Rolex-Millionen für Skywork

Die Berner Fluggesellschaft Skywork wächst rapid. Bis Ende Jahr schafft sie drei neue Flugzeuge an. Das Wachstum ist nur möglich, weil Daniel Borer Millionen in die Skywork investiert. Borer stammt aus der Rolex-Gründerfamilie und gehört zu den reichsten Bernern. Er meidet die Öffentlichkeit – bis heute.

Als Verwaltungsratspräsident und als Investor  macht Daniel Borer das enorme Wachstum der Berner Skywork Airlines erst möglich.

Als Verwaltungsratspräsident und als Investor macht Daniel Borer das enorme Wachstum der Berner Skywork Airlines erst möglich. Bild: Susanne Keller

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Das nennt man eine Einkaufstour. Die Berner Fluggesellschaft Skywork kauft in diesem Jahr gleich drei neue Flugzeuge: Im Februar eine Fairchild Dornier 328, im April und im September je eine Bombardier Dash-8Q400. Damit wird Skywork ihre heutige Flotte mehr als verdoppeln. Das Wachstum in Siebenmeilenstiefeln ist nur möglich, weil Skywork im letzten Jahr mit Daniel Borer einen neuen Investor gefunden hat. Daniel Borer sucht das Rampenlicht nicht. Der gross gewachsene Mann ist Hausarzt und lebt in Mörigen am Bielersee. Er gibt Medien kaum Interviews und hält sich bescheiden im Hintergrund. Er wolle durch Leistung bestechen und nicht als Spross der Rolex-Gründerfamilie, sagt er.

Borer hielt sich auch vergangene Woche im Hintergrund, als er erstmals die neuen Büroräume von Skywork in Belp besuchte. Der Umzug vom Flughafengelände ins ehemalige Nokia-Gebäude an der Flughafenzufahrt wurde nötig, weil Skywork den Personalbestand kontinuierlich ausbaut. Daniel Borer hält den Besuchern jeweils die Türe auf und tritt als Letzter in den Raum. Wenn er spricht, so tut er das überlegt und leise.

Potenzial vorhanden

Dabei hat Daniel Borer viel zu erzählen. Zum Beispiel, dass er durch Zufall neuer Verwaltungsratspräsident der Skywork Airlines wurde. Weil er an mehreren Firmen im Ausland beteiligt ist, fliegt Borer regelmässig ab Bern-Belp an seine Treffen mit Geschäftspartnern. Als Stammkunde von Skywork kam er eines Tages auch mit Alex Gribi, dem Gründer der Airline, ins Gespräch. Beim Plaudern über dies und das soll Gribi ihm auch seine Zukunftspläne für die Regionalfluggesellschaft skizziert und ihm den Finanzbedarf dargelegt haben. Bis Borer im vergangenen Jahr definitiv als Investor bei Skywork einstieg, gab es jedoch viel abzuklären. «Die Firmenstrukturen und das Potenzial mussten erst analysiert werden», sagt Borer.

Heute ist Verwaltungsratspräsident Borer überzeugt: In Bern-Belp ist Wachstumspotenzial vorhanden. Skywork dränge als Low-Cost-Airline mit Linien- und Charterflügen in eine Nische. Trotz günstigen Flugtickets will er seinen Gästen an Bord einen Topservice bieten. «Fliegen kann jeder, doch einen tollen Service bieten nicht.» Zudem sei der Mehraufwand gering, um den Passagieren an Bord ein auf die Destination abgestimmtes Häppchen zu servieren; anstelle der gewohnt trockenen Sandwiches.

Mit gefülltem Bauch fliegt es sich also besser. Der Bauch spielt bei Borer auch eine zentrale Rolle, wenn es um neue Geschäftsbeziehungen geht. «Ich höre viel auf mein Bauchgefühl», sagt Borer. Die Chemie mit dem zukünftigen Geschäftspartner müsse einfach stimmen. Harmoniert hat es auch, als Borer Bobby Dekeyser im Tessin über den Weg lief. Dekeyser war Profifussballer beim 1.FC Nürnberg, bei den Bayern und 1860 München, bis ein schwerer Unfall seiner Sportkarriere ein Ende machte. Darauf-hin gründete er die Firma Dedon, die anfänglich in einer Werkstatt im Hinterhof Skier produzierte sowie Tennisschläger und Bastgiraffen vertrieb. Der weltweite Durchbruch gelang Dedon schliesslich mit Outdoormöbeln. Das Ratandesign verschönert heute Hotels rund um den Globus.

