Stadtbauten und Architekt einigen sich bei Feuerwehrkaserne auf einen Vergleich
Baenzigers Büro hatte 2006 den Architekturwettbewerb für den neuen Feuerwehrstützpunkt gewonnen. 35 Millionen Franken sollte das Bauwerk kosten, hiess es von Seiten der Behörden im Vorfeld der entsprechenden städtischen Abstimmung im Jahr 2008.
Im Sommer 2009 gaben die Stadtbauten dann aber bekannt, dass der Bau nun gegen 54 Millionen Franken teuer werde. Baenziger erhielt den Laufpass, ein neues Team sollte nun den Feuerwehrstützpunkt nach dessen Plänen realisieren.
Der Zürcher Architekt wehrte sich vehement gegen das Vorgehen der Stadtbauten. Diese hätten ihm nie einen stichhaltigen Grund für die Auflösung der Zusammenarbeit angegeben. Er sei vielmehr als Sündenbock für die Mehrkosten vorgeschoben worden, betonte Baenziger seither immer wieder.
Schuld an den Mehrkosten sei nicht sein Büro. Um das Projekt in der Volksabstimmung durchzubringen, hätten die Bauherrin und der Stadtberner Gemeinderat wohl absichtlich tiefe Kosten vorgegaukelt, vermutet Baenziger.
Nach der Abstimmung sei das Architekturbüro ständig mit neuen Wünschen und Bedürfnissen konfrontiert worden. Die Stadtbauten hätten versäumt, die Bedürfnisse der Feuerwehr genügend abzuklären.
«Fundamental andere Auffassungen»
Die Stadtbauten Bern sehen die Gründe für die Auflösung der Zusammenarbeit in «fundamental auseinandergehenden Auffassungen bezüglich Rolle und Aufgaben von Auftraggeber und Planer», wie es in der Mitteilung vom Dienstag weiter heisst.
Architekt Ralph Baenziger wehrte sich gegen das Vorgehen der Stadtbauten mit verschiedenen Beschwerden und einer Entschädigungsklage. Vor der entsprechenden Gerichtsverhandlung im August hatte der Gerichtspräsident den Parteien einen Vergleichsvorschlag unterbreitet.
Nach einer Bedenkzeit hat Baenziger nun dem Vorschlag zugestimmt, wie die Stadtbauten Bern am Dienstag mitteilten. Nach Ansicht der Stadtbauten liegt der von Baenziger akzeptierte Betrag deutlich unter seiner ursprünglich geforderten Summe von rund 1,2 Millionen Franken für Honorare und Schadenersatz.
Baenziger habe ebenfalls versprochen, die hängigen Beschwerden gegen die Neuvergabe des Planerauftrags zurückzuziehen. Ausserdem verzichte er auf seine urheberrechtlichen Ansprüche.
Arbeiten beginnen noch im September
Da nun die letzten Hürden aus dem Weg geräumt sein dürften, wollen die Stadtbauten die Bauarbeiten so rasch wie möglich an die Hand nehmen. Noch im September beginnen die Rodungsarbeiten. Den Baukredit vom 53,9 Millionen Franken haben die Berner Stimmberechtigten im März angenommen.
Die Stadtbauten Bern sorgten 2009 nicht nur mit dem Hickhack um die Feuerwehrkaserne für Schlagzeilen. Wenige Tage vor der Eröffnung des neuen Bärenparks wurde bekannt, dass die Anlage massiv teurer wird als geplant.
Dies führte schliesslich dazu, dass Gemeinde- und Stadtrat eine Rückführung der Stadtbauten Bern in die Verwaltung ins Auge fassten. Das letzte Wort dazu hat das Volk. Die Stadtbauten waren 2002 in ein öffentlich-rechtliches Unternehmen ausgelagert worden. (met/sda)
Erstellt: 07.09.2010, 16:39 Uhr
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