Region
Nein zu Grabfeld für die Muslime
Von Lucia ProbstKatharina Merkle. Aktualisiert am 12.03.2010 4 Kommentare
Artikel zum Thema
- Muslimgräber für Auswärtige «kein Thema»
- Areal für Muslim-Gräber auf dem Schorenfriedhof
- Sagt Köniz Ja zum Muslimgrab?
Stichworte
Grab für Engelskinder und Waldfriedhof
Nicht nur über Muslimgräber hat der Könizer Gemeinderat diskutiert. Auch eine neue Grabstätte für Engelskinder und ein Waldfriedhof standen zur Debatte. Zu beiden Projekten hat der Gemeinderat Ja gesagt.
Auf dem Friedhof in Köniz soll noch dieses Jahr ein Gemeinschaftsgrab für Kinder bis 3 Jahre entstehen. Beerdigt werden können dort auch sogenannte Engelskinder. Das heisst, Totgeborene, die vor Ende der 22.Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen sind. Bewusst habe man bei Frühgeburten keine Limite mehr gesetzt, sagt dazu Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne). Wer will, kann für die Kinder auch eine Namenstafel anbringen. Eine Skulptur soll die Grabstätte zieren. Die Kosten für den Bau liegen bei einigen tausend Franken.
Beim Friedhof Nesslerenholz in Wabern möchte der Gemeinderat einen Waldfriedhof einrichten. Dafür soll ein Stück des angrenzenden Gemeindewaldes in den Friedhof integriert werden. «Das geht weiter als bei sonst oft üblichen Friedwäldern», sagt Haudenschild. Frei im Wald dürfe man laut eidgenössischem Waldgesetz Asche nur verstreuen, aber keine Urnen beisetzen. Auf dem Könizer Waldfriedhof aber sollte das mittels einer Sonderzone möglich sein. Über diese will der Gemeinderat nun mit dem Kanton verhandeln. Ist eine Umzonung der Waldparzelle nötig, soll das mit der Ortsplanungsrevision geschehen. Die Kosten und der genaue Zeitplan für das Projekt stehen noch nicht fest.
TeleBärn-Video
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Rund 1700 Musliminnen und Muslime sind in Köniz registriert. Sie werden auch künftig auf eine spezielle Grabstätte verzichten müssen. Der Könizer Gemeinderat will keine solche. Ein Nein, das vor allem wegen der rot-grünen Mehrheit des Rates erstaunt. Doch Gemeinderätin Rita Haudenschild (Grüne) verrät nicht, wer wie gestimmt hat: «Ich trage diesen Entscheid mit», sagt sie nur solidarisch.
Bestattung ist möglich
Haudenschild hat die Friedhöfe unter sich und hat die Idee des Muslimgrabfeldes auf dem Friedhof Nesslerenholz in Wabern vorgebracht (wir berichteten). Sie wusste, dass es Anfragen dafür gab. «Doch das sind nicht mehr als zwei bis drei pro Jahr», sagt sie jetzt. Der «geringe Bedarf» sei zentral gewesen für das Nein.
Das heisse nicht, dass Muslime in Köniz nicht beerdigt werden können, betont Haudenschild. «Unsere Haingräber erfüllen die Kriterien auch.» Muslime lassen sich nur erdbestatten, und ihre Gräber müssen nach Mekka ausgerichtet sein. Die auf einer Parzelle frei platzierbaren Haingräber auf dem Friedhof Köniz ermöglichen das.
«Zweiklassengesellschaft»
Doch: Haingräber sind weit teurer als ein Sargreihengrab. Rund 3500 Franken kostet in Köniz ein Haingrab. Das sind 1600 Franken mehr als ein Reihengrab. Verbilligen will die Gemeinde die Gräber für Muslime nicht. «Eine Überführung in die Heimat wäre noch weit teurer», rechtfertigt Haudenschild den Preis.
Solche schnell mal 20000 Franken teure Überführungen sind laut Farhad Afshar für viele Muslime aus der Region aber keineswegs frei gewählt. «Ihnen bleibt nichts anderes übrig, weil es in ihrer Gemeinde keine Muslimgräber gibt», sagt der Soziologieprofessor aus Hinterkappelen. Er ist Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (Kios).
