Region

Mehr Polizei heisst für Kapo nicht automatisch weniger Straftaten

Für den Kommandanten der Kantonspolizei Bern, Stefan Blättler, kann mehr Polizeipräsenz auf den Strassen zwar die Sicherheit erhöhen. Man könne aber nicht sagen, mehr Polizei bedeute automatisch weniger Straftaten.

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Blättler machte diese Aussagen an einer Medienkonferenz des Berner Gemeinderats zur Initiative «Für eine sichere Stadt Bern», über die am 7. März abgestimmt wird. Hauptforderung der Initiative aus den Reihen der FDP, SVP und CVP der Stadt Bern sind 45'000 Stunden mehr sichtbare Polizeipräsenz in Bern pro Jahr.

Der Gemeinderat lud Blättler zur Medienkonferenz vom Mittwoch ein, um die Diskussion zu versachlichen, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) sagte. Um Fragen zur Sache zu beantworten, sei niemand besser geeignet als der Kommandant der Kantonspolizei.

Nicht von heute auf morgen zu haben

Er sei nicht hier, um seine Position zur Initiative bekanntzugeben, sagte Blättler am Sitz der Stadtregierung. Es gehe um eine Frage, die der Stadtberner Souverän zu beantworten habe. Seine Aufgabe sei es, gewisse Dinge zu relativieren.

Bern sei objektiv gesehen eine sichere Stadt, führte Blättler aus, und die Anzahl der Delikte sei nicht gestiegen, wohl aber die Qualität. Raub und Körperverletzungen hätten zugenommen.

Blättler betonte, dass die von der Initiative geforderte grössere Polizeipräsenz im Falle eines Ja an der Urne nicht von heute auf morgen zu haben wäre. Auch der Grosse Rat verlange mehr Polizei; erst in den nächsten Jahren könnten diese Stellen besetzt werden. «Wir müssen mit dem Arbeitsmarkt arbeiten, den es gibt».

Mehr Gewalt: weltweites Phänomen

Tschäppät und der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) warben vor den Medien für den Gegenvorschlag des Gemeinderats. Dieser biete auch 20 zusätzliche Polizisten in Zeiten, in denen es sie brauche, sagte Nause. Das sind für ihn Donnerstag-, Freitag- und Samstagnacht, etwa in den Gassen der Innenstadt.

Nause erklärte, er persönlich stehe heute voll hinter dem Gegenvorschlag. Wichtig zur Eindämmung der Kriminalität sei insbesondere der Fahndungserfolg der Polizei.

Wie Nause sprach auch Tschäppät von einer Zunahme der Brutalität bei körperlichen Angriffen und von mehr organisierter Kriminalität. Das sei eine Tatsache, aber ein weltweites Phänomen. Man müsse ganzheitlich denken, das Problem etwa auch bei der fehlenden Solidarität in der heutigen Gesellschaft sehen, und dort ansetzen.

Ausser mehr sichtbare uniformierte Polizeipräsenz auf den Strassen Berns will die Initiative auch mehr Gewaltprävention. Sie kostet laut dem Gemeinderat pro Jahr 5,8 Millionen Franken mehr, der Gegenvorschlag 2,2 Millionen Er setzt ausser auf mehr Polizei auch auf bauliche Massnahmen und mehr Gassenarbeit durch das Team für Prävention, Intervention und Toleranz (PINTO).

Reaktion des Initiativkomitees

Das Komitee «Für eine sichere Stadt Bern» kritisiert den Anlass. Es wurde falsches suggeriert, wirft Philippe Müller (FDP) dem Gemeinderat vor. Der Gegenvorschlag sei nicht schneller wirksam als die Initiative, wie in der heutigen Pressekonferenz gesagt. Die ersten 14 Polizisten seien sowohl bei der Initiative als auch beim Gegenvorschlag genau gleich schnell da. Der Unterschied sei, dass beim Gegenvorschlag danach Schluss sei. Des Weiteren kritisiert das Komitee das Erscheinen des Kantonalen Polizeikommandanten und beharrt auf dem Standpunkt, dass eine grössere Polizistenzahl die Sicherheit in der Stadt erhöhen würde. (jek/sda/)

Erstellt: 27.01.2010, 17:07 Uhr


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