Majoretten am Galaabend
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Mehrere Meter wirbeln die jungen Frauen in rot-weissen Uniformen den Metallstab durch die Luft und fangen ihn wieder auf. Sie drehen ihn zwischen allen fünf Fingern der rechten Hand hindurch und schwingen ihn hinter dem Rücken von der einen Hand in die andere. Und dies alles in einem atemberaubenden Tempo.
Die 52 Majoretten aus Münsingen organisierten am Samstagabend im Schlossgutsaal ihre vierte Galavorstellung seit der Trennung vom Tambourenverein 2005. Mit einer abwechslungsreichen Show begeisterten sie 500 Zuschauerinnen und Zuschauer. Gleichzeitig standen sie zum ersten Mal in ihrer neuen Uniform auf der Bühne.
Er ist immer dabei: Der Stab
Vor dem Auftritt zeigen die jungen Frauen hinter der Bühne, welche Utensilien sie für ihren Sport verwenden.
Der Begriff «Majorette» stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie «junges Mädchen in Uniform, das bei festlichen Umzügen paradiert». Das wichtigste Utensil der Majoretten ist der Stab, «Bâton» genannt. «An beiden Enden des Stabes sind zwei unterschiedlich schwere Plastiknoppen angebracht. Sie bewirken, dass sich der Stab schneller dreht und länger in Schwung bleibt», erzählt Carole Sterchi (24), die Präsidentin der Majoretten Münsingen. Gemessen werden die Stäbe in Inch, der Stab der Münsinger ist umgerechnet etwa 70 Zentimeter lang. «Praktisch alle Choreografien werden bei uns mit dem Stab getanzt. Doch auch Bänder, Reifen oder Pompons kommen zum Einsatz.»
So auch bei der zweistündigen Galavorstellung vom Samstag. Die älteste Gruppe der Majoretten Münsingen «Eos Hespera» zeigte Stücke mit Leuchtkugeln, fluoreszierendem Licht und Fässern. «Was uns ausmacht, ist der Mix an Musik und Tanzstilen, die wir einsetzen», erzählt Sterchi. Die Majoretten seien heute den modernen Tanzshowgruppen näher als den traditionellen Majoretten.
Die neue Uniform
Seit die Majoretten sich vom Tambourenverein losgesagt haben, verzeichnet der Verein laufend steigende Mitgliederzahlen. «Wir mussten vor kurzem sogar einen Eintrittsstopp aussprechen», so die Präsidentin. Im Moment tanzen 52 Mädchen und Frauen zwischen 6 und 27 Jahren bei den Majoretten in Münsingen.
«Wir hatten zu wenig Uniformen, und diese waren zudem langsam veraltet», erzählt Vorstandsmitglied Delia Sterchi (22). Wie ihre beiden älteren Schwestern Carola und Irina tanzt sie seit über 16 Jahren bei den Majoretten. «Über die neue Bekleidung wurde lange diskutiert, Entwürfe wurden gezeichnet und wieder verworfen und Sponsoren gesucht und gefunden», so Delia Sterchi. Die neuen massgeschneiderten Uniformen in den Vereinsfarben Rot und Weiss kosteten über 1000 Franken pro Tänzerin.
Scheinwerfer schluckt Licht
Zur Uniform gehören bei den älteren Tänzerinnen weisse Kunstlederstiefel, die am Schienbein geschnürt werden. «Wir haben sie in Holland anfertigen lassen», erklärt Carola Sterchi. Die Stiefel sind aus weichem Material und verfügen über einen etwa fünf Zentimeter hohen Absatz.
Ebenfalls unabkömmlich für den Galaabend ist das Make-up. Sogar die 6-jährigen Mädchen der Mini-Majoretten tragen Wangenrouge und Wimperntusche. Der Schminktisch in der Garderobe der ältesten Majoretten ist übersät mit roten Lippenstiften, Puder, Wimperntusche und Haarspangen. Eine Tänzerin, die soeben einen Lidstrich zieht, erklärt, dass das Scheinwerferlicht die Farben auf der Bühne schlucke. «Würden wir uns nicht so stark schminken, sähen wir alle wie Leichen aus», erklärt sie und lacht. Nervosität herrscht hinter der Bühne vor dem grossen Auftritt. Dann sind die Majoretten bereit, und der Vorhang öffnet sich für die 52 Tänzerinnen.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 19.10.2009, 08:08 Uhr
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