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«Mit dem Neubau sind wir der günstigste Grundversorger im Mittelland»

Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 21.09.2011 1 Kommentar

Der Streit um das neue Stadtspital der Spital Netz Bern AG steht vor der entscheidenden Phase. CEO Reto Flück ist überzeugt, dank dem Neubau werde sein Unternehmen die gesamte Konkurrenz überholen. Das neue Spital werde Prämien- und Steuerzahler entlasten und die anderen Spitäler zu einem Abbau zwingen.

Kämpft für den Bau eines neuen Spitals in Bern:  Reto Flück, CEO der Spital Netz Bern AG, betont, das neue Spital würde ohne Steuergelder finanziert. Die Verträge ?wären unterschriftsreif – zuerst darf sich nun aber das Inselspital äussern.

Kämpft für den Bau eines neuen Spitals in Bern: Reto Flück, CEO der Spital Netz Bern AG, betont, das neue Spital würde ohne Steuergelder finanziert. Die Verträge ?wären unterschriftsreif – zuerst darf sich nun aber das Inselspital äussern.
Bild: S. Anderegg

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Das Unternehmen

Die Spital Netz Bern AG ist nicht nur das grösste Berner Regionalspital. Sie hat auch am meisten Konkurrenz.

Reto Flück ist seit einem Jahr CEO des grössten Regionalen Spitalzentrums (RSZ) im Kanton, der Spital Netz Bern AG. Sie befindet sich wie alle RSZ voll im Besitz des Kantons.

Das Spital Netz Bern betreibt die Akutspitäler in Aarberg, Münsingen und Riggisberg sowie Tiefenau und Ziegler in der Stadt Bern; zum Netz zählen weiter das Spital und Altersheim Belp (Geriatrische Rehabilitation) und das Pflegezentrum Elfenau.

Wie kein anderes RSZ ist das Spital Netz Bern der Konkurrenz ausgesetzt, namentlich durch die vielen Privatspitäler in Bern, aber auch durch die Insel. Dies soll sich ändern: Der Regierungsrat hat letztes Jahr entschieden, die Spital Netz Bern AG und das Inselspital zusammenzuschliessen.

Bis Ende Jahr will er konkrete Entscheide fällen.
Dieser Prozess behindert die Planung des Spital Netz Bern für ein neues Spital in Bern, das die sanierungsbedürftigen Tiefenau und Ziegler ersetzen soll.

Der Neubau soll 250 Betten umfassen, weniger als die beiden Spitäler heute. Ob und wo das Spital gebaut wird, könnte zuletzt die Politik beschliessen. Falls sich Insel und Spital Netz Bern nicht einigen, muss wohl die Regierung entscheiden; der Grosse Rat wird es sich nicht nehmen lassen, ein Wörtchen mitzureden. (fab)

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Plant die Spital Netz Bern AG weiterhin den Bau eines neuen Berner Stadtspitals als Ersatz von Tiefenau und Ziegler?
Reto Flück: Selbstverständlich. Uns liegen seit Anfang Jahr Verträge von zwei «Gesamtleistungserbringern» vor, die diese bereits unterschrieben haben. Wir müssen nur noch einen auswählen und unterschreiben – dann wird gebaut; dabei sprechen wir uns mit dem Inselspital ab, wie dies der Regierungsrat von uns erwartet. Beide Anbieter haben sich verpflichtet, das Spital zu planen, zu bauen und die Finanzierung zu sichern. Wir finanzieren nur die medizinische Infrastruktur, den Bau finanzieren die Anbieter. Beide haben entsprechende Investoren an der Hand. Sie sind ihrer Sache sicher: Wenn sie den Vertrag nicht einhalten, müssen sie uns hohe Geldstrafen im siebenstelligen Bereich bezahlen.

