Passanten verprügelt und beraubt
Von Herbert Rentsch. Aktualisiert am 03.12.2011 3 Kommentare
Artikel zum Thema
Die Grosse Schanze im Frühsommer 2009: Auf dem Areal vor der Uni Bern geniessen viele Leute den Abend – Schweizer, Ausländer, Asylbewerber, Alkis, Drögeler. Die Stimmung ist unbeschwert, es wird getrunken, gekifft. «Die Schanze war unser zweites Zuhause», sagt ein junger Somalier, der jeden Abend dort war. Er erzählt es der Richterin und den Richtern des Regionalgerichts Bern-Mittelland. Der 21-Jährige muss sich mit zwei anderen – alle jung und dunkelhäutig – wegen Raubüberfällen verantworten. Einer war ein Jahr zuvor auch bei den sexuellen Handlungen mit einer Schülerin beteiligt.
Wie ein Krimischocker
«Es ging auch ums Geld, doch wir taten es eher aus Langeweile», sagt der Angeklagte. «Wenn jemand daherkam, sagte einer spontan: Chumm, dä näh mer.» So liefen Szenen ab, die sich in den Gerichtsakten wie das Drehbuch eines Krimischockers lesen: «Sie schlugen das Opfer ins Gesicht, worauf dieses zu Boden ging. Dort traktierten die Täter das Opfer mit Fusstritten und Faustschlägen und nahmen ihm Mobiltelefon und Portemonnaie ab.» Mal waren es drei, mal vier Täter, die Zusammensetzung wechselte. Es waren auch Männer dabei, die in einem anderen Verfahren stecken.
Im Gerichtssaal schoben sich die Angeklagten teils die Schuld zu. Sagten, sie hätten nur danebengestanden oder nur ein Handy an sich genommen. Jeder nahm seine aktive Rolle bei den Taten zurück. Und es schien, der Aktivste sei derjenige gewesen, der nach der Untersuchungshaft Ende 2010 abtauchte und deshalb nicht vor Gericht erschien. «Wenn ich höre, was alle behaupten, so hätte der Raub gar nicht stattgefunden», sagte Gerichtspräsident Urs Herren.
Die Raubüberfälle geschahen zwischen dem 12.April und dem 7.Juni 2009 – vor allem auf der Grossen Schanze oder in der Nähe. Einmal beraubten vier Somalier bei der Bushaltestelle Lorraine vier Männer, die vom Ausgang kamen. Anfang Dezember 2009 konnte die Polizei die vier Haupttäter festnehmen.
Wirtin verdaut Schläge nicht
Was ein Überfall auslösen kann, berichtete eine Frau als Privatklägerin. Die Wirtin eines Berner Restaurants wurde nach Beizenschluss von einem Somalier mit einer Gasdruckpistole bedroht. Sie schrie, wurde vom Mann ins Gesicht geschlagen, fiel zu Boden und erhielt nochmals Schläge. Seither sei sie nicht mehr belastbar, werde schnell müde und getraue sich nachts nicht allein nach Hause, sagte die Frau, die in psychiatrischer Behandlung ist. «Im Restaurant habe ich Menschen vieler Kulturen, darunter auch schwierige Gäste. Aber der Überfall hat meine Lebensphilosophie zerstört», sagte sie.
Der Mann, der sie überfiel, entschuldigte sich gestern bei ihr. «Ich bereue es von ganzem Herzen.» Er sei nun ein anderer Mensch, so der Angeklagte, der auf dem Thorberg sitzt. Nach dem Urteil, das am Freitag fällig ist, droht den Somaliern die Ausschaffung. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.12.2011, 12:04 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten





