Sparmassnahmen: Statt Spiez trifft es jetzt wohl Bern
Von Fabian Schäfer, Mirjam Messerli. Aktualisiert am 11.11.2011 10 Kommentare
Die BFF Bern hat nun plötzlich das Nachsehen. (Bild: Stefan Anderegg)
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Die Oberländer Lobby steht vor einem grossen Sieg. Sie konnte – völlig unerwartet – eine Mehrheit des Regierungsrats auf ihre Seite ziehen. Die Kantonsregierung vollzieht eine Kehrtwende und verändert ihr Entlastungspaket zum Budget 2012 in einem Punkt: Die Schlossbergschule in Spiez soll nun doch nicht geschlossen werden. Dafür muss die BFF in Bern dran glauben; diese bietet wie die Schlossbergschule als Lehrwerkstätte eine dreijährige Ausbildung zur Bekleidungsgestalterin an. Nun soll sie dieses Angebot auf 2015 einstellen – zugunsten der Schlossbergschule. Betroffen wären elf Vollzeitstellen. Die Lernenden müssten nach Spiez ausweichen.
Gestern Vormittag informierte Bildungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) die Betroffenen in der BFF Bern persönlich. «Wir sind erschüttert über diesen Entscheid», sagt Direktor Heinz Salzmann. «Diese Kehrtwende ist für uns nicht nachvollziehbar.»
«Befremdend»
Die Regierung unterstützt eine Motion von Oberländer Grossräten, die sich zur Rettung der Schlossbergschule angeschickt hatten (wir berichteten). Definitiv entscheiden wird der Grosse Rat in der Novembersession.
Speziell ist, dass die Regierung in ihrer Stellungnahme ausschliesslich Argumente aufführt, die für eine Schliessung der Schlossbergschule Spiez sprächen. So ist etwa nachzulesen, dass von den jährlich 15 Lernenden jeweils nur 3 oder 4 aus dem engeren Oberland stammen. Der Rest reise primär aus den Regionen Bern und Thun an. Zudem sei die BFF flexibler und könne die Zahl der Ausbildungsplätze ohne Umbauarbeiten erhöhen, wenn dies dereinst nötig wäre. Zur Begründung seines Schwenkers hält der Regierungsrat nur vage fest, er habe auch volkswirtschaftliche und regionalpolitische Aspekte berücksichtigt, ohne diese weiter auszuführen. «Es ist befremdend, wenn am Schluss nicht die bildungspolitisch und strukturell sinnvolle Lösung gewählt wird, sondern dem Druck aus dem Oberland nachgegeben wird», findet der Direktor der BFF Bern.
Sieg für Oberländer Lobby
Auch die offizielle Medienmitteilung des Regierungsrates liefert keine Erklärung. Dies deutet darauf hin, dass Bildungsdirektor Bernhard Pulver an der ursprünglichen Variante festhalten wollte, im Kollegium aber unterlag. Über die Gründe darf man spekulieren. Neben dem massierten Druck aus dem Oberland könnte förderlich gewesen sein, dass der Leiter der Schlossbergschule, Andreas Blaser, einer der einflussreicheren SP-Grossräte ist; so amtet er etwa als Präsident der Oberaufsichtskommission.
BFF will um Plätze kämpfen
Ganz bedingungslos macht die Regierung aber nicht rechtsumkehrt. Sie formuliert mehrere Auflagen: Das Sparziel von jährlich 2,4 Millionen Franken ab 2015 muss eingehalten werden. Die Gemeinde Spiez muss den Mietzins für die Schlossbergschule um eine Million senken, da dieser bisher offenbar weit über dem Marktpreis lag. Falls die Zahl der Bekleidungsgestalterinnen an der Schlossbergschule zurückgeht, müsse der frei werdende Platz «optimal» genutzt werden. Im Klartext: Das Oberland müsste in diesem Fall damit rechnen, dass die Brückenangebote (10. Schuljahr) in Spiez konzentriert werden. Heute werden diese neben Spiez zusätzlich in Interlaken, Frutigen und Zweisimmen angeboten.
In Bern gibt man die Hoffnung nicht auf. «Noch hat der Grosse Rat nicht entschieden. Wir kämpfen für die Ausbildungsplätze in Bern», sagt BFF-Direktor Salzmann. Die Bekleidungsgestaltung sei ein Gründungspfeiler der BFF Bern und sehr beliebt. «Wir haben gegen 200 Kundinnen und Kunden, für die wir Kleider auf Mass anfertigen oder auch ändern», sagt Salzmann. Besonders enttäuscht ist er über den Entscheid, weil die BFF Bern sogar Hand geboten hatte, ihre Ausbildungsplätze von heute 75 auf 45 zu reduzieren. «Wir wollten zur Einsparung beitragen.» Statt einer Reduktion spreche man nun von Schliessung.
Ausser Frage steht für die Regierung, dass die Zahl der Ausbildungsplätze in diesem Bereich reduziert werden kann. Sie hält fest, in der Schweiz würden rund 300 Bekleidungsgestalterinnen ausgebildet; für sie gebe es aber nur etwa 70 Arbeitsstellen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.11.2011, 06:53 Uhr
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10 Kommentare
Genau dies ist ein Musterbeispiel, weshalb es mit dem Kt. BE nie vorwärts gehen wird. Es geht nur um partikuläre Interessen der einzelnen Regionen, jeder für sich, bezahlen sollen aber bitteschön die Zentren Bern, Thun, Burgdorf, Langenthal. Den Grossen Rat kann man getrost als Politbüro sowjetischen oder DDR Zuschnitts bezeichnen. Einfach nur peinlich. Antworten
Das ländliche Bern wird immer ein immenser Bremsklotz bleiben für den ganzen Kt. Bern. Gott sei Dank haben wir den nördlichen Jura nicht mehr, und weite Teile der Waadt sonst wärs noch schlimmer, der Kt. BE bekommt 1 Mrd. CHF aus dem Eidg. Finanzausgleich, einfach oberpeinlich, vielleicht sollt man dieses Geld mal streichen damit einige anfangen aufzuwachen. Antworten
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