Nun sind sich fast alle einig, dass es gerade in Bern zu viele Spitäler gibt. Trotzdem wollen Sie ein neues Spital bauen. Warum?
Weil wir überzeugt sind, dass es in Bern ein modernes, prozessorientiertes Grundversorgungsspital braucht. Dieses wird vollständig privat finanziert, ohne Steuergelder. Das hat unseres Wissens noch nie ein öffentliches Spital in der Schweiz geschafft. Wir gehen davon aus, dass wir die Fallkosten drastisch, um 20 Prozent, reduzieren können. Damit erreichen wir Kosten von unter 8'000 Franken pro Normfall; das schaffen heute landesweit nur ein paar kleine Spitäler. Der Steuer- und Prämienzahler kann sich also dank dem neuen Spital auf sinkende Kosten freuen.

Überkapazitäten im Spitalbereich führen doch nur zu unnötig hohen Kosten.
Nein. Das neue Spital wird eine Sogwirkung haben, die dazu führen wird, dass andere Spitäler Kapazitäten abbauen müssen.

Wer sich umhört, findet viele Kritiker, die finden, das Stadtspital sei unnötig und solle – wenn überhaupt – bei der Insel gebaut werden.
Sie fragen offenbar die falschen Leute. Ich nehme kaum ernst zu nehmende Kritik wahr. So haben sich zum Beispiel Spitzenleute der Krankenkasse Visana, der Ärztegesellschaft und vereinzelt auch des Inselspitals für unser Projekt ausgesprochen. Dass unsere Konkurrenten keine Freude daran haben, ist verständlich: Sie merken, dass wir unsere Hausaufgaben besser gemacht haben als sie und langfristig günstiger sein werden. Sie haben uns wohl nicht zugetraut, dass wir private Investoren finden.

Ist wirklich ein neues Spital nötig, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen?
Das ist nicht die Frage, die sich uns stellt. Unser Auftrag ist, eine qualitativ gute und kostengünstige Grundversorgung zur Zufriedenheit der Patienten zu erbringen. Das können wir nur, wenn wir die Spitäler Tiefenau und Ziegler durch ein neues Spital ersetzen können.

Primär die Privatspitäler haben in der Vergangenheit kräftig in ihre Infrastruktur investiert. Ihr Vorsprung ist gross. Kommt Ihr Stadtspital nicht viel zu spät?
Nein. Unsere Lösung ist viel radikaler als alles, was die Privatspitäler gemacht haben: Wir bauen ein neues Spital, das wir konsequent auf optimale Prozesse ausrichten können. Dadurch haben wir Möglichkeiten, die die Privatspitäler in ihren bestehenden Häusern nie haben werden. Sie mögen heute einen Vorsprung haben – mit dem neuen Spital werden wir sie aber überholen. Man darf uns nicht unterschätzen: Mit dem Neubau werden wir mit unseren Standorten nicht mehr nur der grösste Grundversorger im Mittelland sein, sondern auch der günstigste. Wir streben die Kostenführerschaft an.

Wenn Sie so sicher sind: Warum haben Sie den Bau noch nicht gestartet? Liegt das einzig daran, dass der Regierungsrat die Spital Netz Bern AG mit dem Inselspital zusammenschliessen will?
Die Regierung will, dass sich beide Spitäler in wesentlichen Fragen abstimmen. Deshalb haben wir restlos alle Unterlagen und Berechnungen zum Neubau an den Verwaltungsrat der Insel weitergeleitet und ihn um eine Stellungnahme gebeten, mit der wir im Herbst rechnen.

Was machen Sie, wenn die Insel Ihre Pläne verwirft?
Das wird unser Verwaltungsrat zu gegebener Zeit entscheiden.

Heftig umstritten ist die Standortfrage: Sie bevorzugen den Standort Tiefenau – Insel-Chef Urs Birchler warb öffentlich dafür, das Spital auf dem Insel-Areal zu bauen.
Herrn Birchlers Äusserungen kommentieren wir nicht; wir warten ab, was der Insel-Verwaltungsrat entscheidet. Immerhin hat er uns im Kooperationsvertrag, den wir vor dem Zusammenschlussprojekt abgeschlossen haben, ausdrücklich die Unterstützung des Neubaus auf dem Tiefenau-Areal zugesagt. Aus unserer Sicht ist Tiefenau klar der bessere Standort: Er bietet mehr Freiraum, um das Spital optimal erstellen zu können. Zudem könnten wir dort sicher rascher bauen als auf dem Insel-Areal. Das ist für uns entscheidend, da wir wie alle Spitäler mit sinkenden Preisen rechnen müssen. Auch auf dem Areal Tiefenau können wir das Spital frühestens 2017 eröffnen.

