Pioniere bremsen den Klimawandel

«Bern bewegt» präsentierte am Sonntag auf dem Bundesplatz neue Elektromobile und Louis Palmers weltberühmtes Solartaxi.

Reto Nause im Schuss: Der CVP-Gemeinderat wird  am Aktionstag «Bern bewegt» von Louis Palmers Solartaxi durch Bern chauffiert.

Reto Nause im Schuss: Der CVP-Gemeinderat wird am Aktionstag «Bern bewegt» von Louis Palmers Solartaxi durch Bern chauffiert.
Bild: Walter Pfäffli

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Reto Nause steht vor der weltweit grössten Schweizer Fahne. Mit dieser Fahne reist eine 23-köpfige Schweizer Delegation Ende November an die Klimakonferenz nach Kopenhagen. Ihr Anliegen heisst CO2-Reduktion. Das gleiche Ziel verfolgt auch Reto Nause. Deshalb beteiligt er sich am Aktionstag «Bern bewegt» des Amtes für Umweltschutz und testet beim Waisenhausplatz ein neues Flyer-Elektrovelo. Nause führt interessierten Besuchern die Vorteile des E-Bikes vor Augen: «Mit dem E-Bike kann ich auch bei 25 Grad im Schatten in Schale an eine Sitzung fahren, ohne ein verschwitztes Hemd zu riskieren», sagt er.

Im Jahr 2002 gab es in der Schweiz rund 1000 Elektrofahrräder. Im ersten Halbjahr 2009 wurden bereits 16000 E-Bikes verkauft. «Wir erleben einen wahren E-Bike-Boom», so der CVP-Gemeinderat. Seine Vision ist eine verstärkte Elektromobilität in der Stadt Bern.

«Der Gemeinderat hat 2006 eine Energiestrategie verabschiedet, welche in der Stadt Bern bis ins Jahr 2015 eine CO2-Reduktion von 10 Prozent vorsieht», sagt Nause. Auch für den Tourismus seien die E-Bikes ein attraktives Angebot geworden. «Nach jeder Biketour, die Bern Tourismus durchgeführt hat, haben wir wieder mehr Kunden, die weniger CO2 ausstossen», freut sich Nause.

Er selber habe noch kein Elektrofahrrad. «Ich bin gerade erst Vater geworden und investiere zurzeit eher in Windeln», sagt der Gemeinderat. Er werde sich aber bald ein E-Bike leisten, insbesondere weil die Preise immer mehr purzelten. So kostet heute ein niedrigtouriges E-Bike rund 2000 Franken.

Tiefe Reparaturkosten

Marc-André Beck von der Zürcher Firma Kamoo fährt mit einem Fiat Cinquecento Probefahrten rund ums Bundeshaus. Man hört kaum ein Geräusch, als der Motor des schicken Elektromobils startet. «Ich brauche keine Kupplung zu drücken, fahre nur mit einem Gang und komme trotzdem mit hoher Beschleunigung auf 120 Stundenkilometer», erklärt er. Die Firma Kamoo hat einen Peugeot Twingo sowie zwei Fiat-Modelle in ihrem Sortiment. «Wir bekommen nur das Chassis der Autos geliefert, alle anderen Teile, mit denen wir ein Elektromobil zusammenbauen, stammen von Schweizer Firmen», erklärt Beck und verweist auf die tiefen Reparaturkosten bei Elektroautos. «Ein Elektrowagen kostet zwar zurzeit noch rund 50000 Franken, aber abgesehen vom Ersetzen der Bremsbeschläge alle paar Jahre müssen unsere Autos kaum repariert werden.»

Zudem sei der Strom viel billiger als Benzin. Und: «Wir produzieren weder Lärm noch Abgase», so Marc-André Beck.

Vom Träumer zum Star

Inzwischen ist Gemeinderat Reto Nause ins weltberühmte Solartaxi von Louis Palmer gestiegen. Der Solarpionier träumte schon als 11-Jähriger von einem eigenen Solarauto. Hinter seinem schnittigen Gefährt fährt ein langer Anhänger mit einer Solarzellenplatte mit. Palmer umrundete als erster Mensch mit einem Solartaxi die Erde. Seine Fahrt durch 38 Länder dauerte 38 Monate. Er hatte so illustre Passagiere wie Bianca Jagger, Prinz Albert von Monaco, Prinz Hassan von Jordanien und Bertrand Piccard an Bord. Einmal fuhr er in New York UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon zur Arbeit, ein anderes Mal wich er mit Bundesrätin Michelin Calmy-Rey den Schlaglöchern auf indischen Strassen aus.

«Der Klimawandel findet zwar statt, aber es gibt genug nachhaltige Lösungen, um diesen zu bremsen. Die meisten Menschen ignorieren dies aber leider noch», sagt Palmer, der sein Solarauto selber entwarf und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich fertig bauen liess. Er ist inzwischen ein Star, der sich mit seinem cleveren Taxi den Lebensunterhalt verdient. Als Gastreferent zu den Themen Solartechnik und Klimawandel wird er mit Anfragen nur so überrannt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2009, 08:33 Uhr

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1 KOMMENTAR

Mario Imhof

14.09.2009, 09:06 Uhr

X-tausende Elektrofahrräder, Elektroautos und Keiner fragt sich woher denn der zusätzliche benötigte Strom kommen soll? Da ist der gute alte Atomstrom wieder akzeptiert oder etwa nicht liebe AKW Gegner. Eingekaufter Strom aus deutschen Kohlekraftwerken sind da auch keine Lösung und die Grimselstaumauer will mann ja auch nicht erhöhen. Und an die Klimakonferenz fliegt man dann doch mit dem Flugzeug



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