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Sagt Köniz Ja zum Muslimgrab?

Moslems wünschen sich mehr eigene Grabfelder. Am besten zentrale, gemeindeübergreifende. Doch die sind für Behörden tabu. Zurzeit diskutiert der Könizer Gemeinderat über die Einrichtung eines Muslimgrabs in Wabern.

Die Grabreihen für muslimische Bestattungen im Bremgartenfriedhof sind denen vorbehalten, die in Bern oder Ostermundigen gestorben sind.

Beat Mathys

Begrüsst Initiative in Köniz: Farhad Afshar.

Begrüsst Initiative in Köniz: Farhad Afshar. (Bild: Nadia Schweizer)

Abgetrennt wegen der «reinen Erde»

Während sich die meisten Christen kremieren lassen, ist Muslimen nur die Erdbestattung erlaubt. Nach streng ausgelegtem islamischem Ritus müsste diese ohne Sarg, in Tüchern sein. Doch in Anpassung an hiesige Hygienevorschriften werden die Toten in Bern und Thun in Holzsärgen bestattet. Metallsärge sind für gläubige Moslems tabu, denn das Material kann nicht verwittern. Das Gebot lautet: «Alles muss vergehen.»

Im Berner Bremgartenfriedhof gehört das Moslemgrab zur Gattung Sargreihengrab. Auf dem Grabfeld wurde vorher und wird auch künftig keine Asche beigesetzt. Die Moslemgräber sind meist etwa zwanzig Zentimeter hohe Erdhügel. Sie liegen rechtwinklig zur Blickrichtung nach Mekka. Der Kopf der Verstorbenen wird, auf die rechte Seite geneigt, nach Mekka ausgerichtet. Den Angehörigen steht es offen, die Gräber mit den Namen zu kennzeichnen.

Vorgeschrieben ist das «Prinzip der reinen Erde»: Muslimgräber müssen auf eigenen Friedhöfen oder auf räumlich abgetrennten Gräberfeldern liegen. Die Wiederbenutzung des Grabes ist im Islam erlaubt. Weil es in den wenigsten Gemeinden Muslimgräber gibt, werden viele verstorbene in ihre Herkunftsländer überführt (siehe oben). Es gibt eigens auf diese Überführungen spezialisierte Bestattungsunternehmen. Es existieren aber auch karitative Vereine, die den Angehörigen helfen. So der «Islamische Fonds zur Unterstützung bei der Leichnamsüberführung» (FUL) in Regensdorf ZH.

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Ali H. lebte seit 30 Jahren in Zollikofen. Als er Ende letzten Jahres starb, hätten ihn seine Angehörigen gerne in seiner Wohngemeinde begraben. Das war nach muslimischem Ritus aber nicht möglich. Denn in Zollikofen gibt es kein Grabfeld für Muslime. Gerne hätte ihn die Familie stattdessen in Bern bestattet. Doch nur wer in Bern stirbt oder wohnte, kann dort auch begraben werden.

Also haben die Angehörigen den Verstorbenen in einem Sarg in sein Herkunftsland Türkei überführt und dort nach vorgeschriebenem Ritus beigesetzt. Sie müssen nun weit reisen, um sein Grab zu besuchen. Die Überführung kann für die Angehörigen nicht nur emotional und vom Papierkrieg her belastend sein, sondern auch finanziell. Denn sie kostet in der Regel mehrere tausend Franken.

Schweizer ins Ausland

Ein noch grösseres Problem sieht der iranische Soziologieprofessor Farhad Afshar bei den zum Islam konvertierten Schweizern. Er kenne Fälle, bei denen die Hinterbliebenen ausländische Botschaften angefragt haben und den Toten schliesslich in einem fremden Land begruben. Afshar wohnt in Hinterkappelen und ist Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios).

Die Situation der Familie H. kennen viele der 28000 Muslime im Kanton Bern. Denn es gibt erst zwei Friedhöfe mit Muslim-Grabfeldern: Der Berner Bremgarten- und der Thuner Schorenfriedhof. Diese gehören zu den wenigen Angeboten in der Schweiz: Der erste islamische Friedhof des Landes wurde 1978 in der Nähe von Genf eingerichtet, 2000 kamen Basel und Bern dazu, 2002 Lugano und St.Gallen, 2004 Zürich, 2006 Luzern, 2007 Liestal und 2009 Thun. Weitere Felder dürften laut Afshar in Planung und Ausführung sein.