Afshar ist enttäuscht vom Könizer Entscheid. Dass religiöse Muslime in Köniz auf ein teures Haingrab ausweichen müssen, bezeichnet er als «Zweiklassengesellschaft nach dem Tod». Seit der Annahme der Minarett-Initiative müssten Muslime Wünsche wie jenen nach einem eigenen Grabfeld wieder vermehrt rechtfertigen, auch in rot-grün dominierten Gemeinden: «Das Parteibüchlein schützt doch nicht vor Vorurteilen», so Afshar.
Da sich schon die grössten Gemeinden mit Muslimgräbern schwer tun, sei es am realistischsten, ein gemeindeübergreifendes Muslimgrab einzurichten. Doch auch dieses Anliegen wird in der Region Bern kaum durchsetzbar sein. Denn die Stadt Bern will ihr Muslimgrabfeld nicht für Auswärtige öffnen. Und selbst wenn die Regionalkonferenz etwas unternehmen würde, müsste sie einen Standort für das Grab finden, was ein schwieriges Unterfangen sein wird.
Mit Prozess zum Ziel
Der Hinterkappeler Afshar sieht auch für die Einrichtung eines privat finanzierten eigenen Muslimfriedhofs schwarz. Denn dafür müsste Land umgezont werden. Und die Umzonung müsste vors Volk. «Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie angenommen würde.»
In Sachen Muslimgräber hinke die Schweiz den Nachbarländern hinterher, sagt Afshar. Im Kanton Bern gibt es nur in Bern und Thun Grabfelder für Muslime, in der ganzen Schweiz sind es neun Felder. Damit es vorwärts gehe, bleibe wahrscheinlich nur die Möglichkeit eines Musterprozesses. Es geht um die Interpretation der Verfassung. Diese erachtet Religionsfreiheit und eine «schickliche» Bestattung als Grundrecht.
«Nicht gegen Muslime»
«Wir haben keinen Entscheid gegen die Muslime gefällt», betont Gemeinderätin Rita Haudenschild. Über muslimische Themen werde derzeit sehr emotional diskutiert. «Wir haben die Sache einfach nüchtern betrachtet und keinen genügenden Bedarf festgestellt», rechtfertigt sie den Könizer Entscheid. «Ich hätte Mühe damit, wenn uns dies jemand nun als fremdenfeindlich auslegt.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 12.03.2010, 09:57 Uhr
KOMMENTAR SCHREIBEN
4 KOMMENTARE
Die jüdische Gemeinde hat ihre Synagogen, ihre Friedhöfe, die Katholiken haben ihre Kirchen und ihre Friedhöfe, die Protestanten ebenfalls, Platz ist auch da, ich finde es nur konsequent, dass sich die Hinterbliebenen eines Verstorbenen nicht auch noch Gedanken machen müssen, wo der Verstorbene zu bestatten ist, so sollen die Muslime nun auch ihre Friedhöfe und auch ihre würdige Totenruhe haben.
Wenn die Friedhöfe den Muslims in der Schweiz nicht passen sollen sie zurückkehren in Ihr Land. Wenn da jeder Asylant oder Eingebürgerter Ausländer seinen Fried hof wollte, müsste man in der ganzen Schweiz Land zur verfügung stellen. Die sollen sich endlich einmal an unsere Gesetze halten.
Auch nach intensivem Nachdenken kommt mir kein vernuenftiger Grund in den Sinn, den Muslimen eigene Grabfelder zu verwehren. Integration werden wir von verstorbenen Muslimen kaum noch fordern wollen. Ob eigene Grabfelder nun zu einem "schicklichen Begraebnis" nach BV gehoeren oder nicht ... fuer die Muslime ist es wichtig, und uns kuemmert es nicht. Ein liberaler Geist sollte nichts dagegen haben.
Es steht jedem Menschen frei.dort zu wohnen wo er will.Kein Mensch wird gezwungen ,in der Schweiz zu leben.Wenn es in der Schweiz zu wenig Friedhöfe gibt,die den Moslems passen,dann steht es ihnen frei ,in ein Land zu ziehen ,die ihren Bedürfnissen entspricht.Warum müssen wir uns ihnen anpassen?In Deutschland gibt es Mietwohnungen ohne Einbauküche.Muss ich das akzeptieren?Ja das müsste ich.





