Schlusspfiff für die Firmenkicker
Von Katharina Merkle. Aktualisiert am 29.09.2009
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«Sportclub Telegraf» gegen «Post 22/Ruag». So lautete am Wochenende die Paarung auf dem Sportplatz nahe der Autobahn. Wie schon so oft sass Hanspeter Schmidli am Spielfeldrand. Für den 66-jährigen Präsidenten der IG Eyfeld war es ein historisches Spiel. Denn es war der letzte Match auf diesem Rasen. Der letzte von Hunderten von Fussballwettkämpfen, bei denen er in den vergangenen 28 Jahren mitgefiebert hat.
Besitzerin Swisscom, die den Platz im Eyfeld lange finanziell mitgetragen hat, will auf dem Grundstück nun ihre Baupläne umsetzen. Die Anlage und der bereits verlassene Bauernhof sollen einem Dienstleistungszentrum weichen. «Der Abbruch wird in den nächsten Monaten erfolgen», sagt Swisscom-Sprecherin Myriam Ziesack.
Bereits seit 2006 hat die Swisscom ihr Engagement für den Platz laufend zurückgeschraubt (wir berichteten). Denn sie konzentriert ihre Firmensport-Aktivitäten unter dem Label «Move». Da geht es nicht nur um Sport, sondern beispielsweise auch um Gesundheitsprävention und Kultur. Gemäss Ziesack nehmen jährlich rund 7000 Mitarbeitende an den Aktivitäten und Kursen teil. Im Sportangebot befinden sich unter anderem Golf, Yoga, Biken, Tauchen, Skifahren, mentales Training – und Fussball. Alle zwei Jahre finden die Swisscom Games statt. Dieses Jahr massen sich dabei 3500 Mitarbeitende in Tenero. Wie viel sich die Firma diese Aktivitäten kosten lässt, gibt sie nicht bekannt.
Umgraben auf Vorrat
Hanspeter Schmidlis zweite Heimat, der Sportplatz Eyfeld, wird also umgegraben. Die 14 Firmenfussballteams müssen nun versuchen, anderswo unterzukommen. Weil in der Region 10 bis 15 Plätze fehlen, bedeutet es für einige von ihnen das Aus.
Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Der umtriebige Koordinator will erreichen, dass den Vereinen noch eine Gnadenfrist von einer Saison gewährt wird. Denn ob die Swisscom die nötigen Investoren für ihr Grossprojekt in Ittigen findet, steht in den Sternen. Die Firma hat zwar vor, für das neue Gebäude bis im Herbst 2010 das Baubewilligungsverfahren zu starten. «Zurzeit steht aber offen, ob das Projekt überhaupt realisiert wird», sagt Sprecherin Ziesack.
Er wolle mit seinem Kampf das Projekt der Swisscom nicht torpedieren, sagt Eyfeld-Fan Schmidli. Doch fände er es jammerschade, wenn der Platz nun einfach brachliegen würde. Auf Vorrat. Also hat er mit Firmenvertretern Gespräche geführt. Sein Ziel: Die Spieler sollten sich 2010 noch eine letzte Saison lang auf dem Platz messen können. Doch vergangene Woche hatte er die Antwort schwarz auf weiss im Briefkasten. Der Ende Jahr auslaufende Mietvertrag mit der IG Sportverein Eyfeld wird nicht erneuert. Die Firma wolle keine Vereinbarung «auf Zusehen hin», schreibt die Swisscom Immobilien AG. Die IG solle nun die Räumung des Klubinventars an die Hand nehmen.
Am Schluss 0:6
Hanspeter Schmidli will zwar noch den einen oder anderen guten Draht zur Swisscom nutzen. Doch der Rentner ist sich bewusst, dass die Begegnung Schmidli–Swisscom etwa so eindeutig ausgehen wird wie «Sportclub Telegraf»-«Post 22/ Ruag»: Es stand 0:6. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.09.2009, 09:45 Uhr
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