Psychiatriestation Waldau reagiert auf Kritik eines Patienten
Von Brigitte Walser. Aktualisiert am 30.01.2012 1 Kommentar
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Seit drei Monaten ist die geschlossene Station inzwischen in Betrieb. Behandelt werden hier inhaftierte psychisch kranke Personen, welche nicht fähig sind, die Haft im Gefängnis zu ertragen, sowie überdurchschnittlich gewaltbereite Menschen mit fürsorgerischem Freiheitsentzug. Die Station hat die Startphase nicht ohne Probleme hinter sich gebracht. Es gebe zu wenig Personal, kritisierte ein Patient in einem Brief an die Presse. Dadurch fehlten Therapie- und Beschäftigungsmöglichkeiten, und die Sicherheit leide.
Die neue forensisch-psychiatrische Station der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) mit 14 Plätzen ist bereits voll belegt. Mit den Abläufen hapere es aber, hielt der Patient fest und nannte Beispiele. Externe Besucher seien durch die Station geführt worden, ohne dass die Patienten sich rechtzeitig zurückziehen konnten. Im hausinternen Kiosk hätten wichtige Hygieneartikel im Angebot gefehlt. Da die Patientinnen und Patienten die geschlossene Station nicht verlassen dürfen, sind sie auf das Kioskangebot angewiesen. Schliesslich berichtete der Patient von baulichen Mängeln. Beim Neubau habe es hereingeregnet, und die Lüftung funktioniere nicht richtig. Für die neue Station wurde ein Teil eines bestehenden Gebäudes auf dem Waldau-Areal umgebaut und zusätzlich ein Neubau erstellt. Die Kosten betrugen 12 Millionen Franken.
Massnahmen ergriffen
Regula Mader, Vorsitzende der UPD-Geschäftsleitung, hält fest: «Der Betrieb ist gut angelaufen.» Die Kritik des Patienten sei aber teilweise berechtigt gewesen, da nicht von Anfang an alles perfekt funktioniert habe. Wegen eines Unfalls einer Mitarbeiterin sei das Therapieangebot am Anfang nicht vollständig gewesen und das Atelier geschlossen. Im Pflegebereich seien derzeit zwei Stellen unbesetzt, und eine Person habe in der Probezeit gekündigt. Regula Mader bestätigt auch die Beispiele, welche von Patientenseite kritisiert wurden. Die Abläufe seien noch nicht alle eingespielt. So halte das Stationshandbuch zwar fest, dass die Patienten informiert werden, wenn externe Personen die Station besichtigen. In einem Fall sei dies aber vergessen worden. Der Kiosk habe inzwischen ein grösseres Angebot. Die Baumängel befänden sich im üblichen Rahmen von Neubauten, und die Gewährleistungsfrist zur Verbesserung laufe noch. «Mit der Einstellung der Lüftung gab es anfängliche Probleme, welche zurzeit behoben werden», so Mader.
Brief hat einiges bewirkt
Die forensisch-psychiatrische Station unterscheide sich von den anderen Stationen, sagt Mader. «Insbesondere ist neu, dass die Station geschlossen ist und hier zusätzlich Sicherheitsmitarbeitende tätig sind.» So hat die Geschäftsleitung auch den Umgang mit der Briefpost neu definiert. Weil seine Kritik und die von Mitpatienten nicht gehört worden sei, schickte der Patient seine Mängelliste der Presse. Doch bevor das Schreiben bei der Redaktion ankam, hatte es einiges ins Rollen gebracht. Dazu Geschäftsleiterin Mader: «Wir hatten die Regel, dass die Patientinnen und Patienten ihre Briefe in einem unverschlossenen Umschlag dem Personal abgeben, damit sie kontrolliert werden können, bevor sie abgeschickt werden.» Offenbar wurde der Brief an die Presse genau kontrolliert und studiert. Regula Mader teilt mit: «Wir haben gestützt auf das Schreiben des Patienten die Abläufe nochmals überprüft und definitiv bereinigt. Vieles haben wir aufgenommen und optimiert.» Es gehe vor allem um Detailfragen, die erst im laufenden Betrieb geklärt werden könnten.
Der Patient bestätigt, dass sich daraufhin einiges getan habe und Massnahmen ergriffen wurden. Der Personalmangel habe aber immer noch bestanden. Er wehre sich zudem dagegen, dass seine Post gelesen wurde. Der Umgang mit Briefpost wurde inzwischen geändert. Gemäss Mader gilt neu die Regel: Patientinnen und Patienten verschliessen den Briefumschlag, das Sicherheitspersonal scannt die Post. Falls darin Gegenstände erkannt werden, so wird der Brief im Beisein des Patienten geöffnet. (Berner Zeitung)
Erstellt: 30.01.2012, 06:48 Uhr
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