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Schulskilager – Tradition wird zum Auslaufmodell

Von Saskia van Wijnkoop. Aktualisiert am 08.02.2012 1 Kommentar

20 Schüler aus dem Berner Tscharnergut lernen bei minus 20 Grad das Snowboarden. Das traditionelle Wintersportlager in Wyler im Lötschental ist aber die Ausnahme.

1/4 Christoph Spycher, YB-Routinier
«Die Skilager mit der Sek Niederscherli sind für mich mit zahlreichen schönen Erinnerungen verbunden», sagt YB-Spieler Christoph Spycher. «Zuvor waren wir jeweils mit der Familie in der Sportwoche in die Skiferien verreist. Die Teilnahme am Skilager hatte dann zur Folge, dass wir die Familienferien in die Weihnachtszeit verlegten – zu meiner grossen Freude: So kam ich zu zwei Wochen Skiferien pro Winter. Gute Stimmung im Massenlager, intensive Schneeballschlachten, schwungvolle Abfahrten und relativ kurze Nächte, obwohl eigentlich frühe Bettruhe angesagt war – das sind für mich die Stichworte zu meinen Skilagern.»
Bild: Andreas Blatter

   

Trotz Minusgraden lernen Endrin Gjoshi, Darlin Pache und Angel Hernandez (v.l.) aus dem Tscharnergut mit Begeisterung Snowboarden. (Bild: zvg)

Sport bei Klirrender Kälte

Auch wenn es jetzt sehr kalt ist, ist Wintersport kein Tabu. Erster Grundsatz ist aber der gesunde Menschenverstand: Das eigene Körpergefühl ist wichtig. Wer friert, soll zurück an die Wärme.

Heikel sind die aktuellen klimatischen Verhältnisse speziell für Kinder, die Asthma haben. Da Kälte und extrem trockene Luft (Bise) zusammenkommen, können sie bei körperlicher Anstrengung vermehrt Kurzatmigkeit oder Husten spüren, wie Lungenärztin Carmen Casaulta von der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am Inselspital erklärt. Sie rät Eltern deshalb, ihren Kindern die nötigen Medikamente ins Lager mitzugeben und die Lehrpersonen davon in Kenntnis zu setzen.

In abgeschwächter Form können bei kaltem und trockenem Wetter alle solche Atemprobleme empfinden. Sie entstehen laut Casaulta, weil die Bronchien sich schliessen wollen, um die Lunge zu schützen.

Mehr Knochenbrüche sollte es trotz des kalten Wetters nicht geben. «Die Knochen werden wohl nicht wirklich kalt, aber wenn man richtig friert, bewegt man sich ungeschickter», sagt Kinderchirurg Steffen Berger, Leiter des Kindernotfalls am Inselspital. «Dafür sind die Schneeverhältnisse im Moment so super, dass das Unfallrisiko eher niedriger sein dürfte.»

Wetterfest und zweckmässig

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat Tipps für den Wintersport an kalten Tagen parat: Intensives Aufwärmen ist bei arktischen Temperaturen noch wichtiger als sonst. Schneesport ist anspruchsvoll, der Körper muss deshalb vorbereitet werden, das kann Verletzungen verhindern. Besonders wichtig ist das Aufwärmen vor der ersten Abfahrt, nach Pausen – und auch wenn es so kalt ist wie jetzt.

Die Kleidung sollte wetterfest, zweckmässig und bequem sein. Vor allem Snowboard-Anfänger sollten wasserdichte Kleider tragen, möglichst mit Knie- und Gesässpolsterung.

Und: Ein Helm reduziert nicht nur das Risiko einer Kopfverletzung, sondern gibt auch schön warm. Lucia Probst

Stichworte

«Das ist mein erstes Snowboardlager. Es macht mir richtig Spass – nur die ‹Tschäggättä›, dieser Umzug mit den Lötschentaler Masken, gefällt mir nicht besonders.» Der 11-jährige Endrin Gjoshi logiert seit Sonntag mit 19 anderen Fünft- und Sechstklässlern aus dem Berner Tscharnergut in Wyler im Lötschental. Auch dem gleichaltrigen Angel Hernandez gefällt es im Schullager: «Es ist schön in den Bergen. Und snowboarden zu lernen ist lustig, trotz der Kälte.»

Das Snowboardlager wird von drei Lehrkräften aus dem «Tscharni» und einem Zusatzleiter durchgeführt, unter ihnen der 62-jährige Herbert Bürgi: «Seit 42 Jahren helfe ich jedes Jahr, mindestens ein Wintersportlager zu leiten. Wir sind ein gutes Team und fühlen uns nach all den Jahren im Lötschental wie daheim.»

