Neue SP-Präsidentin Wasserfallen rüttelt an Tabus
Von Tobias Habegger. Aktualisiert am 19.03.2010
Lebensmittelpunkt Bern: Flavia Wasserfallen, frisch gewählte Co-Präsidentin der Stadtberner Sozialdemokraten. (Bild: Andreas Blatter)
«Das bringt mich näher zu Bern»
Wer, wie Flavia Wasserfallen, mit 23 Jahren den Sprung in den Grossen Rat schafft, darf von einer grossen Polit-karriere träumen. Doch bisher ist die mittlerweile 31-jährige Bernerin auf keiner National- oder Ständeratsliste aufgetaucht. Stattdessen liess sich Wasserfallen von den Berner SP-Delegierten einstimmig ins Co-Präsidium der Stadtpartei wählen – sie teilt das Amt mit Thomas Göttin. «Das Amt bringt mich als Grossrätin näher zu Bern», sagt sie. In dieser Stadt hat Flavia Wasserfallen ihren Lebensmittelpunkt eingerichtet, sie lebt im Nordquartier in einer Partnerschaft und mit einer kleinen Tochter. Flavia Wasserfallen ist Mitarbeiterin im Bundesamt für Energie. Sie hat Politik- und Wirtschaftswissenschaften studiert. tob
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Es ist eine schwierige Aufgabe, welche auf die frisch gewählte SP-Co-Präsidentin Flavia Wasserfallen wartet: Zwar stellt die SP/Juso-Fraktion mit 20 Sitzen im Stadtrat nach wie vor die grösste Gruppe. Doch die Wähleranteile der Genossen in der Stadt sind in den letzten acht Jahren von 34 auf 24 Prozent geschrumpft. «Wir müssen in Zukunft besser kommunizieren», sagt Flavia Wasserfallen. Nicht tausend Botschaften aussenden, sondern ein paar wenige – dafür klare. «Die Leute müssen wieder wissen, für was die SP steht.»
Flavia Wasserfallen bringt neue Ansichten in die Stadtpartei: Ihre Vorgängerin Béatrice Stucki hatte sich noch lautstark gegen die Videoüberwachung im öffentlichen Raum gewehrt. Flavia Wasserfallen dagegen hat im Grossrat für die Videoüberwachung gestimmt. «Bei strenger Handhabung lehne ich dies nicht grundsätzlich ab», sagt sie. Auch betreffend Erhöhung des Polizeikorps scheint Wasserfallen weniger ideologisch zu ticken als viele SPler alter Schule. «Die Arbeitsbedingungen für Polizisten sind zum Teil schlecht. Es war richtig, das Korps aufzustocken. Bevor aber weitere Forderungen kommen, müssen wir analysieren, wie sich die Umsetzung des jüngsten Volksentscheides auswirkt.»
Eine Partei in der Krise
Die SP-Krise trägt viele Attribute: verstaubt sei die Partei; miefig; konservativ oder zu gewerkschaftsnah. Die SP, so tönt es immer wieder, politisiere an den Bürgerinnen und Bürgern vorbei. «Ja, das wird uns vorgeworfen», sagt Flavia Wasserfallen. «Doch mir konnte bisher keiner sagen, was er damit meint.» Die Stadtberner SP habe mit Giovanna Battagliero eine dynamische Fraktionspräsidentin – und auch viele junge aktive Leute.
Neue Leute an die Macht?
Die SP hat aber auch ältere Gemeinderäte: Alexander Tschäppät dürfte der Partei – sofern er denn antritt – das Stadtpräsidium ein weiteres Mal sichern. Edith Olibet dagegen ist seit der Sozialhilfeaffäre für die Partei eine Hypothek. Es ist fraglich, ob sich mit ihr als Aushängeschild bei den Wahlen im Jahr 2012 die Talfahrt stoppen lässt. Die Personalpolitik sei in der Parteileitung ständig ein Thema, sagt Flavia Wasserfallen. «Falls es Rücktritte gibt, haben wir gute Leute in den Startlöchern.»
Weil Wasserfallen keine Namen nennt, wagt diese Zeitung die Prognose: Es sind die Nationalrätinnen Evi Allemann und Ursula Wyss sowie Ex-Regierungsstatthalterin Regula Mader. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.03.2010, 08:13 Uhr
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