«Solange die Aare nicht gefroren ist, schwimme ich»
Von Ralph Heiniger. Aktualisiert am 09.02.2012
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Wenn Jacques-Olivier Pidoux in der Badehose über den schneebedeckten Marzilirasen sprintet, zieht er einige verwunderte Blicke auf sich. Und wenn er sich dann noch bei Minusgraden in die Aare wirft, reiben sich viele ungläubig die Augen.
«Wenn die Aare so kalt ist wie jetzt, dann schwimme ich nur etwa 30 Sekunden», kündigt der 45-Jährige an. Nach einigen Metern im Wasser klettert er via Aaresteg an Land und sprintet zurück zu den Garderoben im Marzili. Seine Zähne klappern ein wenig, als er sich wieder seine warmen Kleider anzieht. Aber der «Touring»-Journalist lächelt zufrieden. «Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich spüre, wie mein Körper die Kälte überwindet.» Dazu biete ihm die Umgebung im Marzili ein einmaliges Badeerlebnis.
«Eine Grenzerfahrung»
Ja, er gehe mit dem eiskalten Bad an seine Grenzen, aber genau das sei ja auch die Herausforderung. «Wenn man den Körper intensiv trainiert, kann er Erstaunliches leisten», weiss der ehemalige Triathlet. Diesen Sport betreibt er jetzt zwar nicht mehr, aber ne-ben seinem täglichen Aarebad schwimmt er noch zweimal die Woche im Hallenbad in Yverdon. «Einmal mit dem Schwimmverein und einmal allein.» Auch am Trockenen ist Pidoux sportlich geblieben. Jeden Morgen geht er direkt nach dem Aufstehen etwa eine halbe Stunde joggen. Die Dusche nach dem Joggen sei übrigens auch kalt, verrät er. Für den dreifachen Familienvater ist die tägliche Bewegung wie Essen und Trinken. «Das gibt mir Energie und lüftet meinen Kopf.»
Frau und Chef in Sorge
Dass sich die Leute über sein spezielles Hobby wundern, kann er verstehen. «Schliesslich empfinden die meisten Menschen ja bereits ein Wassertemperatur von 20 Grad als kalt.» Was den Sport betreffe, sei er wohl ein Exot. Sogar sein Chef, der selbst auch sehr sportlich sei und sich als Bergführer auch mit extremen Bedingungen herumschlage, habe ihm schon spasseshalber ein Aareverbot erteilt, berichtet Pidoux. «Mein Chef kann nicht verstehen, warum ich mir das antue, und macht sich Sorgen.» Aber nicht nur sein Chef, auch seine Frau ist nicht besonders begeistert von seinen alltäglichen Aarebädern. «Sie hat Angst, dass sie bald Witwe wird», sagt Pidoux und schmunzelt.
Seine Frau, seinen Chef und alle anderen, die sich Sorgen um den Extrem-Aareschwimmer machen, kann Pidoux aber beruhigen. «Ich gehe seit vier Jahren täglich in der Aare schwimmen», berichtet er. Weil ihm die Mittagspause zu langweilig war, habe er damit angefangen. «Ich habe im Sommer begonnen und habe im Herbst weitergemacht.» Als dann der erste Winter kam, war sein Körper durch das tägliche Training bereits abgehärtet. Und jetzt, nach vier Jahren, mache ihm die Kälte nicht mehr so viel aus. «Ich habe mich deswegen nie erkältet und erfreue mich zum Glück generell einer sehr guten Gesundheit», so der 45-Jährige. Die langsame Abhärtung allein reicht aber nicht aus, wenn man sich in der Aare bewegen wolle. «Man muss ein guter Schwimmer sein.» Die Strömung sei im Winter zwar eher schwach, aber ein fliessendes Gewässer bleibe immer unberechenbar.
Pause bei Eis und Hochwasser
Auch gestern – bei einer Aaretemperatur von 4 Grad – crawlte der abgehärtete Journalist in seiner Mittagspause im Fluss. Nur bei Hochwasser oder besonders starker Strömung würde er am Trockenen bleiben. «Solange die Aare nicht gefroren ist, schwimme ich», sagt Pidoux. Wenn er aber zuerst ein Loch in die Eisschicht graben müsse, dann wäre ihm das Bad in der Aare doch etwas zu extrem. (Berner Zeitung)
Erstellt: 09.02.2012, 06:30 Uhr
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