Mühleberg

So will die BKW das AKW zurückbauen

MühlebergDer Energiekonzern BKW und die Behörden informierten am Dienstag erstmals darüber, wie der Rückbau des AKW Mühleberg erfolgen wird. Das komplexe Vorhaben wird 15 Jahre dauern und 800 Millionen Franken kosten.

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Für die Schweiz wird es eine Premiere sein: Spätestens Ende 2019 wird der Berner Energiekonzern BKW das AKW Mühleberg vom Netz nehmen. Mit einem Grossaufgebot informierten am Dienstagabend die BKW und die Behörden die Bevölkerung der Standortgemeinde Mühleberg: BKW-Chefin Suzanne Thoma, die Berner Energiedirektorin Barbara Egger, Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie, und Hans Wanner, Chef der Nuklearaufsichtsbehörde Ensi, stellten das geplante Vorgehen vor.

Eines wurde aufgrund der Ausführungen deutlich: Ein solcher Rückbau ist ein langwieriges, hochkomplexes Vorhaben. Aber das Ziel ist klar: Dort wo heute das AKW steht, sollen nach dem Rückbau Strahlenwerte gemessen werden, die nicht höher sind als in der Umgebung. Wie das Areal schliesslich genutzt werden wird, soll in zehn Jahren entschieden werden.

Zeitplan bis zur Abschaltung

Der formelle Prozess für den Rückbau beginnt schon Ende Jahr. Bis zu diesem Zeitpunkt will die BKW ihr Stilllegungsprojekt einreichen. Das Ensi wird 18 Monate Zeit haben für die sicherheitstechnische Prüfung. Kommt dieses zu einem positiven Ergebnis, erlässt der Bund die Rückbauverfügung. Gegen diesen Entscheid können Private, die im näheren Umkreis des AKW wohnen, und der Kanton Bern Einsprache erheben.

Die Kosten

BKW-Chefin Suzanne Thoma rechnet damit, dass der Rückbau rund 800 Millionen Franken kosten wird. Etwas mehr als die Hälfte dieses Betrags kommt aus dem Stilllegungsfonds. Die restlichen knapp 400 Millionen Franken muss die BKW aus ihren Reserven finanzieren. Für die Lagerung der radioaktiven Abfälle im Tiefenlager werden weitere Kosten im Umfang von 1,3 Milliarden Franken dazukommen.

Die Lastwagenfahrten

Im ersten Jahr nach der Abschaltung geschieht relativ wenig. Der Plan der BKW sieht vor, dass die radioaktiven Brennstäbe dann in den Jahren 2021 bis 2024 ins Zwischenlager in Würenlingen AG transportiert werden. Die Brennstäbe werden in Spezialbehälter aus Stahl verpackt sein. «Solche Transporte erfolgten bereits bisher im Rahmen der Revision», sagte Thoma. Sie rechnet damit, dass 30 solche Transporte pro Jahr nötig sein werden.

Zwischen 2024 und 2031 wird das schwach-radioaktive Material aus dem AKW gebracht. Pro Tag wird es rund einen Transport geben. Und zwischen 2031 und 2034 wird der nicht-radioaktive Bauschutt entsorgt. Dazu werden 10 Lastwagenfahrten pro Tag erforderlich sein.

Die Jobs

Heute beschäftigt das AKW Mühleberg rund 350 Mitarbeitende. Nach der Abschaltung wird diese Zahl kontinuierlich abnehmen. «Entlassungen wegen der Abschaltung wird es keine geben. Wir haben bei der BKW genügend Aufgaben für die Mitarbeiter des Kraftwerks», sagt Thoma.

Sie rechnet damit, dass in den 15 Jahren des Rückbaus im Durchschnitt 200 Personen mit dem Rückbau beschäftigt sein werden. Die Zahl der Mitarbeiter von externen Unternehmen wird mit zunehmender Dauer des Ruckbaus laufend zunehmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.03.2015, 20:29 Uhr

Grüne Wiese als Ziel: BKW-Chefin
Suzanne Thoma. (Bild: Keystone )

Definitives Brennstablager ab 2050?

Mühleberg ohne Atomkraftwerk? Die Bevölkerung will wissen, wie der geplante Abbau des AKW geht. Gestern Abend war die Aula der Schulanlage Allenlüften bis auf den letzten Platz gefüllt.

450 Stühle in der Aula Allenlüften (Gemeinde Mühleberg) waren zu wenig. Draussen war zusätzlich ein Zelt aufgestellt, in dem rund 100 Personen den Infoanlass der BKW über einen Bildschirm verfolgen konnten. Das Thema: Abbau des AKW in Mühleberg (siehe Haupttext).

«Das wirklich überwältigende Interesse zeigt, wie sehr das Thema interessiert», sagte Gemeindepräsident René Maire bei der Begrüssung des rund 600-köpfigen, vorwiegend älteren Publikums und wünschte einen «schönen Abend». Es folgte ein Kurzreferat von Regierungsratspräsidentin Barbara Egger. Sie lobte die «offene Information» der BKW. Egger sprach aber auch von einem Restrisiko, das ein AKW darstelle, und auf das die Bevölkerung sicher gern verzichte, wenn das Werk dereinst, voraussichtlich in 4 Jahren, abgeschaltet werde.

BKW-CEO Suzanne Thoma sagte, dass das Stilllegen eines Atomkraftwerks eigentlich genauso spannend sei wie der Bau eines neuen, das ursprünglich vorgesehen war, aber wieder schubladisiert wurde.

Abschalten zugesichert

Nach den Referaten waren «Fragen und Diskussion» traktandiert. Auf die Frage, ob irgendetwas das Abschalten noch aufhalten könnte, sagte Thoma: «Wir können und wollen abstellen.»

Etlichen Personen bereitet die Sicherheit des AKW bis zum Abbau Sorgen. Sind Wartung und Reparaturen bis zum Schluss gewährleistet? Ja, versicherten die BKW-Vertreter. Hans Wanner, Direktor des Ensi, betonte, dass die Sorgfaltspflicht generell bis zum Schluss gelte und eingehalten werden müsse. «Warum erst 2019 abschalten, wenn es ein Restrisiko gibt?», fragte eine Frau. Thoma antwortete, dass es nun gelte, das Abschalten sicher und geordnet anzugehen.

Jemand erkundigte sich nach der definitiven Lagerung der radioaktiven Brennstäbe. Diese kämen in ein geologisches Tiefenlager, das in der Schweiz voraussichtlich 2050 zur Verfügung stehe, lautete die Antwort.

Sorgen bereitet auch der zu erwartende Rückgang der Steuereinnahmen in Mühleberg sowie der Arbeitsplätze nach dem Abschalten. Da der Abbau 20 Jahre dauere, könnte dazu noch nichts Endgültiges gesagt werden, erklärte Thoma. Laura Fehlmann

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