Riggisberg

Ab Ende Juli ist Schluss mit Babys

RiggisbergDie Spital Netz Bern AG schliesst auf Ende Juli die beliebte Geburtsabteilung des Spitals Riggisberg, um die Kosten zu senken. Die Verantwortlichen sprechen sich aber für den Standort aus.

Verzichtet künftig auf sein bekanntestes Angebot: Das Spital Riggisberg.

Verzichtet künftig auf sein bekanntestes Angebot: Das Spital Riggisberg. Bild: Christian Pfander

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Geburtenabteilung im Spital Riggisberg ist weit über die Gemeindegrenzen hinaus beliebt – pro Jahr bringen rund dreihundert Wöchnerinnen ihr Baby dort zur Welt. Rund zwei Drittel der Gebärenden kommen von auswärts.

Damit soll im Sommer Schluss sein: Wie die Spital Netz Bern AG als Betreiberin des Standorts Riggisberg gestern mitteilte, wird die Geburtenabteilung Ende Juli 2013 geschlossen. Die dazu benötigte Operationsbereitschaft rund um die Uhr sei «finanziell untragbar», schreibt das Unternehmen. Dazu kommt laut dem operativen Geschäftsführer Bruno Haudenschild, dass es bei einem so kleinen Spital schwierig sei, ärztliches Personal zu finden. Dieser Mangel sei primär der Grund, weshalb die Geburtenabteilung so kurzfristig zugehe.

Standort soll bleiben

Die Spitalgruppe spricht sich aber grundsätzlich für den Standort Riggisberg aus. Das Haus soll neu zu einem Portalspital werden. Das bedeutet, dass es die gängigsten Unfälle und Krankheiten in der Region behandeln kann. «Sind Spezialisten nötig, werden die Patienten innerhalb des Spitalnetzes und des Inselspitals weiterverwiesen», sagt Haudenschild. Der Notfall bleibt weiterhin bestehen, zudem sollen Spezialisten des Spitals Netz Bern auch in Riggisberg Sprechstunden anbieten. Mit den Massnahmen wird das chronisch defizitäre Spital Riggisberg nicht rentabel, der Fehlbetrag aber laut Haudenschild kleiner: «Diese Kosten nimmt die Führung der Spital Netz Bern AG und des Inselspitals in Kauf, um das Portalspital zu erhalten. Wir glauben an das Konzept.»

Dem operativen Geschäftsführer des Spitals Netz Bern ist es ein Anliegen, dass die Massnahme nicht gegen Landbevölkerung oder -spitäler zu werten sei. «Mit dem Portalspital wollen wir sicherstellen, dass auf dem Land die Versorgung gewährleistet bleibt», sagt er. Das Bekenntnis zu Riggisberg hänge allerdings auch von den Beteiligten ab, von Mitarbeitern, Hausärzten und Bevölkerung. «Nur so kann ein Spital funktionieren.»

Keine Kündigungen

Das Personal in Riggisberg wurde gestern kurz vor der Öffentlichkeit informiert. Betroffen von der Massnahme sind fünfzehn bis zwanzig Personen. Kündigungen seien keine vorgesehen, dem Personal werde eine neue Stelle innerhalb des Spitals Netz Bern angeboten, steht in der Mitteilung. Dieses umfasst die fünf Spitäler Aarberg, Münsingen, Riggisberg, Tiefenau und Ziegler, das Spital und Altersheim Belp sowie das Pflegezentrum Elfenau. Zurzeit wird der Zusammenschluss der Spitalgruppe mit dem Inselspital Bern vorbereitet.

Wut und Frust in Riggisberg

In Riggisberg formiert sich Widerstand gegen den Entscheid des Spitals Netz Bern. «Das ist eine grosse Enttäuschung», sagt Christine Bär, Gemeindepräsidentin und Präsidentin des Vereins A+, der seit Jahren für die akutmedizinische Versorgung kämpft. Für sie ist der schlimmstmögliche Fall eingetreten: «Wenn die Geburtsabteilung als Aushängeschild zugeht, hat das Spital keine Chance mehr. Das ist eine Schliessung auf Raten.» Sie glaubt , dass es schwer sein wird, das Spital zu retten, weil nicht einmal kommuniziert worden sei, wer den Entscheid gefällt habe. «Das ist ein Paradebeispiel, wie schlecht man die Landbevölkerung behandelt», sagt Bär.

Sie bedauert zudem den Verlust für die Region Gantrisch, die in den letzten fünfzehn Jahren mehrfach bluten musste: «Wattenwil, Schwarzenburg und Belp wurden geschlossen, nun soll auch noch Riggisberg an die Reihe kommen.» Im Gegensatz dazu sei in der Stadt Bern sogar ein Herzzentrum möglich. «Das ist ein Schlag ins Gesicht der Landbevölkerung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.03.2013, 07:13 Uhr

Artikel zum Thema

Wer das Berner Grossspitals leitet, ist nun klar

Die Geschäftsleitung des geplanten Berner Grossspitals steht, und die Kantonsregierung stellt sich in einem Bericht an den Grossen Rat hinter die Fusion. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hast du mal Feuer: Forrest Scott schaut auf die Buschfeuer rund um sein Haus bei Santa Margarita in Kalifornien (26. Juni 2017).
(Bild: Joe Johnston/The Tribune) Mehr...