Streit um die Tempo-Limite
Von Anna Tschannen. Aktualisiert am 02.12.2011 3 Kommentare
Die Durchfahrt zwischen dem künftigen Kindergarten (links) und dem Schulhaus Wald ist eng. Trotzdem gibt es kein Tempo 20. (Bild: Stefan Anderegg)
In der Schulanlage Wald entsteht derzeit ein neuer Kindergarten, gegenüber dem Schulhaus. Dazwischen liegt die Schulhausstrasse, ein enges Strässchen ohne Trottoirs. Dort und über die Kreuzung gleich hinter der Schulanlage darf mit 40 Stundenkilometern durchgefahren werden – das ist dem Gemeinderat zu schnell. Er beantragte an der Gemeindeversammlung einen Kredit von rund 63'000 Franken, um auf dem Gelände eine Begegnungszone mit Tempo 20 einzurichten. Nach einer hitzigen Diskussion lehnten die Stimmberechtigten das Begehren mit 69 zu 39 Stimmen ab.
Schon bald wurde in der Diskussion deutlich, dass sich unterschiedliche Interessen aneinander reiben: Auf der einen Seite stehen die Eltern, die sich um die Sicherheit ihrer Sprösslinge sorgen. Auf der anderen Seite gibt es auf der Egg Anwohner, für die das Strässchen der einzige Weg nach Hause ist. Dazu kommen die Landwirte. Diese wehrten sich gegen Verengungen, weil sie sonst mit den schweren Geräten nicht mehr durchkommen. Aus diesem Grund ging eine Einsprache gegen die Begegnungszone, die vom Kanton bewilligt ist, beim Regierungsstatthalter ein. Zudem stellten sich die Gegner auf den Standpunkt, dass Tempo 40 ausreichend langsam sei.
Hohe Spitzenwerte
Allerdings: Der Gemeinderat hat im Frühjahr Messungen durchgeführt, die Spitzenwerte von bis zu 70 Stundenkilometern während der Schulzeiten ergaben. Und diverse Votanten gaben offen zu, sich nicht immer an die Tempolimite zu halten.
Obwohl kein Anwesender die Kinder gefährden wollte, gab es Stimmen, welche fanden, die Begegnungszone sei das falsche Mittel zur Verbesserung: «Wäre es nicht besser, den Kindern frühzeitig beizubringen, wie man sich auf der Strasse verhält? Wenn sie Vortritt haben, lernen sie es nicht», so ein Anwesender. Als Alternativen wurden Radar oder Wechselschilder genannt.
Nach Neujahr beginnt eine Arbeitsgruppe mit einem Konzept zur Verkehrssicherheit im ganzen Dorf. Allerdings werden mindestens zwei Jahre vergehen, bis Ergebnisse vorliegen – der Kindergarten ist aber bereits im Mai bezugsbereit. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.12.2011, 10:03 Uhr
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3 Kommentare
Als ich in der Seevorstadt aufwuchs, wurde mir von den Eltern beigebracht, dass ich nicht auf der Strasse spielen darf. Punkt. Heute ist das anders. Heute wollen die Kinder auch auf der Strasse spielen, und der Verkehr hat sich anzupassen. Warum nicht auch Tempo 30 auf Autobahnen? Gerade Autobahnen eignen sich so schön zum Spielen, und sicher gehen unsere Kinder allen vor - sogar der Erziehung. Antworten
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