Schneider-Ammann: «Meine Welt wird sich ganz gewaltig ändern»
Von Brigitte Walser. Aktualisiert am 23.09.2010 1 Kommentar
Artikel zum Thema
Herr Schneider-Ammann, wissen Sie überhaupt, wann genau Sie Ihr Amt im Bundesrat antreten werden?
Johann Schneider-Ammann: Das war die erste Frage, die ich heute morgen Herrn Merz gestellt habe (schmunzelt). Es ist noch kein Datum fixiert worden, an welchem er sein Mandat abgibt. Ich werde noch einige Wochen benötigen, um die Übergabe in meinem Unternehmen zu regeln. Ich denke, es wird Anfang November werden.
Die Führung Ihres Unternehmens geht an Ihre Kinder.
Genau, meine Familie wird sich der Firma widmen, sodass ich mich vollständig auf meine politische Aufgabe konzentrieren kann. Meine Kinder haben mir gesagt, wenn du deinen Kopf dem Land und damit auch der nächsten Generation zur Verfügung stellst, dann sind wir bereit, unseren Kopf für die Firma zur Verfügung zu stellen. Ich weiss, dass das Unternehmen mit vollstem Engagement weitergeführt wird.
Auch wenn die Führung an die nächste Generation geht, kapitalmässig gehört das Unternehmen der Familie, und Sie bleiben ja ein Mitglied der Familie. Wie regeln Sie das?
Ich werde mich komplett aus der Firma zurückziehen. Ich werde auch die Aktien abgeben, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Sie gehen über an die nachfolgende Generation.
In den letzten Jahren wurde die Nähe des Bundesrats zur Wirtschaft, insbesondere zum Bankenplatz kritisiert. Welche Nähe ertragen Politik und Wirtschaft?
Ich kann nicht wegleugnen, dass ich aus der Wirtschaft komme. Aber ich komme aus einer gesunden Wirtschaft. Und ich finde, es sollte nicht die Distanz, sondern die Nähe gesucht werden. Es geht nicht um Verfilzung, sondern um ein Zusammenspiel, das gepflegt werden sollte. Wir sollten ordnungspolitisch korrekt handeln: Der Staat setzt die Rahmenbedingungen, und innerhalb dieser Rahmenbedingungen soll man den Unternehmen den grösstmöglichen Freiraum zugestehen. Nur so können sie konkurrenzfähig bleiben und zum Wohlstand in diesem Land beitragen. Politik und Wirtschaft müssen aufeinander zugehen, alles andere wäre dem Wohlstand, der Wohlfahrt und der Sicherheit nicht dienlich.
Wird viel ändern, wenn Sie von der Wirtschaft zur Politik wechseln?
Meine Welt wird sich ganz gewaltig ändern. Ich verlasse meine Unternehmerwelt und trete ein in die Politwelt. Ich mache das mit Freude. Aber es sind gewaltige Herausforderungen, die auf uns zukommen, ich halte mich dabei an einen Kompass, der sich ausrichtet nach der Unabhängigkeit, der Eigenständigkeit und der Glaubwürdigkeit. Diese drei Prinzipien verfolge ich seit Jahren in meinem Unternehmen.
Peilen Sie das Finanzdepartement von Herrn Merz an?
Meine Frage an Herrn Merz, wie lange er bleibt, hatte nichts mit der Departementsfrage zu tun. Ich weiss natürlich, dass die bisherigen Bundesräte zunächst einmal ihre Entscheidung treffen, und wir werden nächste Woche an diesen Diskussionen teilnehmen. Ich gehe davon aus, dass wir dort zum ersten Mal beweisen können, dass wir zusammenarbeiten können. Ich weiss nicht, ob andere Departemente offenstehen werden, aber ich traue mir verschiedene Aufgaben zu.
Haben Sie bereits Strategien entwickelt, um das nicht sehr beliebte Justizdepartement zu vermeiden?
Ich habe keine Strategien, die ich offenlegen könnte.
Aber Sie bestreiten nicht, dass das Departement nicht sehr attraktiv ist?
Das weiss ich nicht, ich weiss nur, dass ich nicht Jurist bin.
An diesem Tag wurden gleich zwei Berner in die Landesregierung gewählt. Das ist ungewöhnlich.
Wir sind nicht primär Berner, sondern Regierungsmitglieder, die für das ganze Land zuständig sind. Wir sind nicht Tessiner, nicht Romands und auch nicht Ostschweizer, aber wir sind Schweizer, und ich persönlich komme als Weltbürger in die Schweiz zurück. Zur Vertretung der italienischen Schweiz: Zugegeben, ich bin kein Tessiner, aber ich bin immerhin ein Tessiner Unternehmer. Ich kenne die Herausforderungen und die Probleme des Tessins, und ich werde selbstverständlich sehr bewusst mithelfen, dieser Region die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 23.09.2010, 07:23 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Recht hezliche Gratulation an Herr Johann Schneider Ammann, zu seiner Wahl als Bundesrat. Wir kannten seinen Vater sehr gut, er war immer unser Veterinär,manchmal nahm er seinen Sohn auch mit, so lernten wir einander kennen. Wir wünschen Ihm in seinen hohen Amt alles Gute Mit freundlichen Grüssen Paul Scheidegger Ob.Wyken Antworten
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!







