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Telefonjasser in der Lauberhorn-Kabine

Von Lucia Probst. Aktualisiert am 15.07.2011 1 Kommentar

Am Donnerstagabend war im Könizer Schlosshof das grosse Jassfest angesagt. Rund 1000 Personen waren an der Liveübertragung des «Donnschtig-Jass» dabei. Vor Ort haben die Fernsehleute alle Hände voll zu tun. Ein Blick hinter die Kulissen – der auch Überraschungen zutage bringt.

Ein perfekt inszeniertes Volksfest: Rund 1000 Personen haben gestern Abend im Könizer Schlosshof mitverfolgt, wie das Schweizer Fernsehen live den Donnschtig-Jass sendete.

Ein perfekt inszeniertes Volksfest: Rund 1000 Personen haben gestern Abend im Könizer Schlosshof mitverfolgt, wie das Schweizer Fernsehen live den Donnschtig-Jass sendete.
Bild: Beat Mathys

Die Sendung startet zwar erst kurz nach 20 Uhr. Doch schon Stunden zuvor ist auf dem Schlossareal einiges los. Schliesslich soll alles klappen, wenn die Fernsehnation für den «Donnschtig-Jass» nach Köniz schaut. Um 16.30 Uhr gilt es ein erstes Mal ernst. Die Generalprobe steht an. Lieber jetzt als während der Sendung lassen sich die Fernsehleute bei ihrer Arbeit über die Schultern gucken.

In der Kabine statt am Telefon

Während Roman Kilchsperger auf dem Platz die Leute begrüsst, lässt sich hinter der Pfrundscheune Spannendes entdecken. Unter einem Kastanienbaum steht eine kleines Häuschen. Siehe da, wer in der ehemaligen Kommentatorenkabine für das Lauberhornrennen sitzt: die beiden Telefonjasser. Über Kopfhörer und mit Mikrofon ausgerüstet verfolgen sie an einem Bildschirm die Sendung.

«Jetzt musst du parat sein», sagt Betreuerin Claudia Müller zum Schmerikoner Telefonjasser Remo Gähler. Schon ist dieser mit Kilchsperger verbunden, der wenige Meter von ihm entfernt die Jasskarten für ihn in den Händen hält. «Ich muss mir die Vorstellung noch etwas einimpfen, dass ich zu Hause bin und auf den Zürichsee sehe», witzelt er nach seinem Einsatz.

Seit drei Jahren seien die Telefonjasser nicht mehr daheim, sagt Redaktor Tino Zimmermann. «Natürlich ist das etwas absurd», doch die Technik habe dies nötig gemacht. Mit der Digitalisierung habe es immer stärkere Verschiebungen zwischen dem Livebild und dem Telefonton gegeben. Letztlich sei so das Ganze auch fairer, findet er. «Denn zu Hause konnten sich die Jasser eine ganze Runde organisieren, die sie unterstützte.»

Alle Kameras auf einen Blick

Wenige Meter von der Jasskabine entfernt steht der Reportagewagen. Auf engem Raum und voll konzentriert sitzen der Regisseur, die Bildmischerin, die Tonregie und die Bildtechniker hier im Dunkeln. Ihre Blicke sind gebannt auf die vielen kleinen Bildschirme vor ihnen gerichtet. Per Fernbedienung lassen sich die Helligkeit und die Farbintensität der Kameras steuern. «Der Kameramann selbst ist für die Schärfe und die Einstellung verantwortlich», erklärt Bildtechniker Stefan Hauser. Derweilen gibt der Regisseur Roman Kilchsperger Anweisungen, wo er fürs Gespräch mit Luc Mentha sitzen soll, der in der Hauptprobe den Promi-Gast Adolf Ogi spielt.

Fernsehen machen ist aufwändig. Rund 40 TV-Leute sind vor Ort. 15 Tonnen Gerüste und Zeltmaterial wurden seit Dienstag aufgebaut. An die 40 Lautsprecher sorgen für den guten Ton auf dem Areal. 150 Scheinwerfer und Effektlichter rücken Kilchsperger und seine Gäste ins rechte Licht. Damit das alles funktioniert, wurden circa 2,5 Kilometer Kabel verlegt. Über 10 Lastwagen brauchte es für all das Material.

Schminken im Rossstall

Im Rossstall warten die Maskenbildnerinnen auf ihren Einsatz. Als Erste sollten laut Plan Polo Hofers Backgroundsängerinnen da sein. Vor Petra Frey liegen Paletten mit Lidschatten und Wangenrouge. Bei einer Promi-Frau rechnet sie fürs Styling eine Stunde. «Bei Frau Müller, die jasst und sonst nie geschminkt ist, machen wir weniger. Wir wollen die Leute ja nicht total verändern.» Wenig später pinselt Frey der Sängerin Gabriela Schenker übers Gesicht. Diese verrät im Schminkraum auch, dass Polos Auftritt am Abend nicht live ist.

Eifrig singen und klatschen

Auch das Publikum will bei Laune gehalten werden. Ab halb acht Uhr wird es animiert. «Ihr müsst die ganze Sendung tun wie die Säue», heizt Aufnahmeleiter Nik Suter den rund 1000 Gästen im Schlosshof ein. «Das muss eine sackstarke Sendung geben», doppelt Gemeindepräsident Luc Mentha nach. Und Aussenmoderator Reto Scherrer stimmt den Anfangssong für die Sendung an. Die Leute singen und klatschen eifrig mit. Eine Stunde später ist der ganze Spuk vorbei. Das Publikum lässt im Schlosshof den Abend ausklingen, und die Fans aus Rapperswil feiern ihren Sieg. Auch die Fernsehleute machen bald Pause. Doch bis am Freitagabend muss alles abgebaut und verladen sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.07.2011, 07:06 Uhr

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1 Kommentar

ruedi lanz

15.07.2011, 12:11 Uhr
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Obschon ich ein leidenschaftlicher Jasser bin, schaue ich mir die Sendung nicht mehr an. Ich kann nun einfach Roman Kilchsperger nicht ausstehen! Antworten



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