Stuntman:«Wenn ich ein komisches Gefühl habe, springe ich nicht»

Interview: Guy Huracek. Aktualisiert am 03.09.2010

Der Berner Stuntman René von Gunten springt am Freitag von einem Kran beim Berner Münster 30 Meter in die Tiefe. Landen wird er auf einem grossen Luftkissen.

Der 49-jährige Stuntman René von Gunten.

Der 49-jährige Stuntman René von Gunten.
Bild: zvg

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Herr von Gunten, sind Sie nervös wenn Sie an morgen denken?
René von Gunten: Wenn ich zu nervös wäre, dann wäre ich im falschen Beruf. Aber ich würde lügen, wenn ich nicht zugäbe, dass ich ein wenig angespannt bin.

Wie bereiten Sie sich auf morgen vor?
Es ist nicht das erste Mal, dass ich 30 Meter in die Tiefe springe. Ich arbeite seit rund 15 Jahren als Stuntman. Doch man darf einen Stunt nicht zu routiniert angehen, sonst passt man zu wenig auf und man verletzt sich. Ich höre daher immer auf mein Bauchgefühl. Wenn ich morgen sprungbereit auf dem Kran stehe, und ich ein komisches Gefühl habe, dann springe ich nicht.

Warum setzen Sie sich solch einer Gefahr aus?
Gefährlich ist es nicht. Sonst würde ich es nicht machen. Es gibt bei Stunts immer ein Restrisiko. Aber das gibt es überall.

Wo gibt es solche Risiken?
Zum Beispiel wenn sie im Berufsverkehr mit dem Velo fahren, oder wenn sie zu Fuss eine befahrene Strasse überqueren. Vielen Leuten ist es nicht bewusst, in welche Gefahren sie sich tagtäglich begeben. Als Stuntman bin ich sensibilisierter als Andere. Ich sehe täglich gewisse Gefahren in meinem Privatleben, beispielsweise ein möglicher Autounfall – das sind Szenen die wir im Film provozieren - und so bin ich immer auf der Hut.

Aber Sie müssen schon zugeben, dass Sie ein gewisses Risiko provozieren.
Ja. Das streite ich auch nicht ab. Aber ein Rennfahrer setzt sich beispielsweise auch einer gewissen Gefahr aus. Für Aussenstehende mag es schon gefährlich wirken, wenn sie sehen, dass ich mich 30 Meter in die Tiefe stürzen werde. Aber die Zuschauer sehen halt nicht, dass ich einen solchen Stunt wochenlang plane.

Können sie vom Beruf Stuntman in der Schweiz leben?
Es ist ein hartes Brot. Ich arbeitete jahrelang im Ausland als Stuntman und hatte eine Festanstellung. Im Ausland ist es wesentlich einfacher, als in der Schweiz. Durch meine vielen Kontakte im In- und Ausland kann ich auch hier von meinem Beruf leben.

Als Stuntman fängt man sich schnell eine Schramme ein. Was war ihre schmerzhafteste Verletzung?
Bei einem Filmdreh im Ausland war ein Stunt mit Feuer nicht richtig zeitlich abgestimmt. Ich erlitt schwere Verbrennungen, aber zum Glück sieht man davon heute nicht mehr viel. Oder bei einer Probe wollte ich rückwärts von einem Lastwagen springen und schlug mir das Knie an den Kiefer. Jetzt habe ich einige Zahnprothesen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Thomas Keller, dem Regisseur des Kurzfilms «Running out of Time»?
Er hat mich übers Internet kontaktiert. Wir haben uns getroffen und ich fand sein Drehbuch spannend und da es in Bern stattfindet, wollte ich dem jungen Regisseur unter die Arme greifen. Ich möchte in Zukunft mehrere Stunts in Bern machen. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, für einen Guten Zweck von der Kirchenfeldbrücke zu springen.

Sie sagten unter die Arme greifen. Verlangen sie keine Gage?
Meine Kosten sind gedeckt. Wenn ich eine Gage wie in Hollywood verlangen würde, wäre sie gut fünfstellig.

Als Stuntman ist man viel unterwegs. Findet man so eine Beziehung?
Ja, es ist schwierig. Man arbeitet lange und an den Wochenenden. Ich hatte eine langjährige Beziehung, aber ich bin wieder Single. Ich kenne wenige in der Filmbranche, die eine langjährige Beziehung aufrechterhalten können. Aber vielleicht taucht doch noch die richtige Frau auf, die mir das Gegenteil beweist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.09.2010, 17:45 Uhr

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