Lager ist freiwillig

Die Schule Tscharnergut führt seit 15 Jahren während der Sportwoche freiwillige Snowboardlager durch: «Deshalb musste ich mit fast 50 Jahren noch das Boarden lernen», erzählt Bürgi lachend. Aber es lohne sich: «Die Kinder mit fast durchwegs ausländischem Hintergrund lernen so die Berge, den Schnee und den Wintersport kennen.» Das sei für die Schüler einmalig, und die Leiter freuen sich, ihnen dies zu vermitteln.

Schulen entscheiden selber

Die Schule Tscharnergut ist eine der wenigen Schulen in der Stadt Bern, welche in der Sportferienwoche noch freiwillige Wintersportlager anbieten. Eine Statistik wird nicht geführt, sagt die städtische Bildungsdirektorin Edith Olibet: «Da es den Schulen überlassen ist, ob sie diese Lager anbieten, sind sie uns keine Rechenschaft über die Durchführung von Lagern schuldig.»

Es liegen also keine Zahlen darüber vor, welche Schulen wie viele Lager durchführen, sei es während der Unterrichtszeit, in den Frühlingsferien oder in der Wintersportwoche. Die Erfahrung der letzten Jahre habe aber gezeigt, dass bei den Stadtberner Schulkindern dieses Angebot der Schulen – wo es noch besteht – hochwillkommen sei: «Viele Kinder bekommen weder eine Schneesportausrüstung noch die Möglichkeit, mit ihren Eltern in eine Wintersportwoche zu fahren – für sie ist die Schule oft das einzige Tor zum Wintersport.»

Ausrüstung für 30 Franken

So wie im Tscharnergut: Dort gibt es einen ganzen Keller voller Snowboards, erklärt Schulleiter Lukas Wiedmer: «Für 30 Franken können die Kinder einen Winter lang Snowboards samt Schuhen mieten.» Die Schule Tscharnergut schafft es jedes Jahr, in der Sportferienwoche ein Snowboardlager anzubieten: «Das ist nur möglich, weil es in unserem Kollegium viele Lehrpersonen gibt, welche diese Tradition unterstützen.»

Schul- wurde zu Ferienwoche

Ob eine Schule während der Sportwoche ein Sportlager anbietet, sei tatsächlich eine Traditionsfrage, sagt Bildungsdirektorin Edith Olibet: «Einzelne Schulen in der Stadt Bern pflegen diese Tradition des Skilagers in der Sportwoche weiter, seit die Sportwoche vor 15 Jahren zur Ferienwoche erklärt wurde.»

Im Gegensatz zu allen anderen Ferienwochen wurden 1997 die Sportwochen der verschiedenen Gemeinden nicht vereinheitlicht. «Damit wollte man vermeiden, dass die Wintersportorte an ihre Grenzen stossen», so Olibet.

Spass trotz klirrender Kälte

Die Teilnehmenden des «Tscharni»-Snowboardlagers müssen sich deswegen keine Sorgen machen. Für ihr Lager im Lötschental reserviert die Schule jedes Jahr das Gemeindehaus in Wyler, sagt Herbert Bürgi: «Früher haben wir im Gemeindesaal übernachtet, jetzt wohnen wir im umgebauten Dachstock.» Wenn es die Kälte zulässt, verbringen die Kinder die Zeit draussen: «Auf der Piste herrschen minus 20 Grad, wir boarden deshalb nur zweimal anderthalb Stunden pro Tag.» Die Kälte trübe aber die Stimmung keineswegs. «Die Kinder sind gut eingekleidet, und sie legen sich voll ins Zeug.» So wie die 12-jährige Darlin Pache. «Es macht so viel Spass, snowboarden zu lernen, auch wenn ich dauernd hinfalle und immer wieder aufstehen muss.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.02.2012, 10:40 Uhr

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1 Kommentar

Müller Peter

09.02.2012, 08:29 Uhr
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Freiwillig? Es gibt immer noch Schulen, die ein obligatorisches Skilager durchführen. Da der Beitrag der Gemeinde für diese Luxussportart nicht reicht, müssen die Eltern im Regelfall die restlichen Kosten übernehmen.
Also nichts da von freiwillig und nichts da von unentgeltlicher Schule. Die Kosten für die Ausrüstung tragen natürlich auch ... die Eltern ....
Wenn schon freiwillig, dann für alle!
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