Bern

Mobilfunkantenne führte zu Kirchenaustritten

BernDie Einsprachen sind abgelehnt, die Swisscom wird im Dach der Friedenskirche im Berner Mattenhofquartier eine Antenne bauen. Der Entscheid führte zu Kirchenaustritten.

Bald eine Antenne im Dach: Die Berner Friedenskirche wird mit einer Mobilfunkantenne ausgestattet. Dies sorgte im Quartier für Kritik.

Bald eine Antenne im Dach: Die Berner Friedenskirche wird mit einer Mobilfunkantenne ausgestattet. Dies sorgte im Quartier für Kritik. Bild: Urs Baumann

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Die Swisscom wird unter dem Dach der Friedenskirche im Mattenhof eine Mobilfunkantenne installieren. Die Einsprachen der Anwohner gegen den geplanten Bau wurden abgelehnt. «Wir haben die Baubewilligung für den Standort erhalten. Diese ist nun rechtskräftig und drei Jahre gültig», sagt Annina Merk, Mediensprecherin der Swisscom. Wann genau die Antenne eingebaut werden soll, sei derzeit noch offen.

Die Antenne soll nicht im Kirchturm, sondern im Dach des Kirchenschiffs montiert werden. Geplant ist ein Netz, dass nach unten die Abstrahlung des Senders begrenzen soll.

«Leute waren Hardliner»

Die reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern erhält von der Swisscom eine Entschädigung. Über die Höhe gibt es von beiden Seiten keine Auskunft. Die Swisscom bezahle standortbezogene Mieten, konkrete Beträge nenne man nicht, sagt Sprecherin Annina Merk.

In der Kirchgemeinde, die der Swisscom ihren Segen für die Antenne gab, kam es wegen des geplanten Baus zu Kirchenaustritten. «Ich weiss von zwei Fällen, in denen die Antenne der Grund für den Austritt war», sagt Robert Ruprecht, Präsident des Kirchgemeinderats der Friedensgemeinde. Diese Leute seien «Hardliner» gewesen. Die Mitglieder der Kirchgemeinde hätten über das Thema sonst durchaus sachlich diskutiert. Die Auswirkungen, die der Entscheid in der Gemeinde brachte, seien darum vernachlässigbar, sagt er. Das habe ihn erstaunt. Er könne sich gut vorstellen, dass in Zukunft viele Leute beim Thema Antennen in Kirchen eher gelassen reagieren würden.

Noch eine Antenne geplant

Das wird die Gesamtkirchgemeinde Bern wohl bald erfahren. Sie plant nämlich eine weitere Kirche als Antennenstandort zu nutzen.

Bruno Stoll, beim Kirchmeieramt zuständig für Bau und Liegenschaften, bestätigt auf Anfrage, dass die Gesamtkirchgemeinde Bern zurzeit mit einem Mobilfunkanbieter über einen weiteren Standort Verhandlungen führt. Um welchen Anbieter es sich dabei handelt und in welcher Kirche die Antenne installiert werden soll, wollte er aufgrund der laufenden Verhandlungen nicht sagen.

Welcher Anbieter ist es?

Auf Anfrage dementieren die Mobilfunkanbieter Swisscom und Orange Verhandlungen mit der Kirchgemeinde. «Im Kanton Bern hat Swisscom derzeit kein konkretes Projekt für weitere Antennen in Kirchen», sagt Swisscomsprecherin Merk.

«Wir führen zurzeit keine Gespräche mit der Gesamtkirchgemeinde Bern», sagt Therese Wenger, Mediensprecherin von Orange. Auch mit anderen Kirchgemeinden im Kanton Bern würde man derzeit nicht über Standorte verhandeln. Sunrise, der dritte grosse Mobilfunkanbieter in der Schweiz, will sich nicht zum Thema äussern. Über mögliche Standorte oder Vertragsverhandlungen nehme man grundsätzlich keine Stellung, sagt Sunrisesprecher Roger Schaller.

Weitere Antennen in Kirchen

Mobilfunkantennen in Kirchen sind in der Stadt Bern wenig bekannt, weil sie nicht sichtbar sind, aber sie sind nicht neu. In der Nydeggkirche sendet seit 1996 eine Antenne der Swisscom. Auch die Dreifaltigkeits- und die St.-Peter-und-Paul-Kirche sind mit Sendern ausgestattet.

