Mühleberg: Missverständnis führte zu Schnellabschaltung
Aktualisiert am 09.02.2012 31 Kommentare
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Die Messungen am Speisewassersystem wurden im Rahmen von wiederkehrenden Prüfungen durchgeführt. Dies sagte Antonio Sommavilla, Sprecher des Berner Energiekonzerns BKW, am Mittwoch auf Anfrage. Der Kommandoraum sei über die Messungen an einem Strang des Speisewassersystems im Bild gewesen. Die Mitarbeitenden hätten dann aber das Messgerät an einem anderen Strang angebracht als im Kommandoraum erwartet. Darauf habe der Reaktor kurz vor 14 Uhr bestimmungsgemäss mit einer Schnellabschaltung reagiert.
Der Zwischenfall sei also nicht etwa wegen eines Defekts aufgetreten, betonte Sommavilla. Der Reaktor befinde sich in einem sicheren Zustand, heisst es auch in der am Mittwoch veröffentlichten Medienmitteilung des Energiekonzerns BKW, der Betreiberin von «Mühleberg».
Ereignis auf «Stufe 0»
Bereits am Mittwochabend hat die Atomaufsichtsbehörde ENSI grünes Licht gegeben, um den Reaktor wieder hochzufahren. Laut BKW-Sprecher Sommavilla erfolgt die Wiederaufschaltung schrittweise am Abend und während der Nacht.
Das ENSI wird das Ereignis der Stufe 0 der Ereignisskala INES zuordnen, wie es mitteilte. Damit wird die Abschaltung als Ereignis «ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung» eingestuft. Die Ereignisskala reicht von null bis sieben.
Auch seien alle drei Speisewasserpumpen technisch in Ordnung. Das ENSI führt die Schnellabschaltung - wie die BKW - auf zusätzlich angebrachte Messgeräte zurück. Diese seien inzwischen entfernt worden.
Schnellabschaltungen nicht selten
Die Schnellabschaltung eines Atomkraftwerks ist in der Schweiz nicht ganz ungewöhnlich. Seit der Inbetriebnahme der AKWs 1969 gab es in den Reaktoren Mühleberg, Gösgen, Leibstadt und Beznau lediglich drei Jahre ohne ungeplante Schnellabschaltung. Auch in Mühleberg kam es in den letzten Jahren zu diversen Abschaltungen, so etwa 2007, 2008 und 2009.
Atomkraftgegner fordern seit Jahren die Abschaltung des AKW Mühleberg. Sie kritisieren, das AKW sei nicht sicher und verweisen insbesondere auf Risse im Kernmantel.
1996 installierte die BKW vier sogenannte Zuganker, um den Kernmantel zusätzlich zu stabilisieren. Der Energiekonzern betont, die Sicherheit der Anlage sei gewährleistet. Die Gegner kritisieren die Anker als «Flickwerk».
Nachweis zur Erdbebensicherheit
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im vergangenen März rückte auch die Erdbeben- und Hochwassersicherheit des AKW Mühleberg in den Fokus. Die BKW musste beim ENSI bis Ende Januar einen aufdatierten Nachweis zur Erdbebensicherheit des Staudamms vorlegen.
Ende 2009 erhielt das AKW vom Bund eine unbefristete Betriebsbewilligung. Dagegen erhoben die AKW-Gegner Beschwerde, derzeit ist das Verfahren noch beim Bundesverwaltungsgericht hängig.
Im vergangenen Dezember fand vor Gericht eine Anhörung beider Parteien statt. Während die AKW-Gegner auf zusätzliche Beweismassnahmen pochten, drängte die BKW auf einen raschen Entscheid. (tan/sda)
Erstellt: 08.02.2012, 19:10 Uhr
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31 Kommentare
In diesem Kraftwerk scheinen Leute an der Arbeit zu sein, die entweder nicht miteinander kommunizieren können oder keine Ahnung haben. Beides darf niemals vorkommen in einem KKW. Das ENSI muss sofort die Prozesse überprüfen und den Weiterbetrieb bis zu deren Freigabe sistieren. Aber das ENSI ignoriert sicher auch diesen Vorfall aus wirtschaftlichen Gründen zu Gunsten der BKW. Antworten
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