Mit Liebe ging das Genie sparsam um

Das Theater Gurten zeigt ab heute im Stück «Einstein» den berühmten Physiker als Privatmenschen. Der Wissenschafter sei gegenüber Frauen ein gefühlskalter Patriarch gewesen, erzählt die Historikerin Franziska Rogger.

Immer im Schatten des grossen Genies: Trotz Betrug stand Elsa, Einsteins zweite Ehefrau und Cousine,hinter ihrem Mann. Seine Geliebten duldete sie stillschweigend. Das Bild entstand 1932 in Amerika.

Immer im Schatten des grossen Genies: Trotz Betrug stand Elsa, Einsteins zweite Ehefrau und Cousine,hinter ihrem Mann. Seine Geliebten duldete sie stillschweigend. Das Bild entstand 1932 in Amerika. Bild: Imago

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Ab heute inszeniert das Ensemble des Theaters Gurten Albert Einsteins Leben. Die Regisseurin Livia Anne Richard legt dabei den Fokus auf den Menschen und nicht den Physiker (wir berichteten). Eine, die einiges über das Privatleben Einsteins zu berichten weiss, ist die Buchautorin und ehemalige Archivarin der Universität Bern, Franziska Rogger (60). Sie verfasste die erste Biografie über Einsteins Schwester Maja und hat sich durch Briefe und Dokumente von und über Einstein gearbeitet. «Einsteins Rolle als Ehemann und Vater ist ein trübes Kapitel», sagt die Historikerin.

Die Frau musste parieren

«Albert Einstein nahm sich alle Freiheiten heraus», sagt Franziska Rogger. Mit seinen Frauen sei er nicht zimperlich umgesprungen. «Er hatte immer Geliebte, in beiden Ehen. Das war kein Geheimnis.» Während Einsteins erste Frau Mileva beinahe daran zerbrochen sei, dass das Genie sie verliess, arrangierte sich seine zweite Ehefrau und Cousine Elsa mit Einsteins liederlichem Lebenswandel: «Wenn er sich zum wöchentlichen Rendezvous mit seiner Geliebten traf, verliess Elsa am Morgen stillschweigend das Haus, um den Tag in der Stadt zu verbringen.»

Was ungeheuerlich klingt, sei für die damalige Zeit nicht abwegig, sagt Rogger. «Einstein war mit seinem Verhalten nicht alleine. Viele Männer nahmen sich die Freiheit heraus, eine Geliebte zu halten. Man kann dieses Verhalten nicht nach heutigen Vorstellungen beurteilen.» Wegen seines ausschweifenden Liebeslebens sei nicht klar, wie viele uneheliche Kinder der jüdische Physiker habe.

Er geizte nur mit Liebe,

Einstein war nicht nur untreu, sondern auch ein Macho und Patriarch. Nachdem die erste Verliebtheit zwischen ihm und Mileva vorbei war, hielt er seiner Nochgattin ein Dokument unter die Nase, worin stand, wie sie sich als Hausfrau zu verhalten hatte, wollte sie weiter mit ihm unter einem Dach leben. «Mahlzeiten mussten pünktlich im Zimmer serviert werden, ansprechen durfte sie ihn nur, wenn er es erlaubte, und auf Zärtlichkeiten hatte sie keinen Anspruch mehr zu erheben», zitiert Franziska Rogger Einsteins Hausregeln.

nicht aber mit Geld

Für seine Kinder hatte Einstein ebenfalls wenig Liebe übrig: Die erste Tochter, die Mileva noch vor der Heirat gebar, gab er weg; über ihr Schicksal weiss niemand Genaueres. Angeblich soll sie krank gewesen und früh gestorben sein. Auch seine beiden Söhne, die nach der Hochzeit zur Welt kamen, interessierten ihn kaum. Als Mileva schwer erkrankte, wollte der bereits geschiedene Einstein ihr die Söhne sogar wegnehmen und seiner Schwester geben. Mileva, seine erste grosse Liebe, mit der er anfänglich noch von einer modernen Arbeits- und Wohngemeinschaft träumte, wollte er in ein Sanatorium stecken. Franziska Rogger sagt, einzig an Geld habe es Frauen und Kindern nicht gemangelt: «Da war er nicht knauserig.»

Soziales Gewissen

«Wenn es um die Liebe ging, hat Einstein jedoch sehr funktional, ja gefühllos gehandelt.» Er habe einmal gesagt, er habe gelernt, Emotionen nicht zuzulassen, schildert die ehemalige Archivarin weiter. Seine Schwester sei es gewesen, welche die verlassenen und betrogenen Frauen Einsteins jeweils getröstet habe. Sie war einer der wenigen Menschen, die der Wissenschafter bedingungslos liebte. Er erfüllte seiner Schwester jeden Wunsch.

Doch nicht nur ihr: Franziska Rogger hat vor einiger Zeit eine Anekdote über Einstein ausgegraben, die durchaus eine menschliche Seite erahnen lässt und zeigt, dass ihm Gerechtigkeit wichtig war. Als der Physiker bereits in Amerika im Exil lebte, flatterte ein Bettelbrief einer jungen, mittellosen Klavierlehrerin aus Bümpliz, Rosa Schmid, auf seinen Schreibtisch. Sie bat ihn, seinen Einfluss geltend zu machen und bei einem ihrer ehemaligen Untermieter das Geld einzutreiben, welches ihr dieser seit Jahren schuldete. Dieser Schuldner, mittlerweile ein bekannter Geschäftsmann, wollte partout nicht zahlen. Einstein setzte sich so lange für die ihm unbekannte Frau ein, bis sie das Geld in ihren Händen hielt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.07.2010, 09:17 Uhr

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