Teilchenbeschleuniger hilft Krebs früh zu erkennen
Der in Folie verpackte Teilchenbeschleuniger wird auf dem Inselareal in den Boden versenkt. (Bild: Stefan Anderegg)
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Der Tieflader kam aus Brüssel. Seine Fracht: Ein 2 Millionen Franken teurer und 25 Tonnen schwerer Teilchenbeschleuniger. Dieses sogenannte Zyklotron wurde gestern kurz nach Mittag auf dem Gelände des Inselspitals zentimetergenau in den Boden versenkt. Die Maschine ist das Herzstück im Neubau für Isotopenproduktion. Mit dem Teilchenbeschleuniger werden Radioisotope hergestellt, das sind schwach radioaktive Medikamente, die schnell in nicht radioaktive Stoffe zerfallen. Diese werden Krebspatientinnen und -patienten injiziert.
Mit Hilfe von Scannern und Computertomografen können mit der Radioisotopietechnik Tumore in einem sehr frühen Stadium – im Millimeterbereich – entdeckt werden. Das Wachstum oder der Rückgang eines Tumors kann bildlich dargestellt werden. Mit diesem Verfahren können auch sehr kleine Metastasen sichtbar gemacht werden. Der Verlauf der Erkrankung, der Erfolg einer Operation sowie das Ansprechen auf die Chemo- oder Strahlentherapie können so von innen verfolgt werden.
Produktion läuft ab 2012
Das erste Radioisotop, das ab Anfang 2012 am Inselspital mit dem Zyklotron hergestellt wird, ist ein Glucosederivat. Nach intravenöser Verabreichung wird es von allen Zellen mit einem erhöhten Stoffwechsel bevorzugt aufgenommen. Und Tumorzellen haben in der Regel einen erhöhten Stoffwechsel. Dieses Produkt ist schwach radioaktiv und verliert alle zwei Stunden die Hälfte seiner Aktivität. Am Ende des Herstellungstages ist keinerlei Radioaktivität mehr messbar. Wegen der kurzen Halbwertzeit sei eine Produktion nahe bei den Abnehmern wichtig. Die Diagnostik mittels Radioisotopen am Inselspital ist nicht neu. Jährlich werden bereits rund 2000 Patientinnen und Patienten so untersucht. Bislang aber mussten die kurzlebigen Isotope in Deutschland eingekauft und nach Bern transportiert werden.
Das Radioisotopenzentrum wird von der Swan Isotopen AG (ein Tochterunternehmen der Insel) für 25 Millionen Franken gebaut. Hier wird nicht nur produziert, sondern auch geforscht. Die Medikamentenherstellung für die Diagnostik befindet sich in den drei unteren Geschossen. In den oberen zwei Stockwerken wird das Inselspital Bettenstationen für die Palliativ- und die Nuklearmedizin einrichten.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 17.06.2011, 06:20 Uhr
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