr willst du einen Bikepark betreiben können, der hunderttausende kostet? Aber Thömu...
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ÖKOLOGISCHE MOBILITÄT / INNOVATION / STANDORTNUTZEN - JA BITTE
Thomas Binggeli bietet swissmade Innovation und hohe Qualität, die ökologisch auf der sauberen Seite stehen. Er schafft Arbeitsplätze und stärkt den Wirtschaftsstandort. Ich finde das GUT.
Von konstruktiven Kritikern erwarte ich integrierende Vorschläge, nicht Genörgel ...
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