«Schreckliche Szenen» im Bärengraben
Aktualisiert am 23.11.2009 17 Kommentare
Tragödie im Bärenpark: Ein 25-jähriger Mann wurde von einem der Bären angefallen und liegt verletzt im Gehege. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Stichworte
Fünf Fälle
Im alten Bärengraben gab es fünf ähnliche Situationen. Vier davon endeten tödlich. Oft war Alkohol im Spiel. So auch Ende 1998, als ein betrunkener Tessiner Arzt in den Bärengraben stieg. Dem Tierpfleger gelang es, Bärin Selma abzulenken und den Mann zu retten.
TeleBärn-Video
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Der 25-jährige Mann, der Verletzungen am Kopf, an den Oberschenkeln und der Hand erlitt, kann derzeit im Spital weder besucht noch befragt werden, wie der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause am Sonntag vor den Medien in Bern sagte. Er hoffe, dass der Mann sich schnell erhole und keine bleibenden Gesundheitschäden davontrage.
In kritischem Zustand befindet sich der Bär Finn, der nach einem gezielten Schuss eines Polizisten vom Eindringling abliess und sich zurückzog. Der vierjährige Bär erlitt eine Schusswunde an der rechten Brustwand.
«Das ist ein tragischer Tag für den Verletzten, für den Bären und für die Angestellten des Parks», sagte Bärenpark-Direktor Bernd Schildger ergriffen. Obwohl der Bär Finn die Nacht recht gut überstanden habe, sei die Prognose fraglich. Der Bär schwebe in Lebensgefahr.
«Schreckliche Szenen»
«Was sich im Bärenpark abgespielt hat, waren schreckliche Szenen, die uns tief betroffen machen», sagte Nause. Bis tief in die Nacht seien die Bilder analysiert worden, welche die Überwachungskameras aufgezeichnet hatten. Nach wie vor ist nicht vollständig geklärt, ob der Mann von der Mauer, die das Bärengehege vom Aussenbereich abgrenzt, gefallen oder abgesprungen ist. Klar ist jedoch, dass der Mann gegen 16 Uhr die Abschrankung bei einer Treppe an der Aare aus eigener Kraft bestiegen hat und in Kauerstellung auf der Mauer verharrte.
Zwischen dem Geländer des Treppenaufgangs und der Mauer gibt es einen Abstand von etwa einem halben Meter, wie Nause ausführte. Dazwischen geht es vier Meter in die Tiefe. Im Innern des Geheges ging der Mann auf den Bären zu, der ihn sogleich angriff. Nach sieben Minuten gab einer der eingetroffenen Polizisten einen gezielten Schuss ab, der das Tier in der Brust verletzte. In dieser Situation sei das die einzig richtige Entscheidung gewesen, sagte Bärenpark-Direktor Schildger. Eine Narkosemunition hätte nichts gebracht, weil eine solche erst nach einigen Minuten ihre Wirkung entfaltet. Die beteiligten Sicherheitskräfte hätten somit nicht nur schnell, sondern auch richtig gehandelt.
Passanten rund um den Park versuchten vor dem Eintreffen der Polizei den Bären abzulenken, indem sie Gegenstände ins Gehege warfen. Wie Schildger erklärte, sei das sinnlos gewesen, weil es das Tier noch mehr gereizt habe. Die Reaktion des Bären auf den Eindringling war natürlich und normal, wie Schildger betonte. Sollte sich Finn, der lediglich sein Territorium verteidigen wollte, erholen, müsste er somit trotz des Vorfalls nicht eingeschläfert werden.
Sicherheitsstandards verteidigt
Ob nach diesem Vorfall die Sicherheitsstandards anzupassen sind, konnte Sicherheitsdirektor Nause nicht ausschliessen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei das nicht geplant, doch hänge dies nicht zuletzt von den Ergebnissen der polizeilichen Ermittlungen ab. Er hob jedoch die hohen und modernen Sicherheitsstandards im Bärenpark hervor.
So seien die Abschrankungen mindestens 1,30 Meter hoch, obwohl die die Empfehlungen des Bundes ein Minimum von 1,15 Metern vorgeben würden, sagte Nause. Seit der Eröffnung des Bärenparks vor einem Monat hätten über 150'000 Menschen die Anlage besucht, ohne dass es Sicherheitsprobleme gegeben hätte.
«Niemand kann einfach so in das Gehege hineinfallen», sagte Nause. Gegen ein aktives Überwinden der Abschrankungen könne man sich aber nicht mit absoluter Sicherheit schützen. Es würde jedoch der Philosophie der Anlage, die dem Bärenpaar Finn und Björk ein artgerechtes Zuhause bieten soll, nicht entsprechen, wenn plötzlich zusätzliche meterhohe Zäune aufgezogen werden müssten.
(zes/sda)
Erstellt: 23.11.2009, 10:15 Uhr
Kommentar schreiben
17 Kommentare
Meistgelesen in der Rubrik Region
Giraffen zieren die Stadt Bern. Sollen die Graffiti bleiben?
Ja
Nein
409 Stimmen





