Aktuell ist die Diskussion in Köniz. Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne) will im Friedhof Nesslerenholz in Wabern ein Feld für Muslimgräber einrichten. Es wäre erst das dritte im Kanton. Der Entscheid liegt in der Kompetenz des Gesamtgemeinderats, der in zwei Wochen darüber entscheiden will.

Bei einer informellen Umfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet unter Könizer Parteivorständen ist kein grundsätzlicher Protest auszumachen. Bürgerliche betonen aber: Die Grabruhe darf nicht länger sein, und das Grabfeld darf nicht viel kosten. Rita Haudenschild will vor der Gemeinderatsdebatte noch keine Details bekannt geben, sagt aber: «Für muslimische Gräber werden in Köniz dieselben Rechte gelten wie für die anderen.» So würden in Wabern die Grabsteine nach 20 Jahren entfernt und das Grab ohne Ausgrabung wiederverwendet. Die Kosten schätzt sie auf «wenige tausend Franken».

Ausnahme für Mundiger

Parallel dazu finden gemäss Rita Haudenschild «Gespräche zwischen Bern und Köniz» statt. Verhandelt werde, ob nicht auch Könizer Muslime im Bremgartenfriedhof ihre letzte Ruhe finden dürfen. Als bisher einzige Gemeinde hat Ostermundigen einen solchen Vertrag mit Bern abschliessen können. Dieser gilt aber für alle Einwohnerinnen und Einwohner, denn Ostermundigen hat keinen eigenen Friedhof. Muslime aus Mundigen können sich zu den gleichen Bedingungen wie Verstorbene der Stadt auf dem Grabfeld im Bremgartenfriedhof beerdigen lassen. Der Preis ist derselbe wie bei einer christlichen Erdbestattung, nämlich 520 Franken.

Keine ewige Ruhe

«Es gibt enorme Härtefälle», sagt Afshar. Das Bedürfnis nach eigenen Grabfeldern sei gross. Viele Angehörige hätten ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Toten nicht vorschriftsgemäss begraben könnten.

In den meisten der 388 Gemeinden im Kanton leben Muslime. Politisch und vom Aufwand her ist es kaum realistisch, dass jede dieser Gemeinden spezielle Gräber einrichtet. Daher wäre für Farhad Afshar ein Verbund eine gute Lösung: «Ein zentrales Grabfeld pro Region würde reichen.» Die Gemeindeautonomie verbietet dies aber.

Angst vor Platzproblem

Politische Vorstösse für dieses Anliegen gibt es derzeit keine. Denn die Schwierigkeit bei der Öffnung der Gemeindegrenzen für Muslime ist auch logistischer Natur: Der Bestattungstourismus kann zu einem Platzproblem führen. Und dieses wiederum zu heiklen Situationen, wie das Beispiel von Liestal BL zeigt. Dort wollte der Stadtrat auf dem bestehenden Friedhof Platz schaffen für ein muslimisches Grabfeld. Weil die Erde nicht vermischt werden darf, wollte er die christlichen Gebeine entfernen. Dazu kam es dann aber nicht. Nach heftigen Protesten fand sich doch noch eine freie Rasenfläche für 150 gegen Mekka ausgerichtete Gräber. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.02.2010, 10:06 Uhr

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4 Kommentare

merry Odzini

18.02.2010, 19:59 Uhr
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übrigens kann ich mir nicht vorstellen das es hier wirklich um platz probleme handelt!..ich denke wen wir uns um die Plätze kümmer müssten , dan würden wir sicherlich nicht soviel Häuser bauen die schlussendlich sowieso nur leer stehen..:)das nenne ich geld verschwendung! Antworten


Merry odzini

18.02.2010, 19:56 Uhr
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Auch ich finde es richtig das man trennt und jeder die selben rechte hat..Die Juden Ihr Recht die CHristen Ihr Recht die Muslime Ihr Recht...1..weil sicherlich unter den Muslimen auch schweizer konfentierte hat, die somit das recht auf ein Grab in der Schweiz haben..2 weil ich finde die Religionen müssen getrennt weren und das wichtigste die Schweiz ist tollerant!!:))the best! Antworten


Martin Meier

18.02.2010, 11:18 Uhr
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Wir haben einen Friedhof,mehr brauchen auch die Andern nicht. Bis zuletzt haben wir nur noch Friedhöfe in der Schweiz,wenn jeder Glaube einen andern will. Aber da werden die Grünen schon wieder reverieren. Köniz ist bekannt daführ. Antworten


Alfred Erismann

18.02.2010, 09:30 Uhr
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Es gibt doch auch jüdische Friedhöfe. Warum sollte man dann das gleiche Recht den Muslimen vorenthalten? Antworten



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