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Statt zu quengeln, dürfen die Kinder helfen

Von Anna Tschannen, Lucia Probst. Aktualisiert am 26.10.2011 2 Kommentare

Die Migros Aare hat im Shoppyland eine Familienkasse eingeführt. Ohne Süssigkeiten, dafür mit einem Treppchen, damit die Kinder beim Packen helfen können. Der Versuch lief so erfolgreich, dass nun elf weitere Filialen ausgerüstet werden.

Blaue Treppchen  an der Familienkasse im Shoppyland: Die fünfjährige Lisa (ganz rechts) kann ihrer Mutter Susanne Maibach auf einfache Art helfen, die Einkäufe zu verstauen.

Blaue Treppchen an der Familienkasse im Shoppyland: Die fünfjährige Lisa (ganz rechts) kann ihrer Mutter Susanne Maibach auf einfache Art helfen, die Einkäufe zu verstauen.
Bild: Susanne Keller

Die fünfjährige Lisa hüpft dem Einkaufswagen voran und klettert auf die hellblaue Treppe, die vor der Kasse montiert ist. Statt daneben zu stehen und sich zu langweilen, hievt das MädchenAbwaschmittel, Kekse und Milchbeutel auf das Rollband. Mutter Susanne Maibach steht daneben und hilft der Tochter bei den schweren Sachen. Nach dem Bezahlen steigt Lisa auf der anderen Seite der Kasse auf ein weiteres hellblaues Podest, wo sie die Einkäufe wieder in den Wagen verfrachtet.

«Eine gute Sache» findet Maibach die zwei Familienkassen, die im Shoppyland Schönbühl als Versuch installiert sind. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein: Das Echo der Kunden ist so positiv ausgefallen, dass die Genossenschaft Migros Aare in elf weiteren Filialen Familienkassen installieren will. Die Arbeiten im Wynecenter Buchs, Centre Brügg, in Langendorf, im Zentrum Oberland, Tivoli Spreitenbach, Gäupark und im Lyssbachpark, in Interlaken, Langenthal, Ostermundigen und Worb beginnen in diesen Tagen. Bis spätestens Ende Jahr sind sie abgeschlossen.

Problem: «Quengelware»

Den Anstoss zu familienfreundlichen Kassen gab vor rund zwei Jahren die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Sie hatte die sogenannte «Quengelware» im Visier. So werden die Süssigkeiten genannt, die unmittelbar vor der Kasse verlockend auf Kinderaugenhöhe drapiert sind. Diese sorgen für Stress, wenn die Kinder nach einem ohnehin langweiligen Einkauf darauf warten müssen, bis Mama oder Papa bezahlt haben. Viele Kinder reklamieren lautstark, dass sie sich nicht bedienen können.

«Als Mutter von drei Kindern habe ich selber erlebt, wie mühsam eine solche Situation an der Kasse sein kann», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Immer wieder hätten sich bei der SKS auch Eltern und andere Personen gemeldet, die sich darüber ärgerten, dass Süssigkeiten an der Kasse so bewusst angepriesen wurden. «Die Sachen liegen so parat, dass Kinder fast zugreifen müssen», kritisiert Stalder. Sie von dort zu verbannen, sei auch sinnvoll, um dem Übergewicht bei Kindern entgegenzuwirken. «Bemühen sich Eltern, gesund einzukaufen, wird das an der Kasse alles zunichtegemacht.»

Mithelfen oder spielen gehen

Bei der Migros Aare stiess das Anliegen der SKS auf offene Ohren, wie Reno Berner, Leiter Kassenmanagement, sagt: «Wir wollten aber nicht einfach das Süssigkeitengestell entfernen, sondern haben uns Gedanken gemacht, wie das Einkaufen für Eltern angenehmer wird.» Darum lancierte die Genossenschaft eine Studie und eine Umfrage bei 200 Eltern, wie eine Familienkasse aussehen sollte. Die Resultate sind nun seit sechs Monaten im Shoppyland umgesetzt: Der Raum zwischen den Kassen wurde vergrössert, damit es für Kinderwagen Platz hat. An beiden Enden sind Treppchen und Podeste montiert. Dazu kommt eine Spielecke, falls die Kinder doch nicht beim Aus- und Einräumen helfen möchten.

Die Familienkassen befinden sich im hinteren Bereich der Reihe. «So sind die Kinder nicht dem grossen Kundenstrom ausgesetzt und können nicht verlorengehen, während die Eltern am Bezahlen sind», erklärt Berner. Wichtig war für ihn zudem, dass die Familienkassen keine Fremdkörper im Laden sind. Die Treppchen für die Kinder wurden an ein normales Kassenelement angebaut, die Kosten pro Einheit bewegen sich «im oberen vierstelligen Bereich».

Profit macht die Migros mit den Familienkassen nicht. Zu den Kosten für die baulichen Massnahmen kommt der verpasste Umsatz aus der «Quengelware». Doch das nimmt das Unternehmen laut Reno Berner in Kauf. «Wir wollen damit erreichen, dass die Kunden zufrieden sind – nicht nur die Eltern, sondern auch die anderen, die nicht mehr durch Kindergeschrei gestört werden.» Die neue Dienstleistung führe auch dazu, dass die Kunden wieder kommen.

Um abzuschätzen, wie die Familienkasse ankommt, wurden in den letzten Monaten weitere 500 Personen befragt. Das Echo sei überwältigend gewesen – er habe von Kindern aus Brügg gehört, die wegen dieser Kassen ihre Eltern drängten, im Shoppyland einzukaufen, erzählt Berner.

SKS bleibt dran

Konsumentenschützerin Sara Stalder ist erfreut, dass die Migros das Konzept der Familienkasse auf weitere Filialen ausweitet. Sie hat ein klares Ziel: «Jeder grössere Laden sollte eine solche Kasse haben.» Sie sei vorerst zufrieden, dass die Migros aufgesprungen sei. Coop hingegen sei bis jetzt nicht interessiert. «Wir lassen der Sache jetzt etwas Zeit», so Stalder. Doch hofft sie, dass andere Grossverteiler dadurch sehen, dass eine solche Kasse auch ein Pluspunkt sein kann und nicht nur finanzielle Einbussen bringt. «Wir werden die weitere Entwicklung beobachten.» Falls nötig, stosse die SKS dann auch wieder nach. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.10.2011, 07:03 Uhr

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2 Kommentare

mario master

26.10.2011, 08:03 Uhr
Melden

Die Kosten der Familienkassen können doch bestimmt mit dem Gewinn des Nano-Verkaufs wettgemacht werden. Antworten


Andrea Mordasini

28.10.2011, 10:52 Uhr
Melden

Als 2fach-Mami (4,5+3) begrüsse ich die Familienkassen sehr, nicht nur wegen der fehlenden Quengelware, sondern weil die Kinder aktiv mitmachen können. Schon mehrmals haben wir im Shoppyland diese Kasse benützt. Leider war beim letzten Besuch gerade diese nicht besetzt und die Kinder dementsprechend enttäuscht. Wenn, dann sollten gerade Familien- wie auch die rollstuhlgängigen immer geöffnet sein! Antworten



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