Lehrer fordern anderthalb Stellen pro Klasse

Von Peter Steiger. Aktualisiert am 02.09.2010

200 Könizer Pädagogen verlangen vom Kanton mehr Lehrerstellen. Regierungsrat Bernhard Pulver reagiert skeptisch.

Ist skeptisch: Bernhard Pulver.

Ist skeptisch: Bernhard Pulver.
Bild: Walter Pfäffli

In einem Brief an die Berner Erziehungsdirektion stellen die Könizer Lehrerinnen und Lehrer drei Forderungen. Sie wollen erstens Jobsharing für den Kindergarten sowie die 1. und 2.Klasse. Mindestens für die Hälfte der Lektionen sollen zwei Lehrkräfte gemeinsam verantwortlich sein. Pro Klasse würde dieses Teamteaching 150 Stellenprozente beanspruchen. Zweitens verlangen sie für die 3. bis 9.Klasse zusätzliche Lehrkräfte, die nach Bedarf einspringen können. Und drittens möchten sie mehr Geld: Weil Teamteaching Mehrarbeit bedeute, wollen sie, dass der Kanton diesen Zusatzaufwand entschädigt.

Mehr als 200 Lehrerinnen und Lehrer haben unterschrieben, rund die Hälfte der Könizer Pädagogen. Sie begründen ihre Vorschläge mit den anstehenden Reformen der Berner Schulen. Die geplanten Änderung bedeuten unter anderem, dass die Kleinklassen aufgelöst und alle Schülerinnen und Schüler Regelklassen besuchen. Diese Integration beanspruche die ohnehin belasteten Pädagogen übermässig, befürchten die Könizer Fachleute.

Teamteaching entlaste nicht bloss die Lehrer, sondern steigere auch die Qualität des Unterrichts, argumentieren die Verfasser. Markus Keel, Leiter der Schule Spiegel, ist einer der Initianten des Schreibens. Die Situation sei in Köniz nicht schlimmer als anderswo, sagt er. «Doch wollen wir als viertgrösste Berner Gemeinde ein deutliches Zeichen setzen.» Der Kanton verlange stets mehr, ohne dafür zu bezahlen.

Die Gemeinde Köniz kennt den Brief. «Wir können uns noch nicht zu den Forderungen äussern», sagt der für die Schule zuständige Gemeinderat Ueli Studer (SVP). Der kantonale Erziehungsdirektor Bernhard Pulver betont, dass er die Anliegen der Könizer Lehrer verstehe. Doch seien die Konsequenzen enorm. Flächendeckendes Teamteaching für die Unterstufe würde jährlich zwischen 20 und 40 Millionen Franken kosten. Dies könne sich der Kanton nicht leisten. «Doch wollen wir Lehrkräfte gezielt unterstützen, etwa wenn sie grosse Klassen betreuen müssen», so Pulver.

Skeptisch reagiert er auf die Forderung, dass der Mehraufwand für Teamteaching auch noch zusätzlich zu vergüten sei: «Es ist schwer erklärbar, Teamteaching als Entlastung zu fordern und sich dies gleichzeitig als Zusatzaufwand entschädigen zu lassen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 02.09.2010, 07:55 Uhr

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