Sie haben kürzlich auch die zuweisenden Ärzte um ihre Meinung gefragt.
Fast zwei Drittel der Hausärzte ziehen den Standort Tiefenau vor, weil sie in diesem Fall erwarten, dass die Zugänglichkeit zu unseren Spitalärzten und die Übersichtlichkeit besser sind und wir das Spital weiterhin als Grundversorgungsspital führen können. Wird das Spital bei der Insel gebaut, würden uns die Ärzte rund 15 Prozent weniger Patienten zuweisen. Profitieren würden primär die Privatspitäler.

Von aussen entsteht der Eindruck, das Zusammenschlussprojekt führe zu enormen Spannungen zwischen der Insel und Ihrem Spital. Wie läuft das Projekt aus Ihrer Sicht?
Wir arbeiten konstruktiv mit, können aber leider nicht verhindern, dass das Projekt in unserem Betrieb, bei unseren Mitarbeitenden grosse Verunsicherung auslöst.

Schlägt sich dies in einer Zunahme der Kündigungen nieder?
Nein. Wir merken zwar, dass die Konkurrenz aktiv und gezielt versucht, uns Leute abzuwerben. Zum Glück aber ist die Loyalität unserer Angestellten hoch.

Frustriert es Sie, dass der Regierungsrat mit dem Zusammenschlussprojekt das Stadtspital verzögert oder verhindert, von dem Sie so überzeugt sind?
Nein. Die politischen Rahmenbedingungen sind, wie sie sind, und es ist unsere unternehmerische Verantwortung, unsere Eigentümer mit Argumenten von unserem Lösungsvorschlag zu überzeugen.

Viel zu reden gibt auch, dass Sie weiterhin fünf Spitalstandorte führen. Sind das nicht zu viele? Könnten Sie nicht viel Geld sparen, wenn Sie einige davon umnutzen, um die hohen Fixkosten eines Akutspitals zu senken?
Natürlich. Aber man muss auch die Vorteile unserer Struktur sehen: Dank der vielen Standorte sind wir viel näher bei den Patienten und Hausärzten als die Konkurrenz. Diese Präsenz lassen wir uns gerne etwas kosten. Wenn wir ein Spital auf dem Land schliessen oder umnutzen, ist keineswegs gesagt, dass die Patienten nachher in unser Stadtspital kommen. Zudem sind wir nicht in Not, da wir mit einer einzigen Ausnahme nun an allen Standorten Geld verdienen.

Riggisberg schreibt weiterhin rote Zahlen?
Ja. Riggisberg muss sich noch verbessern.

Sie schliessen aktuell eine Schliessung oder Umnutzung von Riggisberg, Aarberg oder Münsingen aus?
Aus heutiger Sicht: ja. Was in zehn Jahren ist, weiss ich nicht. Ob wir alle Standorte aufrechterhalten können, wird vor allem von der Entwicklung der Preise abhängen. Aber immerhin haben wir schon den Standort Belp als Akutspital geschlossen und erfolgreich neu positioniert. Zudem wollen wir Tiefenau und Ziegler schliessen und durch ein neues Spital mit weniger Betten ersetzen. Damit haben wir einen grossen Anteil an die Restrukturierung geleistet, während die Privatspitäler in den letzten Jahren fleissig weiter ausgebaut haben. Das muss man auch mal zur Kenntnis nehmen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.09.2011, 11:06 Uhr

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1 Kommentar

Hans Abbühl

21.09.2011, 20:34 Uhr
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Ich freue mich schon unbändig auf meine Entlastung als Prämien- und Steuerzahler und auf den Abbau bei den andern Spitälern. Wers glaubt, zahlt einen Taler. Antworten



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