Rücktritt von Lumengo? «Vorerst nicht»

Von Christian Zeier. Aktualisiert am 15.03.2010 13 Kommentare

Bei den 7. Kulturtagen im Zentrum Rössli in Kehrsatz organisierte der christliche Verein Quelle am Sonntag ein Podiumsgespräch zum Thema «Schicksal – und dann?». Prominentester Gast war Nationalrat Ricardo Lumengo.

SP-Nationalrat Ricardo Lumengo am Podiumsgespräch im Zentrum Rössli in Kehrsatz.

Walter Pfäffli

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Ob Schicksal oder nicht: Ricardo Lumengo hatte der Gesprächsrunde im Vorfeld eine ungewollte Aktualität verpasst. Der Bieler Nationalrat steht unter dem Verdacht der Wahlfälschung – er soll bei den Grossratswahlen 2006 im Kanton Bern 44 Stimmzettel eigenhändig ausgefüllt haben. Auch wenn für Lumengo nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt, manch einer würde die Anschuldigungen als herben Schicksalsschlag empfinden.

Wenig verwunderlich also, dass Gesprächsleiter Ruedi Josuran ihn gleich als Ersten zu Wort kommen liess: «Wie geht man mit solchen Anschuldigungen um?» Lumengo: «Ich vertraue auf das Rechtssystem der Schweiz.» – «Werden Sie jetzt zurücktreten?» – «Vorerst nicht, nein.» Es waren die Fragen, die Lumengo in den letzten Tagen bereits unzählige Male beantwortet hatte.

Für ihn sei die Anklage auch kein echter Schicksalsschlag. Sie sei «begründet», man könne sie verstehen und dagegen argumentieren. Vielmehr beschäftige es ihn, wenn er auf Grund seiner schwarzen Hautfarbe, oder – wie bei seiner Flucht 1982 aus seinem Geburtsland Angola – wegen seiner politischen Haltung angefeindet werde. Um mit solchen Ereignissen umgehen zu können, brauche es ein starkes Selbstvertrauen und idealerweise Hilfe von aussen. «Das können Freunde sein, aber auch eine höhere Macht, an die man glauben kann», sagte Lumengo, der sich selbst als gläubig bezeichnet.

Begegnung mit Gott

Um diese höhere Macht geht es auch im religiösen Bestseller «Die Hütte» von William Paul Young, welcher den roten Faden für das Podiumsgespräch lieferte. Nachdem die jüngste Tochter des Protagonisten auf mysteriöse Art und Weise verschwindet, versinkt dieser in einer «grossen Traurigkeit». Selbstvorwürfe und Zweifel an Gott drohen das Leben des gläubigen Mannes zu zerstören. Vier Jahre später erhält der Protagonist eine Einladung in eine Hütte im Wald – von Gott höchstpersönlich. Und tatsächlich: Gott begegnet ihm als schwarze dicke Frau, als Jesus im Körper eines jungen Mannes und als Asiatin, die den heiligen Geist darstellt. Das Treffen verändert sein Leben und wirft für den Leser viele Fragen auf. Darunter auch die ewige Kritik an Gott: «Warum lässt er das alles zu, wenn er die Menschen doch liebt?»

Zurück im Leben

Kurt Kammermann, gelernter Automechaniker und aktueller Pastor des Vereins Quelle, hat seine Antwort gefunden: «Durch die Finsternis wird das Licht erst wieder sichtbar», sagte er und sprach damit auch sein eigenes Schicksal an: Ein Burn-out machte ihn zeitweise arbeitsunfähig, schmälerte seinen Glauben und stürzte ihn in eine tiefe Krise. Mit Hilfe seiner Frau und von Freunden hat er die eigene «grosse Traurigkeit» besiegt und zurück ins Leben gefunden.

Die Wichtigkeit des Beziehungsnetzes nach einem Schicksalsschlag war denn auch der grosse gemeinsame Nenner in den Schilderungen der vier Gesprächsteilnehmer. Auch Ruth Schranz, Lehrerin und Familienfrau, musste diese Erfahrung machen: Als ihr Mann an ihrem Geburtstag starb, fiel sie in ein tiefes Loch. Erst als ihre Freunde sie zwangen, sich professionelle Hilfe zu holen, ging es langsam wieder aufwärts. «Mir wurde klar, dass ich nicht Richterin über das Leben sein kann.» Der Gedanke, dass eine höhere Macht die Verantwortung trage, machte es ihr möglich, das Geschehene zu akzeptieren.

Nicht durch Gott, sondern durch ihre eigene Kraft und die alltägliche Struktur, welche ihr ihre Kinder geben konnten, kam die psychologische Beraterin Beatrice Strub über die Trennung von ihrem Ehemann hinweg. «Entscheidend ist, dass man Kraftquellen findet, welche einen über Schicksalsschläge hinweghelfen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.03.2010, 14:57 Uhr

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13 Kommentare

Martin meier

15.03.2010, 08:37 Uhr
Melden

Sofort zurücktreten. Da gibt es gar keine Entschuldigung .Und wieder einmal drücken die Trähnendrüsen.Er ist ja auch im eigenen Land mit der Regierung im Klinsch gewesen. Kein Pardon wir sind nicht in Angola. Wehe wenns ein SVP ler währe ............ Antworten


Marion Müller

15.03.2010, 10:36 Uhr
Melden

@Martin Meier: ich kann mir gut vorstellen, dass Sie in Angola mit der Regierung auch nicht so ganz einverstanden gewesen wären, deshalb ist Ihre Aussage ein ziemlicher whiteout. Ob Herr Lumengo die Wahlzettel tatsächlich ausgefüllt hat, weiss er selber am besten und die Sache auszusitzen wäre nicht klug, warten wir also mal ab, was die Richter meinen. Danach kann 2011 das Stimmvolk weiterbefinden Antworten



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