Region
Stadtrat diskutierte über die «lockere Lebensart»
Von Adrian Zurbriggen. Aktualisiert am 04.09.2009 1 Kommentar
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Es hat eine gewisse Tradition, dass der Berner Stadtrat im Hochsommer über Schlittschuhlaufen auf dem Bundesplatz debattiert oder im Januar über längere Öffnungszeiten fürs Marzilibad beratschlagt. So war auch gestern der Sommer grad just weg, als das Parlament über einen «Hauch von Côte d’Azur in Berns Freibädern» befinden musste.
Trotz feucht-kühler Grosswetterlage liess es sich CVP-Mann Henri-Charles Beuchat nicht nehmen, seiner Forderung nach abendlichen Lounges in Berner Freibädern mit Ganzkörpereinsatz Nachdruck zu verleihen: Barfuss, bekleidet bloss mit Badehosen und T-Shirt, outete sich der sonst immer proper im Anzug auftretende CVPler als «Marzilibub». Als solcher bedauere er, dass die Berner Freibäder heute in einem pitoyablen Zustand seien: «Das Ambiente im Marzili ist grottenschlecht.» Er erinnerte daran, dass in Zürich Freibäder des Nachts zu «ultimativen Treffpunkten» mutierten. Beuchat forderte für Bern deshalb Adäquates.
Bloss lauwarm wie derzeit die Aare fand Beuchat vor diesem Hintergrund die Haltung des Gemeinderats: Wohl begrüsst dieser Beuchats Idee grundsätzlich. Aus Angst vor übermässigem Lärm verlegte der Gemeinderat die angedachte Badi-Lounge kurzerhand vom Marzili ins Weyerli (wir berichteten). Beuchats Meinung dazu: «Der Gemeinderat hat sich zu wenig mit der Idee auseinandergesetzt.» Bern brauche eine Badi-Lounge nicht fernab, sondern mitten in der Stadt.
Marzili oder Weyerli? Anders als die meteorologische schaute die politische Grosswetterlage gut aus für Beuchat, die Grundidee seines Vorstosses war im Parlament nicht bestritten. Darum dreht sich die gemässigt warme Côte-d’Azur-in-Bern-Diskussion vorab darum, wo der Feierabend-Caipirinha wohl am besten schmeckt und wo es sich maximal chill-outen lässt. Die urbanistisch-jungen Grünliberalen votierten klar fürs Marzili: «Eine Bar im Weyerli wäre kein urbaner Treffpunkt, sondern eine Schülerdisco», sagte Claude Grosjean kennerisch.
Anderer Meinung war Susanne Elsener (GFL): «Der Standort Weyerli ist beinahe ideal.» Dort gebe es kaum Anwohner, die Erschliessung mit ÖV sei gut. «Wir müssen nicht Zürich nacheifern, sondern einen eigenen Berner Weg finden.» Und ja, Frau Elsener hätte von zu Hause aus weniger weit ins Weyerli als ins Marzili. Ebenfalls gegen das Marzili sprach sich Cristina Anliker-Mansour (GB) aus, die sich als Grüne natürlich vorab an den zu befürchtenden Emissionen störte: «Im Raum Marzili gibt es bereits ein Überangebot an Treffpunkten.»
An dieser Meinung hielt auch die zuständige Gemeinderätin Edith Olibet fest. Trotz Barfuss-Auftritt und feurigem Votum von Henri-Charles Beuchat wurde sie mit dem Standort Marzili überhaupt nicht warm. Die Meinung des Gemeinderats sei gemacht, blockte sie Beuchats Aufforderung ab, den Standort Marzili en detail zu prüfen.
Dies wiederum liess Beuchat alles andere als kalt. Zwar überwies der Stadtrat seinen Vorstoss in der unverbindlichen Form des Postulats mit 60 zu 2 Stimmen. Für den Fall, dass der Gemeinderat sich nicht beweglicher zeigen sollte, drohte Beuchat – gar nicht mehr mediterran locker – ultimativ mit einer Initiative. Auf dass das Volk für Caipirinhas, Chill-out und Côte d’Azur am Aarestrand sorge. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.09.2009, 08:27 Uhr
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Michael Köpfli, Stadtrat glp
Ich teile die Überzeugung von Henri-Charles Beuchat, dass die Mehrheit der Bernerinnen und Berner sich hinter die Idee für Lounges und Bars in den Berner Bädern stellen würde - und zwar zentral im Marzili oder allenfalls im Lorraine-Bad und nicht abgelegen im Weyerli. Wenn Henri-Charles Beuchat tatsächlich eine Volksinitiative lanciert, werde ich dem Initiativkomitee sofort beitreten! Antworten