Organspende als Kunstthema
Das grösste Organ des Menschen ist seine Haut. Sie kann bis zu zwei Quadratmeter umfassen und macht einen Sechstel des Körpergewichtes aus. Kein Wunder also, wenn sich die beiden Künstlerinnen Prisca Wüst und Sarah Bühler in ihrer Arbeit «Haut Portrait», die im Treppenhaus des Warenhauses Loeb zu sehen ist, gerade mit diesem Organ auseinandersetzen: Die Gesichtshaut einer Frau ist in den fünf schwarzweissen Fotografien von eigenartigen, fast schon abstossenden Verformungen entstellt. Das Künstlerinnenduo macht damit eindrücklich sichtbar, welche Relevanz gerade der Gesichtshaut eines Menschen zugesprochen wird.
Es handelt sich dabei um eine von 15 Arbeiten, die aus einem Kunstwettbewerb der Stiftung Swisstransplant hervorgegangen sind. Der Wettbewerb und die Ausstellung sind Teil der Öffentlichkeitsarbeit zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung, die im Auftrag des Bundes für die Zuteilung der Organe verantwortlich zeichnet und sich um die Verbreitung und Förderung der Organspende bemüht.
Herzen und Artischocken
16 Kunststudentinnen und -studenten der Kunsthochschulen Luzern, Zürich und Basel befassten sich mit dem Thema «Organspende – von einem Leben zu einem anderen». Die Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen zeigen eine vielfältige Interpretation des vorgegebenen Themas. Natürlich sind immer wieder menschliche Organe sichtbar, Herzen vor allem. Ganz anschaulich etwa in einem Gemälde von Vera Leisibach oder als Assemblage mit Röntgenbild bei Martina Schnyder.
Ein ganz anderes Herz nimmt Sonja Rüegg in ihrer sehr metaphernreichen Arbeit «Anonym» auf. Hier liegt eine Artischocke auf einer Hand, beides in Wachs ausgearbeitet. Die Künstlerin verweist auf den Symbolgehalt der Artischocke in Literatur und Stilllebenmalerei. Daneben ist in zwei Ölgemälden von Isabelle Blumer auch die wohl erste Transplantation überhaupt dargestellt: als Gott Eva aus der Rippe Adams erschuf.
Leben und Veränderung
Bei weitem nicht alle Kunstschaffenden interessierten sich für eine derartig konkrete Darstellung von Organen. Die Vergänglichkeit oder der Übergang von einem Zustand in einen neuen werden ebenso thematisiert. Etwa von Anja Seiler mit ihrer Mezzotinto-Arbeit «o.T. (rebirth)»: Sie verbildlicht das neue Leben nach einer Transplantation als eine Art Auferstehung in ei-ner enigmatisch-flüchtigen Bildstrecke. Die Installation «frozen heart» von Marc Hartmann besteht aus einem Herzen aus Eis über einem Teppich aus Erde. Im Verlaufe der Ausstellung schmolz das Eis und gab Wasser an die Erde ab, wodurch dort Gras zu wachsen begann. Ein Sinnbild für Werden und Vergehen, für Leben und Tod und den steten Wandel im Leben.
Schliesslich zeigt Jan Michael Hostettler das Vanitas-Symbol schlechthin: einen menschlichen Schädel aus Wachs. Der Schädel ist auf einer Kochplatte montiert. Bei jedem Besucher wird die Platte über einen Bewegungssensor eingeschaltet, sodass der Schädel allmählich zerfliesst.
Alle Werke sind auch in einem Onlinekatalog einsehbar und können dort bewertet werden. Gleichzeitig besteht auf der Website die Möglichkeit, sich an der Auktion aller Werke zu beteiligen. Bis zum 10.November kann dort jeder sein Gebot abgeben, wobei der Höchstbietende bei der finalen Auktion während des Jubiläumsdiners vom 12.November teilnehmen kann.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 09.08.2010, 08:30 Uhr
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