Schelte für Tschäppät
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Ein schönes Wahlkampf-Schmankerl wars, als Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) 2008 zum zweiten Mal eine Gratiseisbahn auf dem Bundesplatz ankündete – und versprach, dass dafür keine Steuergelder verwendet würden. Anderthalb Jahre und eine Wiederwahl später stellte sich heraus, dass die Eisbahn ein Finanzloch von 100'000 Franken hinterliess. Deswegen musste der Stadtrat gestern über einen Nachkredit befinden.
Fataler Rechnungsfehler
Die Art und Weise, wie dieses Finanzloch zustande gekommen ist, sorgte bei einem grossen Teil des Parlaments für grossen Ärger: Einerseits kam es beim federführenden Wirtschaftsamt zu einem «Irrtum» bei der Berechnung der Betriebskosten, andererseits scheiterte die Verpflichtung eines Sponsors. Eine «Schlamperei» sei dies, befand Ruedi Friedli (SVP). Als «undemokratisch und dreist» bezeichnete Michael Köpfli (GLP) das Vorgehen. Stadtpräsident Tschäppät habe einmal mehr eine «grosse Klappe» gezeigt, mit «seiner» Eisbahn geprahlt, aber die Finanzierung nicht im Griff gehabt, schimpfte Dolores Dana (FDP). Claudia Meier (BDP/CVP) ortete gar absolutistische Tendenzen: «Der Stadtpräsident kann offenbar schalten und walten, wie er will.» Warum dies so ist, wusste Daniel Klauser (GFL/EVP): «Er kann sich sicher sein, dass die SP dies ja sowieso durchwinkt.»
Tatsächlich votierte Annette Lehmann (SP) für den Nachkredit – mit dem Argument, dass eine Ablehnung bloss symbolische Bedeutung hätte: «Das Geld ist ja bereits ausgegeben.» Ehrlicherweise vergass sie nicht, zu erwähnen, dass auch die SP in anderen Fällen solche symbolische Nein-Voten abgegeben hatte. Zu den Vorwürfen an ihren Parteikollegen Tschäppät äusserte sie sich nicht.
Stadtpräsident abwesend
Der Vielgescholtene glänzte übrigens gestern durch Abwesenheit. An seiner Stelle musste Gemeinderat Reto Nause (CVP) den Kopf hinhalten. Das Wirtschaftsamt wurde nämlich in der Zwischenzeit von Tschäppäts Präsidialdirektion in Nauses Portefeuille verschoben. Letzterer zeigte denn auch Verständnis für «Ärger, Wut und Zorn» des Parlaments. Für Nause weist das Malheur «erschreckende Dimensionen» auf. Er wies aber auch darauf hin, dass die Eisbahn von 40000 Menschen besucht wurde: «Es ist also nicht die Eisbahn des Stadtpräsidenten.» Trotzdem folgte eine Mehrheit des Rats dem Antrag der GLP und lehnte den Nachkredit ab. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.05.2010, 08:16 Uhr
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