Businessplan auf Serviette

Der Spross aus der Uhrenfamilie und der Möbelhersteller trafen sich morgens um 6 Uhr im 5-Sterne-Hotel Giardino in Ascona. Beide waren in Bademantel und Schlarpen unterwegs. Borer und Dekeyser kamen ins Gespräch und beschlossen, zusammen ein paar Schritte zu gehen. Erst als sie – immer noch im Bademantel – das Dorf erreichten, drehten sie um. Dekeyser bot Borer damals 20 Prozent von Dedon an. Das entsprach der Summe, die der Möbelhersteller den Banken schuldete. Den Businessplan schrieben die beiden Geschäftsmänner schliesslich auf eine Serviette des Giardino. Wie sich heute zeigt, hatte Borer mit seiner Beteiligung bei Dedon einen guten Riecher: Die Firma expandiert zurzeit in den amerikanischen Markt. «Die Bestellungen entwickeln sich über unseren Erwartungen», sagt Borer.

Durch seine Beteiligung an Dedon wird der Seeländer auch zum Insulaner. Die Firma hat die Philippinen-Insel Siargao gekauft und plant noch in diesem Jahr dort ein Resort zu eröffnen. Die Hotelanlage wird eine «Barfussinsel» jedoch mit hohem, einem 5-Stern-Hotel vergleichbaren Standard.

Wer den Luxus in einem von Borers Hotels geniessen will, muss nicht zwingend auf eine Insel im Pazifik fliegen. Mittlerweile ist der Rolex-Erbe auch Hauptaktionär des Giardino in Ascona sowie eines Boutiquehotels in Minusio. Borer plant, in Kürze auch im Nobelskiort St.Moritz ein Hotel zu kaufen. Weil das Geschäft noch nicht spruchreif ist, hält er sich diesbezüglich bedeckt. Bereits im nächsten Winter soll das Hotel im Immobilienportefeuille von Borer sein. Egal, ob sich Daniel Borer bei Skywork, der Giardino-Gruppe oder an Dedon beteiligt – im Hintergrund lässt er die Deals von Experten beurteilen. «Ich verfüge über keinen Hochschulabschluss im Wirtschaftsbereich», sagt er. Jedoch habe er bei seinem Vater eine 45-jährige Businessschule absolviert. Vater Harry habe die Kinder bereits früh mit in die Uhrenfabrik genommen. «Er hat uns als Unternehmer und Patron Werte vermittelt, die an keiner Hochschule gepredigt werden.» Als Mäzen bezeichnet sich Borer nicht: Seine Investitionen müssen rentieren. Er strebe ein langfristiges Engagement mit einer Rendite von jährlich 5 bis 7 Prozent an. «Sehe ich jedoch, dass längerfristig neue Arbeitsplätze geschaffen werden, kann die Rendite auch mal tiefer ausfallen.»

Der Hausarzt im Dorf

In Daniel Borers Berufsleben dreht sich nicht immer alles um Geschäftsabschlüsse und Vertragsverhandlungen. Als Hausarzt arbeitet er 50 Prozent in einer Gemeinschaftspraxis mit. «An einem Tag entscheide ich über Millionen, am anderen spreche ich über Grippe», sagt er. Seinen Rollenwechsel vom Investor zum Hausarzt bezeichnet er deshalb salopp als «Tschoope-Wächsel». Seine Arbeit als Hausarzt mache ihm viel Spass und sorge dafür, dass er die Bodenhaftung nicht verliere.

Ist Daniel Borer nicht als Investor unterwegs oder verarztet Kranke, gehört die Zeit seiner Patchworkfamilie. Er hat letzten Dezember zum zweiten Mal geheiratet. Seine zweite Frau brachte vor 15 Monaten eine gemeinsame Tochter zur Welt. Sie ist die Jüngste in der Familie. Der älteste der beiden Söhne aus Borers erster Ehe ist bereits 17. Für eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger ist also gesorgt, und die Familiengeschichte der Borers wird um das eine oder andere Kapitel erweitert. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 27.01.2011, 20:37 Uhr)

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Die Familie Borer

Die Borers gehören zu einer der reichsten Familien in der Schweizer Uhrenindustrie und kommen aus dem Seeland. Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt die Beteiligungen der Familie auf 1,5 bis 2 Milliarden Franken. Neben Daniel Borer (45) gehört auch seiner Schwester Franziska Borer Winzenried (48) ein Stück des Kuchens.

Vater Harry Borer (83) zählt zu den herausragenden Industriepionieren des Landes. Als Patron der Manufacture des Montres Rolex in Biel brachte er die Firma in die Spitzengruppe der Haute Horlogerie. Vor gut fünf Jahren verkaufte die Familie ihre Uhrenfabrik an Geschäftspartner Rolex in Genf.

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