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Marschhalt bei der Umgestaltung der Freiwilligenarbeit
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Der Berner Stadtrat hat am Donnerstag einen Marschhalt bei der Umgestaltung der Freiwilligenarbeit beschlossen. Die eingeleitete Neuorganisation war Ende Januar am Widerstand der drei Trägervereine gescheitert.
Heute bestehen Leistungsverträge mit diesen drei Trägerschaften. sie umfassen insgesamt 33 Vereine, die über 55'000 Stunden Freiwilligenarbeit pro Jahr leisten.
Die drei Organisationen hatten die Notbremse gezogen und verzichteten auf eine Zusammenführung, dies wegen unüberbrückbarer Differenzen in der Frage der Ausgestaltung einer gemeinsamen Organisation. Es bestand auch ein Unbehagen, weil vieles von oben verordnet werden sollte. Zudem befürchtet man eine Professionalisierung und Akademisierung der ehrenamtlichen Arbeit.
39 zu 29 Stimmen für Marschhalt
Dieses Unbehagen spiegelte sich am Donnerstag auch im Stadtparlament, wo vier Vorstösse ganz unterschiedliche Vorschläge hatten, wie nun in dieser komplexen und für die Stadt bedeutenden Frage weiter zu verfahren sei. Mit 39 zu 29 Stimmen beschloss der Rat schliesslich einen Marschhalt.
Zuerst soll nun eine politische Diskussion geführt werden, welche Bedürfnisse genau abgedeckt werden sollen. Später sollen dann für die Umsetzung dieser Bedürfnisse Leistungsverträge ausgeschrieben werden. Ein Schritt, gegen den sich die Ratslinke vergeblich mit dem Hinweis zur Wehr setzte, für den Bereich der Freiwilligenarbeit gebe es keinen Markt.
Dachorganisation klar abgelehnt
Keine Chance hatte ein Vorstoss der GFL/EVP-Fraktion, der verlangte, der Gemeinderat solle die Schaffung einer Dachorganisation der drei aktuellen Trägervereine prüfen. Der Rat wies die Motion mit 55 zu 10 Stimmen ab.
Dass es eine Neuorganisation braucht, war im Rat jedoch grundsätzlich unbestritten. Die Art und Weise, wie die Sozialdirektion von Edith Olibet dies zu tun gedachte, gab jedoch allen im Rat zu denken.
Die Leute an der Basis in den Quartieren seien viel zu wenig in den von oben aufgestülpten Prozess mit einbezogen worden, lautete die Hauptkritik. Man wolle keine Zwangsfusion und keine Professionalisierung.
90'000 Franken in den Sand gesetzt
Kritisiert wurde auch der intransparente Prozess und die lange konsequente Ignorierung jeglicher Kritik. Laut Michael Köpfli (GLP) wäre so eine elitäre Profiorganisation entstanden, der die Ehrenamtlichen lediglich hätten zudienen dürfen. Olibet habe so mehr Einfluss und Kontrolle erwirken wollen. Nun habe man mindestens 90'000 Franken in den Sand gesetzt.
Olibet wies die Anwürfe zurück. Es seien sehr viele Leute aus den Quartieren in den Prozess einbezogen gewesen. Es sei auch nie davon die Rede gewesen, Freiwillige durch Profis zu ersetzen. Ziel des Gemeinderates sei es, die Freiwilligenarbeit zu stärken und zu fördern. Der Gemeinderat habe einen Schritt weiter gehen wollen, der Prozess sei nun jedoch gebremst worden. (tan/sda/)
Erstellt: 18.03.2010, 20:16 Uhr
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