Milchbauern kehren der Käserei Ferenberg den Rücken
Von Martina Kammermann. Aktualisiert am 29.11.2011 1 Kommentar
Nun ist es auch in Ferenberg angekommen, das Käsereisterben. Per Ende Jahr stellt die Käsereigenossenschaft Ferenberg-Bantigen ihren Betrieb in der Dorfkäserei ein. Laut ihrem Präsidenten Andreas Schmid lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Schon im Frühling überlegte sich die Genossenschaft, den Betrieb zu schliessen, da kein Nachfolger für den langjährigen Käsermeister Stefan Oberli zu finden war. Doch stellte sie im Juni schliesslich den Käsermeister Beat Mathis als Betriebsleiter ein – und nahm somit mehr Risiko auf sich.
Einen Strich durch die Rechnung machte ihr der stark sinkende Emmentaler-Preis. Betrug der Produzentenpreis für das Kilo im Frühling noch 6.60 Franken, sind es heute nur 5.50 Franken. «Das rechnet sich nicht mehr», sagt Schmid. So stellte die Genossenschaft, ihre acht Mitglieder sind Milchbauern aus der Region, die Produktion von Emmentaler AOC im August ein. Ende Dezember gibt sie die Käserei ganz auf.
Emmi machte Druck
Die acht aktiven Milchbauerbetriebe des Einzugsgebiets produzieren nun Industriemilch, die sie an die Lobag Milch AG liefern. Sie wird in Milchkühlanlagen aufbewahrt und alle zwei Tage abgeholt. Dass sich die Ferenberger Milchbauern gegen die Käserei entschieden haben, enttäuscht Käser Mathis. Die Bauern hätten sich von Emmi unter Druck setzen lassen, findet er.
Mit dem Hinweis auf volle Lager senkte Emmi den Emmentaler-Preis; gleichzeitig bot sie den Milchlieferanten von Emmentaler-Betrieben an, auf Industriemilch umzusteigen. Diese darf man zum Herstellen von Emmentaler AOC nicht benutzen. Bis zum 31.August könne sie Bauern in einen limitierten Lieferantenpool aufnehmen, schrieb Emmi im Juli. Danach könne sie für nichts garantieren.
Käser Mathis ist überzeugt, dass die Käserei hätte erhalten werden können, wenn die Bauern nicht in Kühltanks für die sogenannte Silomilch, sondern in die Käserei investiert hätten. Doch hätten sie den Mut dazu nicht aufgebracht.
Genossenschaftspräsident An-dreas Schmid indes bekräftigt, dass man wirklich alles probiert habe, um die Käserei zu retten, aber: «Der wirtschaftliche Zustand ist so desolat, da ist es mutiger, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen.» Das Angebot der Emmi habe wohl den Zeitpunkt beeinflusst, nicht aber den Entscheid.
Neuer Investor im Gespräch
Da die Käserei für das Dorf ein wichtiges Gebäude ist, will die Genossenschaft nichts überstürzen, sondern die Liegenschaft fürs Erste vermieten. «Für die Wohnung im Obergeschoss haben wir bereits Interessenten», so Schmid. Was mit der Käserei im Erdgeschoss passiert, sei noch unklar. Es komme darauf an, ob sich eine Firma finde, welche die Räume mieten und weiterproduzieren wolle, sagt Schmid.
Dies ist laut Käsermeister Mathis nicht unwahrscheinlich. «Nur weil die Genossenschaft keinen Käse mehr machen will, heisst das nicht, dass wir schliessen müssen.» Wenn er in Ferenberg zu guten Konditionen weiterkäsen könne, würde er das tun. So ist Mathis bereits mit einem möglichen Investor, dessen Namen er nicht nennen will, in Kontakt. Es sei eine renommierte, mittelgrosse Lieferantenfirma aus der Schweiz. Das Ende der Käserei ist also noch nicht besiegelt. «Wir sind am Verhandeln, es ist aber noch nichts spruchreif», so Mathis.
Milch künftig von auswärts
Ob in Ferenberg künftig Käse produziert wird oder nicht – sicher ist, dass die Bauern aus der Region ihre Milch nicht mehr an die Käserei liefern werden. Momentan liefert noch ein Bauer Nicht-Silo-Milch an die Käserei. Findet Beat Mathis einen neuen Auftraggeber, wird dieser Bauer das wohl auch weiterhin tun. «Für die anderen ist der Zug abgefahren», so Mathis, «der Grossteil der Milch wird von auswärts kommen.»
Die Zukunft der Käserei wird sich laut Andreas Schmid in den nächsten Wochen entscheiden. Die Milchgenossenschaft werde auf jeden Fall weiter bestehen, solange sie Besitzerin der Liegenschaft sei.
Sicher noch bis Ende Jahr produziert und verkauft Mathis in Ferenberg Bantiger Käse, Joghurt, Butter, Rahm, Drink- und Pastmilch. Auch den Wochenmarkt führt er weiterhin durch. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.11.2011, 09:57 Uhr
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