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Streng bürgerlich, fröhlich, schwul
Von Andrea Sommer. Aktualisiert am 25.02.2010 4 Kommentare
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Hat SVP-Grossrat Thomas Fuchs eine Hormonkur hinter sich? Oder wie wird ein Heterosexueller erst bi- und dann homosexuell? TV-Talker Kurt Aeschbacher ging seinen Gesprächspartnern am Dienstagabend verbal an die Wäsche. Auch wollte er wissen, wie die SVP Fuchs’ schrittweises Coming-out aufgenommen habe. «Schrittweise», so Fuchs. «Die Zeit arbeitet für mich, je länger ich in der Partei bin, desto grösser ist die Akzeptanz.»
Am schwul-lesbischen Wahlpodium, das Aeschbacher im Restaurant Zum Äusseren Stand moderierte, spielte für einmal weniger die politische als viel mehr die sexuelle Ausrichtung der Kandidatinnen und Kandidaten eine Rolle. Eingeladen hatte die Schwulenorganisation Network Bern.
Schwule Frauenversteher
Zum Podium erschienen sind fünf Grossratskandidaten und eine -kandidatin: Beat Feurer und Thomas Fuchs (SVP), Aline Haldemann (Junge Grüne), Rim Wuddri (Juso), Jean-François Schafroth (SP) und Marcel Wüthrich (GFL). Prominenter Gast war der schwule Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne), der sich am 28. März zur Wiederwahl stellt. Ob er denn als Schwuler schwule Politik mache, wollte Aeschbacher von Pulver wissen. Homosexuelle Politiker seien grundsätzlich sensibler für die Probleme von Minderheiten, erklärte Pulver. Er verstehe Frauenanliegen besser, weil er als Angehöriger einer Minderheit selber Benachteiligungen erfahren habe. Bei Themen wie Heirat oder Adoption setzten sich schwule und lesbische Politiker für ihre Anliegen ein. Bildungsdirektor Pulver etwa will sich auch in der nächsten Legislatur – sofern er denn die Wiederwahl schafft – dafür engagieren, dass Homosexualität im Sexualkundeunterricht thematisiert wird.
Für die eigenen Anliegen
Ein Anliegen, für das sich die sechs Kandidaten ebenfalls engagieren wollen. Aline Haldemann kämpft zudem dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren dürfen. Das Thema liegt ihr am Herzen: «Meine Partnerin bekommt bald ein Kind – trotz eingetragener Partnerschaft habe ich hier keine Rechte.» Ein Problem, das auch Thomas Fuchs gelöst sehen will. «Bauern wählen Bauern, weil diese sich für ihre Anliegen einsetzen. So müssen es auch Schwule und Lesben machen», rief er in den vollen Saal. Ansonsten engagieren sich die Kandidaten entsprechend ihrer Parteizugehörigkeit für tiefere Steuern, Umweltschutz oder den öffentlichen Verkehr.
«Armee nicht homophob»
Dass die Schwulen- und Lesbenbewegung bereits viel erreicht hat, bestreitet keiner der Kandidaten. Dass die Akzeptanz Homosexueller längst nicht mehr nur in urbanen Gebieten selbstverständlich ist, zeigt das Beispiel von Grossratskandidat Jean-François Schafroth. Er ist einer von zwei schwulen Gemeinderäten im bernjurassischen Tramelan. Ob dies am Stammtisch ein Thema sei, fragte Moderator Aeschbacher. «Nein», so Schafroth, «die Leute wollen kompetente Antworten auf ihre Probleme.» Die Angst, die der Juso-Kandidat Rim Wuddri einst vor der RS hatte, zerstreute Aeschbacher gleich selber: «Ich habe die Armee nicht so homophob erlebt, wie Sie sie sich wohl vorstellen.» Trotzdem: Die Kandidaten sind davon überzeugt, dass es nötig sei, sich weiter für «schwul-lesbische Anliegen» einzusetzen. Mit einem Bevölkerungsanteil von fünf bis zehn Prozent seien die Homosexuellen eine Minderheit, so Bernhard Pulver. «Damit die Diskriminierung nicht wieder aufkommt, ist steter Einsatz nötig.»
«Steter Einsatz ist nötig»
Diskriminierende Erfahrungen haben alle Kandidaten gemacht. Auch Thomas Fuchs. Eine Frau habe ihn vor dem Anlass gefragt, ob er tatsächlich an diesem «perversen Podium» teilnehme. «Selbstverständlich», so des ausgefuchsten SVPlers Antwort. «Wir wollen doch dieses Feld nicht den Linken und den Grünen überlassen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.02.2010, 08:04 Uhr
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4 KOMMENTARE
Schöner Titel - ich sag nur: quadratisch, praktisch, gut
Früher stand in der Beschreibung der Kandidaten für die Wahlen der Grad in der Armee. Jetzt könnte man angeben: heterosexuell bzw. homosexuell. Sonst weitere gute Ideen? Velofahrer oder Autofahrer, vielleicht.
Schwul sein ist heute nichts Besonderes mehr. aber es gibt Bedenken , wenn schwule und damit kinderlose Protagonisten zB. in der Politik sich als eher familien- und kinderfeindlich entpuppen, Westerwelle in DE ist gerade ein Beispiel. Komische Ideen zu Schule, Familie, Arbeit usw., dafür die Hochfinanz hätscheln, das ist wirklich traurig. Wie hälts Schuldirektor Pulver damit?
Schwul oder nicht Schwul Thomas mach nur weiter so. Du bist bei der SVP ein sehr guter Mann. Du wirst auf jedenfall noch etwas erreichen.Mich stört das überhaupt nicht. Toj,Toj,Toj.
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