Millionenbetrug? Dubiose Geschäfte mit Liegenschaften

Der Geschäftsführer einer Pensionskasse und ein Bauunternehmer sollen mit Liegenschaftsgeschäften über 10 Millionen Franken ertrogen haben. Jetzt müssen sich die beiden Männer vor dem Wirtschaftsstrafgericht verantworten.

Im Amtshaus in Bern stehen in den nächsten Tagen zwei Männer wegen gewerbsmässigen Betrugs vor Gericht.

Im Amtshaus in Bern stehen in den nächsten Tagen zwei Männer wegen gewerbsmässigen Betrugs vor Gericht. Bild: Keystone

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Die Börse warf kaum noch Renditen ab. Deshalb wollte die Personalvorsorgestiftung (PVS) der Carba-Gruppe mehr Kapital in Immobilien stecken. Doch die Rechnung ging in über einem Dutzend Fällen nicht auf. Denn ihr langjährige Geschäftsführer, der im Unternehmen viel Vertrauen genoss, tat sich mit einem befreundeten Bauunternehmer zusammen.

Innerhalb von wenigen Jahren kaufte die Pensionskasse ihm fünfzehn Liegenschaften ab. Die bezahlten Preise überstiegen gemäss Anklageschrift den effektiven Wert der Gebäude jeweils um mehrere Hunderttausend Franken. In einem einzelnen Liegenschaftshandel sogar die 3-Millionen-Grenze.

Der Staatsanwalt kommt bei den ­abgesprochenen Immobiliengeschäften auf einen Deliktsbetrag von knapp 11 Millionen Franken. Die für knapp 42 Millionen Franken gekauften Liegenschaften haben gemäss einem Gutachten einen Wert von bloss 31 Millionen.

Die Verfehlungen flogen auf, als der Geschäftsführer pensioniert wurde. Die PVS der Carba-Gruppe gab im November 2010 in einer Medienmitteilung bekannt, dass sie ihren langjährigen Kadermann und eine Drittperson angezeigt habe.

Zu teure Sanierungen

Die Kaufverträge wurden in den Jahren 2007 und 2008 abgeschlossen. Wirksam wurden sie teilweise erst zwei Jahre später, wenn die Gebäude saniert waren. Bei diesen Sanierungen der meist älteren Liegenschaften ging es laut Anklage auch nicht mit rechten Dingen zu. Die Arbeiten wurden zu massiv überhöhten Preisen abgerechnet.

Der damalige PVS-Geschäftsführer beauftrage damit den Bauunternehmer konkurrenzlos und zu nicht dem Markt entsprechenden Preisen. Bei zwei konkreten Objekten wurden Sanierungen für insgesamt 2,7 Millionen Franken in Rechnung gestellt. Der effektive Wert der Arbeiten beträgt gemäss Gutachten aber nur 1,13 Millionen Franken. Zum Teil kamen wenig qualifizierte Subunternehmer zum Zug.

Mieter getäuscht

Der Staatsanwalt hat die Männer deshalb wegen gewerbsmässigen Betrugs angeklagt. Der Bauunternehmer aus dem Berner Oberland muss sich zudem wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs verantworten. Nach einer Totalsanierung von zwei Liegenschaften legte er gefälschte und zu hohe Bauabrechnungen vor, um die starken Mietzinserhöhungen zu begründen.

Der angeklagte Ex-Geschäftsführer erklärte am Montag vor dem Wirtschaftsstrafgericht, dass er dem Anlageausschuss und dem Stiftungsrat der PVS vor einem Kauf immer sämtliche Dokumente vorgelegt habe. Die garantierten Mietzinseinnahmen habe ihm der Bauunternehmer zur Verfügung gestellt.

Er selber habe hart mit seinem Geschäftspartner verhandelt und versucht, immer das Beste für die PVS herauszuholen. So habe er erreicht, dass der Unternehmer bei den Sanierungen rund 10 Millionen mehr investiert habe, als effektiv verrechnet worden seien. Durch diese Garantien hätten die Liegenschaften mehr als sechs Prozent Rendite abgeworfen. Der Angeklagte wirkte abgeklärt und kompetent, er sprach mit ruhiger Stimme und konnte einzelne Beträge auf den Franken genau ­sagen.

Darlehen oder Provision?

Zu Sprache kamen auch jene 3,1 Millionen Franken, die der Bauunternehmer dem Geschäftsführer in bar (!) gegeben hatte. Das seien keine Provisionen gewesen, betonte der Geldempfänger: «Es war ein Darlehen. Das habe ich zurückbezahlt.» Er gedachte in diesen Jahren selber ein Mehr­familienhaus zu kaufen, konnte aber noch nicht auf das private Vorsorge­kapital zurückgreifen.

Ein Mitglied des Anlageausschusses sagte vor Gericht, dass man ein gewisses Risiko in der Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmer gesehen habe. Deshalb wurde ein Fachmann bei­gezogen, der die Sanierungen begleiten und überwachen sollte. Die Verhandlung geht heute mit der Befragung der beiden Angeklagten weiter. Am Donnerstag folgen die Plädoyers. Das Urteil soll am Mittwoch, 29. März, eröffnet werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 11:27 Uhr

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