«Kirchen sind für uns gute Standorte», sagt Orange-Sprecherin Wenger. Die Gebäude seien erhöht, würden zentral liegen und somit die beste Abdeckung ermöglichen. Bei der Swisscom klingt es ähnlich: «Wir prüfen laufend neue Projekte und Standorte, so auch in Kirchtürmen, da die Standorte oft ideal sind und sich gut ins Ortsbild einfügen», sagt Sprecherin Merk.

In der Berner Altstadt sind Antennen grundsätzlich verboten. Sie müssen aus Gründen der Denkmalpflege verborgen montiert werden, wofür es eine Ausnahmebewilligung braucht. Für Liegenschaften der Stadt Bern gilt grundsätzlich ein Moratorium für den Bau neuer Mobilfunkantennen.

Jedoch hat der Gemeinderat vergangenen Sommer zwei Anpassungen vorgenommen. Zum einen dürfen bestehende Anlagen erneuert und ausgebaut werden. Zum andern können begründete Ausnahmen genehmigt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.11.2013, 06:32 Uhr

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Keine Antenne im Kirchturm

Die reformierte Kirche in Muri-Gümligen will keinen Sendemast für eine Handyantenne im Kirchturm. Zweimal hat die Mobilfunkbetreiberin Sunrise ein Gesuch gestellt, zweimal hat der Kirchgemeinderat Nein gesagt – zuletzt im September dieses Jahres. Trotz dem jährlichen Mietzins von 10000 Franken, den Sunrise der Kirche in Aussicht gestellt hatte. Auch in den nächsten fünf Jahren wird keine Antenne im Turm gebaut: Auf diese Zeit hat der Rat ein Baumoratorium für alle Gebäude der reformierten Kirche Muri beschlossen.

Dem Entscheid im September gingen längere Debatten des Kirchgemeinderats voraus. Zudem hatte er eine Umfrage im Internet lanciert und die Frage während der Kirchgemeindeversammlung diskutiert.

Doch wo will Sunrise noch eine neue Antenne in Muri bauen? Der bestehende Mast auf dem Gemeindehaus darf nicht erweitert werden – vor Jahren haben die Stimmbürger an der Urne ein Verbot für neue Antennen auf Gemeindeliegenschaften beschlossen. «Um die Netzabdeckung in Muri-Gümligen zu gewährleisten, suchen wir zurzeit nach alternativen Standorten», so Tobias Kistner von der Medienstelle des Mobilfunkunternehmens. «Die Kirche wäre ein idealer Ort gewesen, da sie relativ hoch ist.» Welche Standorte in Erwägung gezogen werden, verrät Kistner nicht.jek

Versteckte Antennen

Ein Bundesgerichtsurteil vom Mai 2012 macht es Einsprechern schwer, sich gegen versteckte und verhüllte Mobilfunkantennen zu wehren (siehe Haupttext). Damals sprach sich das Bundesgericht in einem Fall aus Hinwil für eine sogenannte Kaskadenregelung aus: Mobilfunkantennen sollen in erster Priorität in Industrie- und Gewerbezonen sowie in Mischzonen installiert werden. Erst wenn es funktechnisch gar nicht anders gehe, seien Standorte in Wohnzonen zu prüfen. Den gleichen Sachverhalt hatte das Bundesgericht kurz zuvor für die Gemeinde Schönbühl bestätigt. Schönbühl hatte sich im Baureglement selber eine solche Kaskadenregelung gegeben. Im gleichen Urteil steht, dass diese Kaskadenregelung nur für sichtbare, aber nicht für versteckte Antennen gilt. Die Begründung: Die gesundheitliche Gefährdung durch Handystrahlen sei wissenschaftlich nicht bewiesen und die Strahlengrenzwerte seien vom Bund abschliessend geregelt.

Gemeinden dürften in ihren Reglementen deshalb nur Einschränkungen für ideelle Immissionen festlegen. Die Bundesrichter schreiben: Es mache psychologisch einen Unterschied, ob die Antenne den Bewohnern unmittelbar vor den Augen stehe oder nicht. Die Kaskadenregel gelte deshalb nur für «visuell wahrnehmbare» Anlagen. In der Schweiz sind Fälle von Antennen in Kirchen, Türmen und Kaminen bekannt. wrs

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