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Mehr zahlbare Kita-Plätze dank Gutscheinen

Von Christoph Aebischer. Aktualisiert am 10.01.2012

Gemeinderätin Edith Olibet rechnet mit Mehrkosten, wenn 2013 in der Stadt Bern Betreuungsgutscheine eingeführt werden. Das Umkrempeln der Unterstützung bei der familienexternen Kinderbetreuung bedeute nämlich faktisch ein Rechtsanspruch.

Zufriedene Kinder, zufriedene Eltern: Die Mobiliar bietet ihren Angestellten eine eigene Kita.

Zufriedene Kinder, zufriedene Eltern: Die Mobiliar bietet ihren Angestellten eine eigene Kita.
Bild: Susanne Keller

20 Jahre Firmen-Kita

Schweizerische Mobiliar 1992 richtete die Genossenschaft Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft eine eigene Kindertagesstätte (Kita) ein. Gestern würdigte CEO Markus Hongler diese Pionierarbeit. Die Einrichtung – notabene die einzige private Firmen-Kita in der Stadt Bern – sei viel mehr als ein blosser Service für erwerbstätige Eltern. Dahinter stecke auch eine Firmenkultur für familienfreundliche Arbeitsplätze. Laut Erich Kaser, der den Personalbereich leitet, erweist sich dies als Trumpf auf dem Arbeitsmarkt. Die Eltern bezahlen ähnlich wie bei der Stadt einen einkommensabhängigen Tarif. Die Unternehmung lässt sich das jährlich rund 700'000 Franken kosten.

Heute werden in der firmeneigenen Kita Mikado am Sulgenauweg 30 Betreuungsplätze angeboten. Gegenwärtig werden insgesamt 52 Kinder betreut; 41 davon sind Kinder von Mobiliar-Angestellten, und wiederum die Hälfte davon wohnen in der Stadt Bern. Die Mobiliar beschäftigt in der Stadt Bern rund 1300 Personen.

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Durch die Hintertür erlangt Sozialdirektorin Edith Olibet (SP) nun doch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. «Wer laut kantonaler Verordnung Anrecht auf eine Vergünstigung hat, erhält einen Betreuungsgutschein. Dies, sofern die Eltern einen Betreuungsplatz gefunden haben», sagt sie anlässlich des Jubiläums der einzigen Firmen-Kita in der Stadt Bern.

Sie geht davon aus, dass die heute schon bestehenden Plätze die Nachfrage decken. Einzig die Zahl der unterstützten Kinder werde wohl zunehmen. Denn ab 2013 finanziert die Stadt nicht mehr Einrichtungen, sondern richtet die Vergünstigung direkt an die Eltern aus. So verlangten es die Stimmbürger im Frühjahr 2011, als sie die Kita-Initiative der SP (Recht auf einen Kitaplatz) verwarfen, dafür den Gegenvorschlag mit Betreuungsgutscheinen guthiessen. Diesen Gegenvorschlag erzwang eine Mitte-rechts-Koalition im Stadtrat gegen den Willen des Gemeinderats.

Kosten werden steigen

«Wir rechnen mit höheren Kosten und haben mehr Mittel im Budget eingestellt», sagt nun Olibet. Falsch ausgegeben sei das Geld aber keineswegs. «Was wir in der Schweiz ins Kleinkindalter investieren, ist schäbig wenig», betont sie. Unverständlich für sie. Denn weil beide Eltern arbeiten können würden und Kinder gut betreut aufwüchsen, habe am Schluss auch der Staat etwas davon, glaubt sie.

Steigende Kosten für die Stadt erwartet Olibet aus folgenden Gründen: Der Kanton beharre auf den heutigen Tarifen. Das heisst, wer Anspruch auf eine Subvention hat, behält diese in voller Höhe. «Eltern dürfen nicht stärker belastet werden, das hat der Kanton erst kürzlich klargemacht.» Darum werden im Pilotversuch auch Eltern Gutscheine beantragen dürfen, die bis jetzt keinen subventionierten Platz gefunden haben. Diesen werden sie neu bei irgendeiner Institution, welche die Anforderungen erfüllt, einlösen können. Zudem bestehe laut Olibet «ein gewisses Risiko», dass Unternehmen, die heute Kita-Plätze einkaufen und zur Verfügung stellen, ihre Angestellten auch zur Stadt schickten.

Gespräch mit Firmen suchen

Am Rande der gestrigen Veranstaltung war genau dies zu hören. Einerseits von der Mobiliar selber: CEO Markus Hongler würde sich auf jeden Fall nicht dagegen sträuben, wenn die Stadt auch an der firmeneigenen Kita Plätze subventionieren würde. Aktuell kommen dafür die Eltern von 21 Kindern infrage, sofern ihr Einkommen nicht zu hoch ist. Anderseits hörte Katharina Bögli, Geschäftsführerin des Gemeinnützigen Frauenvereins (SGF), solche Andeutungen von Firmen, die bei SGF-Kitas Plätze einkaufen. Der SGF betreibt in Bern acht Kitas mit insgesamt 180 Plätzen.

«Wir werden das Gespräch mit den Firmen suchen müssen», kündigt Olibet an. Sie geht aber davon aus, dass deren investierte Mittel auf den Gesamtkuchen betrachtet nicht allzu viel ausmachen. Mit einer Ausnahme: «Bei den Spitälern würde es einschenken.» Dort führt der Kanton jeweils eigene Betreuungsstätten.

In der Stadt Bern werden in städtischen und privaten Kitas sowie bei Pflegeeltern über 3000 Kleinkinder betreut, die Hälfte davon Säuglinge. Gegenwärtig warten über 1000 Kinder auf einen Betreuungsplatz, wie Olibet ausführt. Allerdings seien darunter auch solche, die bereits einen Platz an einer privaten Einrichtung belegten. «Deren Eltern möchten einfach in den Genuss eines vergünstigten städtischen Angebots kommen.» Gutscheinbefürworter FDP-Stadtrat Pascal Rub ist überzeugt, dass dank der neuen Unterstützungsweise solch lange Wartelisten bald der Vergangenheit angehören werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2012, 07:40 Uhr

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