Stadttheater ist der Wackelkandidat
Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 21.12.2010 4 Kommentare
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Abstimmung
Voraussichtlich im Mai wird das Stimmvolk über fünf Leistungsaufträge abstimmen können. An vier davon beteiligen sich der Kanton und 81 Gemeinden. Dies betrifft das Konzert- Theater Bern (Stadttheater und Berner Symphonieorchester), das Kunstmuseum, das Zentrum Paul Klee und das Historische Museum. Die Dampfzentrale erhält den namhaftesten Beitrag unter den restlichen 21 von der Stadt unterstützten Kulturstätten.
Stichworte
Ein Loch in der Rechnung und ein Haus in desolatem Zustand. So präsentiert sich gegenwärtig das Stadttheater Bern. Vor diesem Hintergrund werden im Januar zuerst der Stadtrat und dann im Mai das Stimmvolk über die neuen Kulturverträge befinden – und zwar zum ersten Mal einzeln. Am 25.November nahm das Parlament einen entsprechenden Vorstoss sehr deutlich an.
Das macht den Vertrag für das neue Konzert-Theater Bern, das Fusionsprodukt von Stadttheater und Berner Symphonieorchester, zum Wackelkandidaten. Dies sehen alle sieben Fraktionspräsidenten ähnlich. Zwar wollen SP, GB/JA, GFL/EVP und BDP/CVP die Leistungsverträge unterstützen: «Alles andere wäre unredlich», sagt Kurt Hirsbrunner (BDP). Doch von der GLP, der FDP und der SVP tönt es anders. Bernhard Eicher (FDP) sagt bereits im Stadtrat für das Theater eine «Zitterpartie» voraus: «Wir haben nicht Lust, einen schwer defizitären Betrieb über Jahre hinweg zu finanzieren. Zudem wollen wir wissen, wie es mit der Sanierung weitergeht.» Auch die SVP nähme eine Rückweisung in Kauf: «Wir müssen uns entscheiden, ob wir das Stadttheater noch wollen. Wenn ja, muss man darüber reden, ob nicht künftig vermehrt Produktionen eingekauft werden sollen», sagt Roland Jakob. Stéphanie Penher, Co-Präsidentin der GB/JA-Fraktion, ist hingegen überzeugt, dass eine Mehrheit der Bernerinnen und Berner das Stadttheater will.
GLP: Druck auf die Region
Michael Köpfli (GLP) spricht sich zwar für die Rückweisung des Leistungsvertrags aus, jedoch nicht, weil er am Stadttheater als solchem rütteln will. Anlass dazu seien die ungelöste Finanzierung der baulichen Sanierung, aber auch die zu magere Kostenbeteiligung der Region beim Kulturbetrieb. Er will Druck auf diese Gemeinden ausüben: «Wieder nur die Faust im Sack zu machen, reicht nicht.» Die Agglomeration profitiere ebenfalls, zahle aber mit 11 Prozent zu wenig. Dass viele bei der Sanierung gemäss ersten Absichtserklärungen abseitsstehen wollen, findet er inakzeptabel. Köpfli beanstandet zudem den fehlenden Willen zu Reformen beim Stadttheater selber.
Für Annette Lehmann (SP) und Peter Künzler (GFL) sind Druckversuche der falsche Weg: «Das wäre ein gefährliches Spiel», betont Lehmann, und Künzler doppelt nach: «Es bringt nichts, wenn sich die Stadt gegen die Region stellt. Wir sind letztlich Bittsteller», sagt er. Künzler ist überzeugt, dass die Gemeinden schliesslich ihren Beitrag zur Erneuerung des Hauses leisten werden. Doch findet auch er falsch, dass die anstehende Sanierung nicht zusammen mit dem neuen Leistungsvertrag geregelt worden ist: «Der Verdruss ist überall gleich gross», stellt er fest. Trotzdem werde der Stadtrat den Verträgen vermutlich zustimmen. Beim Stimmvolk ist er sich hingegen weniger sicher. Roland Jakob bringt es auf den Punkt: «Jene, die ins Stadttheater gehen, werden dafür sein. Jene, die nicht gehen, werden vermehrt aufs Geld schauen.» Das Konzert-Theater Bern verschlingt mit 37,3 Millionen Franken pro Jahr den Löwenanteil der vom Kanton, der Stadt und den Regionsgemeinden gesprochenen Subventionen. Die Stadt soll gemäss Finanzierungsschlüssel 14,55 Millionen dazu beitragen.
FDP will Fortschritte sehen
FDP-Fraktionspräsident Eicher sieht Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) in der Pflicht: «Er hat viel Zeit verschlafen. Nun ist eben über die Feiertage arbeiten angesagt.» Dann werde man ja sehen, was seine Ankündigung vom 9.Dezember wert sei, für die Kultur kämpfen zu wollen. Eicher macht die Zustimmung der FDP davon abhängig, ob bei der zwischen 35 und 45 Millionen Franken kostenden Sanierung «klare Fortschritte» sichtbar sind. Die Rückweisung wäre für ihn nicht tragisch: «Die Verträge laufen ja bis Ende 2011 und könnten gar um ein Jahr verlängert werden.»
Damit würde der Teuerungsausgleich von 2,5 Prozent geopfert, gibt Tschäppät zu bedenken. Er entgegnet Eicher: «Ich werde dann kämpfen, wenn das Sanierungsprojekt spruchreif ist.» Die beiden Sachen würden nun mal nicht parallel verlaufen. Noch sei unklar, wie hoch die Kosten sein werden und wie stark sich der Kanton daran beteiligen werde. «Wer die Zustimmung zu den Verträgen von Zusicherungen bei der Sanierung abhängig macht, muss sie wohl ablehnen», so Tschäppät. Doch ein solches Zeichen findet er «heikel»: «Jeder muss sich seine kulturpolitische Verantwortung selber überlegen.» Tschäppät ist überzeugt, dass sich die Gemeinden finanziell an der Sanierung beteiligen werden: «Über 80 Prozent stimmten den Kulturverträgen zu. Ich nehme an, dass ihnen bewusst ist, dass es auch ein Haus dazu braucht. Sonst macht die Zustimmung keinen Sinn.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 21.12.2010, 07:34 Uhr
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4 Kommentare
Ich hoffe, dass dem Steuerzahler reinen Wein eingeschenkt wird. Die Sanierung des Stadttheaters wird zwischen 50 und 60 Millionen kosten. Nebst den laufenden Kosten und den Defiziten muss in der nächsten Zeit mit Gesammtkosten von gegen 100 Millionen gerechnet werden. Das muss die Frage nach der Verhältnissmässigkeit gestellt werden, zumal der Zuschauerschwund im Theater weiterhin dramatisch ist. Antworten
Der Stimmbürger möchte gerne wissen, welche Institution wie viel Subvention erhält und welchen Betrag dies pro Besuch ausmacht. Diese Information hilft dann bei der Abstimmung im Mai 2011, die richtigen Entscheide zu treffen. Ich wünsche mir von der Presse oder den interessierten Parteien, diesen Beitrag zu leisten. Antworten
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